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03.07.11

LG D42P im Kurztest: Der Bildschirm hat Tiefe in 3D

Eine Polfilterbrille, ein Monitor und ein passender Film, schon kann es losgehen

Am LG Blogger Tag zum Thema 3D zeigten uns die Koreaner einige nette Spielereien. Begeistert hat uns besonders aber der LG D42P 3D-Monitor, der es im wahrsten Sinne des Wortes in sich hat.

 

James Camerons Avatar war der Kassenschlager schlechthin und verwies Titanic auf den zweiten Platz der Liste der erfolgreichsten Filme. Er begeisterte nicht nur durch Story und Specialeffects, sondern vorallem auch durch die 3D-Technologie. Aber wie nachhaltig war der Film in dieser Hinsicht wirklich? Wie viele besitzen heute 3D-fähige Hardware zu hause? Schaue ich mich im Bekanntenkreis um, sind es immer wieder die gleichen Argumente gegen 3D: zu teuer und zu unbequem. Muss das so sein?

Der Wow-Faktor

Nach dem üblichen PR-Vorgeplänkel ließ man uns endlich an die 3D-Monitore. Der LG D42P misst 23 Zoll, strahlt 250cd/m² hell und löst in FullHD auf (1920*1080Pixel). Mit diesen Spezifikationen reiht er sich in die Ränge der "ferner liefen"-Monitore ein, wäre da nicht ein winziges Detail: 3D. Bei den Fernsehern ist das nicht so mein Ding: Die Shutterbrillen flackern, sind schwer, müssen ständig aufgeladen werden und wenn man den Kopf bewegt, verschwimmt das Bild.

Deshalb setzt LG auf coole Sonnenbrillen - jedenfalls sehen sie so aus. Genau genommen sind es Polfiltergläser, die bestimmtes Licht herausfiltern. Man kennt diese Brillen aus einigen Kinos, und der Effekt ist atemberaubend! Wer noch nichts auf einer Leinwand oder dem Fernseher in 3D-gesehen hat, stellt sich das Erlebnis wie diese Hologrammbilder vor: Man bewegt den Kopf links und rechts und glaubt man könne da hineingreifen. Das Bild suggeriert eine Tiefe, die schräg nach hinten zieht. Anfangs war ich sehr kritisch, doch was LG da aus dem Hut gezaubert hat, zieht einem die Schuhe aus: man glaubt, man sitze wirklich mittendrin im Filmgeschehen.

FPR

Die Technik, die LG einsetzt, nennt sich FPR, ausgeschrieben Film-type Patterned Retarder. Jeder der eine hochwertige Sonnenbrille mit Polfiter oder eine Kamera besitzt, kennt das Prinzip dahinter: Die Tönung schützt gegen das direkte Sonnenlicht und Reflexionen (in Spiegeln, Fenstern, etc.) werden auch gefiltert. Wieso? Ganz salopp gesagt, verändert das Licht seinen Winkel nach einer Reflektion. Polfilter lassen nur bestimmte Winkel hindurch, dadurch stören Lichtreflektionen nicht mehr und Fotografen können durch spiegelnde Fenster hindurchfotografieren.

Der 3D-Monitor macht sich genau das zunutze und zeigt gleichzeitig zwei unterschiedlich polarisierte Bilder an, in einem FullHD-Bild versteckt sich eine halbe HD-Auflösung pro Auge. "Jede Zeile wird abwechselnd für das rechte und das linke Auge radial polarisiert". Ohne Brille sieht man ein verschwommenes Doppelbild, mit Brille dagegen ist man im Geschehen drin.

Die Vorteile liegen auf der Hand, eine FPR-Brille filtert passiv. Das spart Gewicht, benötigt keinen Strom, die Bilder sind weitaus heller als bei anderen Technologien, es gibt kein Flimmern, und vorallem sind sie viel billiger als Shutterbrillen. Eine ganze Familie kann sich für wenig Geld 3D-Fernsehen gönnen – Die Flimmerfreiheit bestätigt auch der TÜV Rheinland.

3D-Angebot

Die Auswahl an 3D-Filmen ist noch recht mager, darum weiß auch LG und schenkt dem LG D42P noch einen eigenen Konverter von 2- nach 3D. Der Wandler ist direkt in den Monitor integriert und verpasst normalen Filmen einen Hauch von Realismus mit nur einem Knopfdruck. Anwesende bezeichneten ihn als einen schwachen, aber angenehm räumlichen Effekt. Die Wandlung reagierte recht zuverlässig in einigen Filmsequenzen, während an anderer Stelle fast nichts davon zu spüren war. Zaubern kann man damit nunmal nicht. Es sind zwei HDMI-Eingänge vorgesehen, die neben der Spielkonsole auch andere Quellen wie Sat-Receiver und ähnliches akzeptieren.

Im Computerspiel-Bereich tut sich ebenfalls etwas. Cryteks Engine (FarCry, Crysis) wurde komplett überarbeitet und auf 3D-ausgelegt, vorallem in dunklen Ecken sind die Effekte so überwältigend, dass man lieber die Umgebung erkundet, als sich in Schusswechsel zu verlieren, das 3D erreicht tatsächlich was sich Crytek auf die Fahnen schreibt "Immersion" - Eintauchen ins Geschehen. Das Beste dabei: Laut Alexander Taube, Pojektleiter 3D Crytek, verliert man nur 1-2% durch die Berechnung der Tiefeninformationen, da nicht ein zweites Bild berechnet wird, sondern die Daten der Modellierung nur ausgelesen werden. Als einziger Nachteil wirken Alpha-Effekte nicht plastisch, angesichts der genügsamen 2% Mehrbelastung ein guter Tausch.

Nachteile

Obwohl LG sogar einen Klipp-Aufsatz für Brillenträger mitliefert, kann es nicht über einige Nachteile hinwegtäuschen. Die Helligkeit verliert beim Wechseln zu 3D 50% ihrer Leuchtkraft, das erkennt man schon an den getönt-wirkenden Gläsern, somit strahlt der LG D42P nur noch mit 125cd/m² - mir fiel das allerdings nicht als störend auf. Trotz heller Neonleuchten im Konferenzraum, war das Bild scharf und kräftig zu erkennen. Schwerer wiegt da schon die Bewegungsfreiheit: In der Horizontalen bleibt der Blickbereich für räumliche Eindrücke fast unverändert, doch schon eine Kopflänger tiefer oder höher fangen Teile im Hintergrund des Bildes an, leicht unscharf zu werden. 50cm höher oder tiefer ist der Effekt völlig verpufft und es erscheinen Doppelbilder. Das heißt man kann etliche Freunde nebeneinander platzieren, sollte aber gleichgroße Stühle vorhalten.

Fazit des Kurztestes

Leider konnte ich in der kurzen Zeit nicht testen, wie man sich nach längerem Spielen oder ausgedehnten Filmnächten fühlt. Das Gehirn benötigt etwas Zeit um zu verstehen, was einem da vorgegaukelt wird - so wie wir auch den Unterschied zwischen flachen und gewölbten Monitoren lernen mussten. Trotzdem hat mich hat dieses 3D-Erlebnis überzeugt.

Im Moment ist FPR die beste Lösung und ein guter Kompromiß zwischen räumlichem Sehen, Komfort und Preis. Der LG D42P kostet 300 EUR UVP und verhält sich im Alltag ohne Brille unauffällig. Damit ist er die billigste Alternative zu heimischem 3D Genuss und auch noch die Beste. Wer sich nicht für 3D interessiert, sollte zumindest die Chance nutzen, den LG einmal auszuprobieren. Einen Blick ist er auf jeden Fall wert.

Auf dem LG Blog finden wissbegierige Leser eine erklärende Grafik zur FPR-Technologie.

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