14.03.06

Live von der CeBIT: Ich bin auch ein Fernseher

Mobiles Fernsehen ist toll, findet die Elektronik-Branche. Eine Zeit lang wollte sie uns ja jetzt das Glotzen unterwegs über UMTS verkaufen, hat aber inzwischen zur allgemeinen Überraschung herausgefunden, dass diese Technologie nicht wirklich massentauglich ist. Der Grund ist einfach: Wenn wirklich mal viele Leute per UMTS fernsehen würden, wäre die Kapazität des Datennetzes viel zu knapp, um alle diese individuellen Datenströme zu bedienen. Ausserdem ist die Zeitverzögerung bei Live-Übertragungen per UMTS (über 10 Sekunden) nicht gerade sehr brauchbar für den derzeitigen Lieblings-Use-Case der Branche: Die Fussball-WM. Will man wirklich das entscheidende Tor erst 10 Sekunden nach dem Nachbarn mitkriegen? Eben.

Man besinnt sich daher jetzt auf digitales Broadcast-Fernsehen per Antenne oder Satellit. Entsprechende Empfangselektronik kann man nämlich inzwischen ziemlich stark miniaturisieren und darum in alle möglichen Gerätschaften einbauen. Noch zu klären wäre allerdings der Normenwirrwarr rund um die Standards DVB-T/H und DMB. Das Standpersonal tat sich jedenfalls meistens schwer damit, im Detail zu erklären, welche Sender man denn nun mit welcher Technologie in welchem Verbreitungsgebiet empfangen kann.

Beim ZDF gab es gleich neben der obligatorischen Torwand (schliesslich ist bald Fussball-WM, falls Sie das noch nicht wussten...) verschiedene Mobilfernseher zu betrachten. Unter dem Label ZDFmobil bietet der Sender sein Hauptprogramm sowie im Timesharing-Verfahren Sendungen seiner weiteren Kanäle (3sat, ZDFinfokanal, KI.KA) bald flächendeckend per DVB-T an.

Mit dem Zweiten sieht man, äh, kleiner: Gerätepark beim ZDF

 

Überflüssige Interviews jetzt auch unterwegs immer mitverfolgbar!

Bei den Hardwareherstellern scheint vor allem Samsung der Meinung zu sein, dass grundsätzlich jedes Gerät nebenher noch als Fernseher dienen sollte. Man zeigte darum DMB-Empfänger in Notebooks...

 

... dem neuen UMPC ....

 

... und selbst in Digitalkameras...

 

...von den Mobiltelefonen ganz zu schweigen natürlich.

Nachteil: Aus den Geräten muss man zwecks besserem Fernsehempfang eine Teleskop-Antenne herausziehen, die irgendwie an alte UKW-Radios erinnert. Aber wen stört das schon, wenn man bald die Fussball-WM jederzeit überall verfolgen kann? Die findet nämlich bald statt, die WM, wie uns an etwa 90% der Stände glaubhaft versichert wurde.

Ich frage mich, ob das ZDF eigentlich Lizenzgebühren für die Verwendung der berühmten Torwand (die mit der Dual-Hole-Technologie) bekommt. Falls ja, müssen die Einnahmen aus der CeBIT beträchtlich sein, weil Torwand-Schiessen bestimmt von einem Dutzend Aussteller zur Publikumsbelustigung eingesetzt wurde.

Ob die WM wirklich den Durchbruch für mobiles Fernsehen bringt, bleibt mal noch abzuwarten. Die Abdeckung mit den nötigen Sendeanlagen ist bei DVB-T/H zumindest noch lückenhaft und bei DMB so gut wie inexistent. Auch die Geräte haben mehrheitlich noch den wackligen Charme einer 1.0-Technologie. Bei einem Event wie einer Fussball-WM ist das eher gefährlich; da ist der Ruf einer Technologie auch schnell ruiniert, wenn nicht alles perfekt klappt.

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