22.10.14

Livescribe 3 im Langzeittest: Stift hört mit

Livescribe 3

Den Livescribe 3 hatte Kollege Frank Busch bereits angetestet. Ob er wirklich hält, was er verspricht, habe ich in einer Langzeitbeobachtung untersucht: Taugt er zum Mitschreiben von Vorlesungen und Seminaren? Dabei interessierten nicht nur die Digitalisierfähigkeiten, sondern auch wie sich der Stift zusammen mit dem iPad als Ton-Aufnahmemedium eignet.

 

Wenn man einem Vortrag lauscht, noch dazu einem technischen, dann kann man unter Umständen gar nicht so schnell notieren, wie die Informationen auf einen einstürzen. Eine Idee ist es deswegen, nicht nur mitzuschreiben, sondern auch den Ton aufzuzeichnen. Der Livescribe 3 erledigt das zum Glück, wenn man ihn mit einem iOS-Gerät zusammen benutzt.

Effektive Notizen

Schon seit längerer Zeit bin ich auf der Suche nach einem System, wie man im Unterricht - Seminar, Vorlesung, Vortrag - effektiv mitschreiben kann, auch wenn man kein Steno kann und nicht das ganze auf Video aufzeichnet (oder es hinterher eine Aufzeichnung gibt).

Effektiv heißt: nicht nur auf Papier, sondern auch im Computer. Der Livescribe 3 Stift ist hierfür gut geeignet. Zunächst einmal ist er ein Kugelschreiber. Doch man notiert die Texte nicht auf normalem Papier, sondern auf speziell mit Pünktchenmuster versehenen Blättern. Denn im Stift steckt eine kleine Digitalkamera, die das Geschreibsel sofort digitalisiert. Dafür ist er per Bluetooth mit dem iPad gekoppelt.

In der zum Stift gehörigen iOS-App Livescribe + entsteht sofort ein Abbild der geschriebenen Seite, und zwar inklusive Vordruck. Doch der Stift kann nicht nur Texte und Bilder digitalisieren.

Lippensynchrone Aufzeichnung

Betätigt man einen bestimmten Knopf in der App, nimmt diese zeitgleich mit den Notizen auf, was im Vortrag gesagt wird. Hierfür ist es sinnvoll, sich nicht zu weit nach hinten zu setzen.

Vorteil: der Vortragende bekommt nicht mit, dass er aufgenommen wird, wenn er nicht gerade umhergeht und den Stift sowie sein System kennt. Gerade in der Universität oder Fachhochschule haben einige Dozenten etwas dagegen, dass ihre Vorlesung mitgeschnitten wird. Sofern man die Aufzeichnung nur für sich selbst nutzt und nicht anschließend irgendwo veröffentlicht (z. B. ins Netz stellt), gibt es allerdings keine rechtlichen Probleme.

Schaut man sich die Unterlagen anschließend an und lässt den Vortrag laufen, dann kann man anhand fortschreitender Grünfärbung feststellen, dass Aufzeichnungsvorgang synchron zum Aufschreiben erfolgte. Man sieht also genau die Inhalte zum gesprochenen Text. Sie können mit dem Stift an eine andere Stelle springen, und die Aufzeichnung folgt entsprechend und gibt wieder, was zu diesem Zeitpunkt erzählt wurde.

Der Stift ist übrigens hierbei nicht das Mikrofon, sondern steuert nur die Aufnahmefunktion in der Livescribe-App, die dafür das iOS-Gerät benutzt - die Headline stimmt deswegen nicht ganz. Will man eine bessere Qualität, muss man sich mit entsprechender Hardwareerweiterung für sein Tablet oder Smartphone ausrüsten. Ohne parallel laufende App nimmt der Stift zwar den Text auf für anschließende Übertragung auf einen Computer, aber ohne begleitenden Ton.

Krikelkrakel

Damit der Text gut digitalisiert wird, muss man sich eine saubere Schreibweise angewöhnen. Wenn es schnell geht und man schludert, dann nimmt die Optik im Stift nur Krikelkrakel auf, wo auf dem Papier noch einigermaßen etwas lesbar ist.

Die Inhalte können anschließend weiter verwertet werden. Neben dem universellen Notizblock Evernote unterstützt der Livescribe 3 auch OneNote, die bisher nur selten genutzte Software in Microsoft Office.

Dick und Hungrig

Der Livescribe ist für Menschen zu empfehlen, die genau diese Art der Aufzeichnung brauchen, um die Gedanken des Vortragenden nachvollziehen zu können. Zwei Nachteile sollen nicht verschwiegen werden. Nicht jeder mag mit Kugelschreiber schreiben, zudem ist der Stift auch sehr dick - die Handhabung ist gewöhnungsbedürftig.

Zum anderen werden die notwendigen Schreibunterlagen mit der Zeit teuer - immerhin kostet ein Raster-Notizbuch mit 80 Blättern etwa vier- bis fünfmal so viel wie ein normaler Collegeblock. Dafür ist das Papier auch hochwertig. Für Liebhaber von Moleskine-Bücher gibt es auch diese mit Livescribe-Raster.

Und wo wir schon über Geld reden: zurzeit gibt es die App-Unterstützung nur für die Apple-Gerätefamilie. Es muss übrigens kein iPad sein: auch iPhone ab 4 oder iPod können so verwendet werden. Android-Apps sind nur angekündigt.

Die nächste Stufe wäre sicherlich, mit dem Stift auf ein Tablet zu schreiben. Dann bleibt es zunächst komplett papierlos, doch man muss eine gute Verwaltung der so entstandenen Notizen haben, damit sie genauso viel wert sind wie die handbeschriebenen Seiten in der iOS-App. Und eine Tabletapp mit paralleler Aufzeichnung von Ton habe ich bisher noch nicht gesehen.

Der Livescribe 3 kostet in der Grundvariante mit einem DIN-A-5-Block (50 Seiten) ca. 150 Euro, für eine Version mit Ledermappe und Hundertseiten-Block verlangt der Hersteller ca. 200 Euro.

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