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06.09.13

Loewe: Anzugträger auf Rettungsmission mit Apple als Vorbild

Konzept für die Zukunft: Der Fernseher im Wandschrank. (Alle Bilder: Loewe)

Loewe, der angeschlagene deutsche Hersteller für Luxus-Entertainment-Geräte, will sich über Smart TVs und Connected Devices retten, wobei Apple ein Vorbild sein soll. Das kann dank immer noch schöner Designs sogar gelingen, auch wenn man zunächst auf 4K-Fernseher verzichtet.

Konzept für die Zukunft: Der Fernseher im Wandschrank. (Alle Bilder: Loewe)

Eine derart ungewöhnliche Pressekonferenz sieht man in diesen Tagen selten: Keine laute Rockmusik, kein Entertainer, der durchs Programm führt, keine bildfüllenden Leinwände, wie das die Apples, Samsungs und Sonys dieser Welt eigentlich alle machen. Nein, bei Loewe gibt es eine hässliche PowerPoint-Präsentation mit Serifenschrift und viel Text. Anzugträger beherrschen das Bild. Die Konferenz wird auf Deutsch gehalten, die wenigen internationalen Gäste, die sich auf der IFA in Berlin in Halle 6.2 unweit des Medienzentrums verirrt haben, erhalten Kopfhörer; ein Simultandolmetscher übersetzt.

Besonders fortschrittlich oder auch modern wirkt es nicht, wie sich Loewe präsentiert. Zuschauer erhalten den Eindruck eines stark hierarchischen Unternehmens mit strikter Business-Etikette. Der Witz ist: Ausgerechnet diese Firma, die von MBAs im Anzug geführt wird, beweist nach wie vor ein erstaunliches Gespür für Design. Wie kann das sein?

Kein UHD, aber warum auch?

Loewes Vorstandsvorsitzender heißt Matthias Harsch und in seinem PowerPoint-Vortrag gibt er sich sicher, dass vernetzte Systeme und Smart TVs die Zukunft sein werden. Das dürfte die Besucher wenig überraschen, die das Geschehen auf dem TV-Markt in den vergangenen Jahren mit offenen Augen und Ohren verfolgt haben. Was Loewe hier endlich erkannt hat, haben Samsung, Panasonic, Sharp und Co. schon längst umgesetzt. Loewes Glück: Der Markt für Smart TVs beginnt erst zu wachsen. Hier kann immer noch mitmischen, selbst wer jetzt erst einsteigt.

Und UHD alias 4K, der neue Trend, der eine vierfache Full-HD-Auflösung verspricht? Laut Technikvorstand Detlef Teichner hat Loewe das Thema aber ganz sicher auf dem Schirm. Man forsche intensiv daran und werde schon bald entsprechende Maßnahmen hinsichtlich einer blühenden 4K-Zukunft treffen. Panasonic, Sharp, LG und Samsung duellierten sich bereits im vergangenen Jahr auf der IFA mit ersten UHD-Fernsehern. Aber selbst mit diesem Rückstand muss Loewe sich nicht zwingend aus dem Rennen verabschieden. UHD-Fernseher sind derzeit noch so teuer, dass sie sich kaum jemand leisten kann und mag, zumal es sich dabei nur um einen De-Facto-Standard handelt. Erste 4K-Videotheken, wie von Sony, gibt es zwar und Satelliten- und Kabel-Anbieter haben die ersten Sender in der hohen Auflösung angekündigt. Es wird aber noch ein paar Jahre dauern, bis es damit richtig los geht. In Deutschland wohl nicht vor 2016. Irgendwann rechtzeitig dann will Loewe auch dabei sein und von seiner besonderen Smart-TV-Oberfläche profitieren. Apple habe die Benutzeroberfläche für mobile Geräte revolutioniert, sagt Harsch, Loewe derweil das Smart TV. Apple könne hier durchaus ein Vorbild sein.

Erstaunlich ist der Blick auf Loewes "My perfect Entertainment" auf dem Messestand. Wie können diese Anzugträger nur diese edlen Designs aus dem Boden stampfen? Wie passt das zusammen? Warum hält die Konkurrenz aus Ostasien da nicht mit?

Finanzierung erst einmal gesichert

Am Ende macht der Preis die Musik. Loewe wolle zwar eine neue, erschwinglichere Geräteklasse auf den Markt bringen, sagt Harsch, die Einstiegsklasse aber dann doch der Konkurrenz überlassen. Verschiedenste Übertragungsstandards, vernetzte Entertainment-Geräte, Technik als Deko-Gegenstände, Fernseher im Wandschrank - all das plant Loewe für die Zukunft. Die Finanzierung sei erst einmal gesichert, versprach der Vorstand. Selbst wenn der Rettungsschirm, unter den man geflüchtet war, im Oktober ausläuft, stünden die Banken und eine Bürgschaft des Freistaates Bayern für Loewe ein. Der chinesische Staatskonzern Hisense ist bereits Partner der Franken geworden. Jetzt suche man noch einen Content-Partner und im besten Fall einen langfristigen Investor. Wenn man Harschs Optimismus teilen mag, dürfte das alles aber machbar sein.

Und ob man nun darüber lachen mag oder nicht: Mit diesen edlen Designs, die Loewe seit Jahren und auch in diesem Jahr auf der IFA wieder vorstellt, kann das Zukunftskonzept funktionieren. Die anderen sind billiger, aber Loewe ist schöner. Die Designer müssen ein anderer Schlag Mensch sein, als der, der Beamer-Vorträge auf die Leinwand wirft und von Restrukturierungskonzepten erzählt. Aber sollte es wirtschaftlich mit der Welt wieder aufwärts gehen, dann sieht es für Loewe mit diesem Alleinstellungsmerkmal gar nicht mal so schlecht aus. Trotz oder gerade wegen der eigenwilligen Zusammenarbeit von biederen Anzugträgern und Menschen mit einem guten Gespür für Design.

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