08.09.11

LG Optimus 3D im Test: Android in der dritten Dimension

LG Optimus 3D mit Doppelkamera {LG;http://www.lgnewsroom.com/newsroom/products/31015}

LG hat mit dem LG-P920, aka Optimus 3D, ein Smartphone im Angebot, das Zahlenfetischisten Tränen in die Augen treiben dürfte. Manch einem wird vielleicht gar schwindlig – jedoch nicht der Kennzahlen sondern des Bildschirms wegen.

Die IFA hat gezeigt, wo die 3D-Reise hingehen soll: Ohne spezielle Brillen sollen wir schon bald eintauchen in Games und Filme. Thomas Jungbluth hat über den beeindruckenden Toshiba-Prototypen 55ZL2G berichtet, der auf 55 Zoll Bildschirmdiagonale mit vierfacher FullHD-Auflösung glänzt und Räumlichkeit ganz ohne 3D-Brillen herbeizaubert. LG kann das auch, schon heute, allerdings nicht auf gigantischen 55 sondern auf handlicheren 4,3 Zoll.

 

Zugegeben, der 3D-Effekt ist schon erstaunlich. Wer das Smartphone, das aktuell mit Android 2.2 läuft, in etwa 40 cm Abstand vor sich hält, hat tatsächlich das Gefühl Icons, Golfbälle oder der eben erst fotografierte Kollege träten aus dem Bildschirm hervor – vorausgesetzt, er befindet sich im sogenannten 3D-Space. Von demselben aus wählt der User Spiele und Apps, eine Anleitung, Youtube, eine Foto- und Filmgalerie oder eine Kamera-App an; alles natürlich in 3D.

Besonders begeistert hat meine Testopfer die 3D-Kamera. Das Optimus 3D schiesst nach dem Prinzip der Stereoskopie (auf der Rückseite sind zwei Kameras verbaut, die mit 5 MP auflösen) 3D-Filme und -Fotos, die nicht nur auf dem Smartphone selbst sondern auch auf einem 3D-Fernseher oder Computerbildschirm gut wirken – über den HDMI-Anschluss lässt sich das LG leicht an entsprechende Geräte anschliessen.

Weniger begeistern konnten die 3D-Games, wie beispielsweise N.O.V.A. 3D oder 3D-Golf. Schon nach kurzer Spielzeit beginnen die Augen zu schmerzen, manchen Kollegen wurde gar schwindlig. Wer sich Filme auf dem Optimus 3D anschauen oder einen Egoshooter wie N.O.V.A. durchspielen möchte, sollte regelmässig eine Pause einlegen, um Augen und Sehzentrum zu entspannen – LG warnt explizit davor, dass «langes und angestrengtes Betrachten con 3D-Inhalten zu einer Beeinträchtigung der Sehfähigkeit führen» kann.

Abgesehen von dem 3D-Bildschirm wirft das Optimus 3D solide Spezifikationen in die Waagschale: Doppelkernprozessor (1 GHz), 8 GB interner Speicher (per MicroSD um 32 GB erweiterbar), Quadband (HSDPA und HSUPA), Bluetooth, GPS/A-GPS und WiFi, ein Bildschirm, der meines Erachtens etwas zu gross geraten und bei starker Sonneneinstrahlung kaum ablesbar ist, dafür mit 800 x 480 px auflöst; und das alles findet Platz in einem flachen (11,9 mm) Gehäuse und wiegt, wenn man es tatsächlich in die Waagschale legt gerade mal 168 gr. Allein Android 2.2.2, aka Froyo, trübt den sonst guten Eindruck, den das Datenblatt hinterlässt.

Diese Spezifikationen hat das Optimus 3D auch nötig, denn alleine wegen des 3D-Bildschirms wird sich kaum einer das LG kaufen: Die Technik fasziniert zwar auf den ersten Blick, bietet aber im Alltagsbetrieb keine Vorteile, ganz im Gegenteil, man denke etwa an die überraschend schlechte Ablesbarkeit bei sehr hellem Umgebungslicht.

Eines muss man dem LG aber lassen: Nicht nur vermittelt sein Bildschirm uns die Illusion von Räumlichkeit, es lässt uns auch in die Zukunft blicken – so wie erste Farbbildschirme in den 1980er Jahren am Anfang einer Entwicklung standen, die bis dato Panels hervorgebracht haben, die höher auflösen als das menschliche Auge. Liege ich mit dieser Einschätzung richtig? Oder ist 3D nichts weiter als ein Buzzword, das schon in zwei oder drei Jahren wieder aus allen Messehallen und Prospekten verschwunden sein wird?

PS: Ich hätte gerne ein Bild meines Arbeitsplatzes in 3D hochgeladen, aber Wordpress lässt sowas «aus Sicherheitsgründen» nicht zu.

PPS: Das Optimus 3D ist bei Amazon für EUR 399,89 erhältlich.

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