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13.01.14

Lifelogger: Gegen diesen Datenschutz-Alptraum wirkt Google Glass harmlos

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Mit einem kleinen Gadget, das in gewisser Weise sogar Google Glass in den Schatten stellt, machte die Firma Lifelogger auf der Elektronikmesse CES auf sich aufmerksam: Es ist eine Videokamera, die man an seiner normale Brille befestigt, und mit der man in der Folge sein Leben noch genauer dokumentieren kann. Datenschützern wird dies Alpträume bereiten.

Lifelogger fällt kaum auf

Es hat die Größe eines USB-Sticks, erinnert optisch ein wenig an eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung, aber was sich dahinter verbirgt, könnte Datenschützern den kalten Angstschweiß auf die Stirn treiben: "Lifelogger" macht genau all das, vor dem so mancher bei Google Glass Angst hat. Es nimmt HD-Videos von der Umgebung des Trägers auf, kann Gesichter erkennen (wenn auch nicht allein identifizieren), speichert Ort und Blickrichtung mit ab, erkennt Gespräche und kann diese in schriftliche Form umwandeln und erkennt zu guter Letzt außerdem Text in Videos.

Lifelogger soll ein Gerät für den Massenmarkt werden. Das heißt: Der Hersteller möchte am liebsten, das künftig jeder mit so einem Gerät am Kopf durch die Welt laufen kann. Bei einem Preis von 200 US-Dollar für diese Kamera ist die Vorstellung gar nicht einmal so abwegig. Stellt sich nur die Frage: Wollen wir das?

Der Lifelogger kommt entweder mit 32 oder 64 GB internem Speicher. Er kann über einen Wi-Fi-Zugang oder via Smartphone seine Aufnahmen in die Cloud schicken. Eine Software im Backend übernimmt die Analyse der Daten. Hierfür verlangt der Hersteller eine monatliche Gebühr. So bekommt man online auf einem Dashboard eine Übersicht, in der man Folgendes sieht:

  • das aufgenommenes HD-Video inklusive Ton
  • eine Karte mit den Standorten, an denen man sich aufgehalten hat
  • einen Mitschnitt der Gespräche, die um einen herum geführt wurden
  • eine Galerie mit den Gesichtern der Menschen, die einem begegnet sind
  • klickt man auf ihr Thumbnail, zeigt einem die Software genau, wann und wo sie einem begegnet sind

www.youtube.com/watch

Die Welt wie wir sie kennen, wird sich ändern und wir werden es nicht aufhalten können . Während sich aber alle Welt darauf konzentriert, Google Glass den Weg auf den Markt zu erschweren, entwickeln zig andere Firmen bereits seit Jahrzehnten ähnliche Geräte und versehen sie mit Funktion, die wir bei Google Glass nie sehen wollen würden.

www.youtube.com/watch

Der Hersteller beschreibt Lifelogger als eine neue Möglichkeit sich an sein Leben zu erinnern. Statt das Gehirn entscheiden zu lassen, welche Ereignisse im Leben wichtig genug sind, um sie nicht zu vergessen, kann man sie nun selbst dokumentieren. Lifelogging ist kein neues Hobby, aber unsere Technik hebt die Qualität der Datenerfassung auf eine ganz neue Ebene.

Lifelogger ist ein Gerät, dass den Außenstehenden gleichermaßen fasziniert und erschrocken zurück lässt, denn einerseits demonstriert es, zu welchen Ergebnissen unsere Technik heutzutage in der Lage ist, zum anderen führt es uns aber auch vor Augen, welche technischen Möglichkeiten in die falschen Hände geraten könnten – dieses Mal für den freien Markt und mit knapp 200 Dollar für jeden bezahlbar.

Update: Jetzt ist Lifelogger auf Kickstarter zu haben.

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