Hier finden Sie weitere Artikel aus der Themensammlung Technik

19.05.10

Livescribe Pulse Smartpen im Test (I von II): Digistift für Papierfreunde

Livescribe Pulse Smartpen im Einsatz

Nichts ist besser als ein Notizheft - ausser ein Notizheft mit dem cleversten aller Kugelschreiber - dem Livescribe Pulse Smartpen.

Der Pulse Smartpen von Livescribe ist ein Kugelschreiber, der sich alles Geschriebene und Gekritzelte merkt. Nebenbei zeichnet er wie ein Sprachrekorder alles auf, was während der Kritzelei zu hören ist. Die Aufnahmen werden direkt mit den Notizen verknüpft. Klickt man mit dem Stift auf eine Notiz, hört man, was bei dessen Erstellung geschrieben wurde. Text und Audio lassen sich per USB-Dock einfach auf den PC transferieren, dort mit Handschrifterkennung transkribieren, im Internet publizieren und von dort wieder als PDF herunterladen.

Im ausführlichen Test bewies sich der Smartpen als ausgereifte Lösung, die sich vor allem für alle eignet, die Papier lieben und Computer eigentlich hassen. Allerdings benötigt der Livescribe Pulse spezielle Notizblöcke, deren Seiten mit einem praktisch unsichtbaren Vordruck versehen sind.

Eigentlich darf man das hier ja gar nicht schreiben:

Aber es gibt für Notizen nichts Besseres als ein gutes altes Heft. Es funktioniert auch bei leerem Akku, ist virensicher, mit einer schwarzen Kartonhülle zeitlos klassisch und lässt sich simpel und einfach archivieren. Ferner wird das Papiergedächtnis im Gegensatz zu Notebooks nicht von übereifrigen Flughafenbombenschnüfflern gesprengt und man darf damit sogar schadlos Ungeziefer totschlagen.

Notizblöcke haben die beste Benutzeroberfläche und sind idiotensicher. Ferner kann Mensch gleichzeitig zuhören, denken und kritzeln. Im Gegensatz dazu hören die meisten fleissigen Notebook-Tipper gar nicht mehr zu. Das entspannendste Argument für das Notizheft ist allerdings, dass man darin während einer langweiligen Sitzung Blümchen malen, den Chef skizzieren oder mit dem Gegenüber U-Boot-Versenken spielen kann. Auf dem Notebook kann man bestenfalls während dem Meeting E-Mails lesen und sich damit als teamunfähiger Ignorant outen.

Papier lernt Digitaltechnik

Aber Notizhefte passen ungefähr so gut ins Computerzeitalter wie ein Dinosaurier in ein Raumschiff. Denn hier muss alles digital archivierbar und transportierbar sein. Die Notizhefte regelmässig einzuscannen ist einer meiner nie erfüllten Neujahrsvorsätze. Doch glücklicherweise rettet nun ein digitaler Kugelschreiber mein geliebtes Notizenheft.

Digitale Kugelschreiber und digitale Notizblöcke sind zwar nichts Neues. Alle Lösungen, die ich bisher in die Finger kriegte, waren aber meist unbrauchbar. Denn sie haben immer versucht, das Papier zu ersetzen.

Anders ist die Lösung beim Livescribe Pulse. Dieser Schreiber ergänzt und erweitert einfach die bekannte Papiertechnik. Das Notizheft lernt nämlich zuzuhören und merkt sich, was gesprochen wurde. So wird jede einzelne Notiz mit einem Sprachfetzen verbunden. Dieses akustische Protokoll kann jederzeit wieder angehört werden, indem man später auf das Geschriebene klickt.

Das alles funktioniert vollkommen autonom und ohne PC.

Natürlich wird auch das Geschriebene digital gespeichert und kann per USB zusammen mit dem Audioprotokoll jederzeit auf den PC übertragen oder im Internet publiziert werden. Man darf sogar nachträglich bereits Geschriebenes in seinem Notizenbuch ergänzen, und auch das landet dann sofort wieder im digitalen Archiv.

Stellt sich also die Frage, warum nicht schon jedes Schulkind einen solchen smarten Pen von Livescribe hat. Die Antwort ist einfach. Erstens kostet der leicht klobige Schreiber rund 140 Euro (200 Franken). Ferner - und jetzt kommt endlich der Haken - benötigt das ganze System Notizblöcke mit speziell vorbedrucktem Papier. Die kann man zwar selber drucken, einfacher kauft man sie aber im Handel. Dort kostet ein Paket mit vier Heften (je 160 Seiten) rund 20 Euro (30 Franken).

Wir haben auf neuerdings.com bereits vor zwei Jahren über den Livescribe Pulse berichtet und dessen Grundlagentechnik beschrieben. Inzwischen ist der Digital-Kugelschreiber nicht nur technisch gereift, sondern auch in einer lokalisierten Version in der Schweiz und in Deutschland erhältlich. Unser 2-Gigabyte-Modell speichert mehrere hundert Seiten Text und über 200 Stunden Audio. Sein Akku reichte im Test für tagelange Nutzung und wird via USB-Dock aufgeladen. Der Hersteller verspricht 16 Stunden reine Schriftaufzeichnung und 7 Stunden Schrift- und Audioaufzeichnung mit einer Akkuladung.

Der Pen ist eigentlich ein Kleinst-Computer mit einzeiligem OLED-Display, Mikrofon und Lautsprecher sowie einer Mini-Kamera hinter der Schreibspitze. Ein komplettes Datenblatt findet sich beim Livescribe.

Auspacken, einschalten, schreiben

Auspacken und loskritzeln - so einfach funktioniert der Smartpen. Will man eine digitale Aufzeichnung, sollte man ihn aber erst einschalten. Bei der ersten Inbetriebnahme fragt der Stift nach Datum und Zeit. Hier darf man bereits mit der Technik des Smartpen herumspielen: Denn das Datum wird einfach "eingetippt", indem man mit der Kugelschreiberspitze auf vorgedruckte Zahlenfelder im mitgelieferten Notizheft tippt. Am Kugelschreiber befinden sich also neben dem Ein-/Ausschalter keinerlei Bedienelemente, er wird ausschliesslich durch die Antipperei von gedruckten Kontrollfeldern gesteuert. Datum und Zeit sind schnell zusammengeklickt. Danach konnten wir bereits fleissig loskritzeln, und der Stift erzeugte dabei, wie ein Digitalisiertablett, automatisch eine digitale Kritzelkopie in seinem Speicher.

Papier hört mit
Als Nächstes aktivierte ich die Sprachaufzeichnung, indem ich einfach auf das entsprechende Steuerfeld klickte, das auf jeder Seite des Notizblocks aufgedruckt ist.

Dadurch wird das integrierte Mikrophon eingeschaltet, auf dem Display des Pen wurde gleichzeitig die bisher erledigte Aufnahmezeit rapportiert. Ich kritzelte nun fröhlich leicht brummelnd in unseren Notizblock. Ein Tippen auf den Stop-Knopf beendet die Audioaufzeichnung.

Gespannt tippten wir nun mit dem Stift auf unser Kunstwerk - und höre da - unser Gebrummel war klar aus dem Pen zu vernehmen.

Das heisst, der Smartpen erweitert normale handschriftliche Notizen mit Sprachaufzeichnungen. Wer je eine Sitzung protokolliert oder ein Interview geführt hat, weiss, wie wertvoll das ist. Denn dank dem Sprachprotokoll kann man seine Notizen später einfach ergänzen. Dabei funktioniert der Pen vollkommen autonom ohne jegliche PC-Unterstützung. Wie einfach die Arbeit mit dem Smartpen ist, zeigt ein Video auf der Herstellerseite.

Wer mit der Qualität des integrierten Mikrofons nicht zufrieden ist, kann die mitgelieferten Stereo-Mikrofon-Ohrhörer an den Pen stöpseln. Dadurch wird auf "Ohrenhöhe" eine Stereoaufnahme erzeugt, welche eine bessere Lokalisierung der Sprecher erlaubt. Ferner kann man mit den Stöpseln natürlich auch im Zug die Sprachfetzen zu Notizen anhören, ohne dabei andere zu stören.

Der Smartpen kann aber in Zusammenarbeit mit einem PC noch viel mehr. Wie er die Notizen auf den PC bringt, Handschrift erkennt und Kritzelei und Sprache im Internet publiziert, steht im zweiten Teil der Testberichts.

Dort steht dann auch, wie man mit dem Deutschland Piano spielt und arabisch spricht.

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer