26.03.14

Lenovos IdeaPad A10 im Test: Wie gut arbeitet es sich mit dem Android-Netbook?

Multimode-Netbook mit Android: IdeaPad A10. Bilder: Lenovo, neuerdings

Android als Desktop-Betriebssystem ist die heimliche Leidenschaft dieses Autors. Lenovo hat ihm den Gefallen getan und das Netbook IdeaPad A10 mit Android ausgestattet. Im Test zeigt sich: Im Vergleich zu Windows 8 hat man sich hier schneller eingelebt, vermisst so manchen Komfort dann aber doch.

 

Dieser Beitrag kann nur eine Randnotiz der schnelllebigen PC-Geschichte sein. Netbooks waren einst eine erfrischende, leichtgewichtige Abwechslung zu großen, schweren Laptop-Ungetümen. Weil sich das damals vorherrschende Betriebssystem Windows Vista nicht für die technisch schwächeren Kleingeräte eignete, waren einige Hersteller so experimentierfreudig, Netbooks mit Linux auszustatten. Dann kamen Tablets und Ultrabooks, und die Netbooks verschwanden wieder in ihrer Nische.

Doch von dort schafft es hin und wieder ein Gerät ins Rampenlicht. Und experimentiert wird nach wie vor: PC-Marktführer Lenovo hat sich beim IdeaPad A10 sogar getraut, es mit Android zu versuchen. Warum auch nicht? Denn Netbook-Fans werden hier auf ihre Kosten kommen und der eine oder andere Windows-müde Nutzer wohl auch.

Hardware für Einsteiger mit Ausreißern nach oben

Als mir Lenovos Agentur das Testgerät zuschickt, erhalte ich gleich eine Bitte mit auf den Weg: "Das IdeaPad A10 ist ein Einsteigergerät. Wäre nett, wenn du es auch als solches behandeln würdest." Das tue ich. Und deswegen sei hier gleich gesagt, dass man vom A10 keine Wunderdinge erwarten darf. Es reagiert trotz seines Quadcore-Prozessors in der Tat mitunter etwas träge. Ganz selten hat man gar das Gefühl, dass die Tastatur bei manchen Apps gar nicht reagiert. Das Touchscreen-Display spiegelt stark, das eingebaute Touchpad ist etwas langsam. Und auch der Einschaltknopf, den man etliche Sekunden gedrückt halten muss, bis etwas passiert, nervt. Zumal er recht schwer zu erreichen ist.

 

Dann allerdings dürfte der Käufer mit der erstaunlich langen Akkulaufzeit sehr zufrieden sein: Kein aktueller Windows-Laptop hat bei mir im Test länger durchgehalten. Das Gerät ist angenehm flach und leicht zu verstauen. Das Display lässt sich auf Wunsch um 270 Grad nach hinten klappen und die Tastatur dann als Standfuß benutzen. Auch bei den Anschlüssen hat Lenovo nicht gegeizt: Man kann USB-Sticks oder eine Maus in eine der beiden USB-Schnittstellen einstecken, ferner gibt es einen Slot für eine Micro-SD-Karte, einen Mini-HDMI-Ausgang, sowie ein eingebautes Mikrofon in der Tastatur-Einheit.

Android mit einer Taskleiste ausgerüstet

Wie schafft man es nun, das Android-Betriebssystem passend auf einem Netbook zu integrieren? Im Falle des IdeaPad A10 hat Lenovo es mit einer Art Taskleiste probiert. Die ist recht prominent am unteren Bildschirmrand platziert und als "Hotbar" organisiert: Es tauchen nur die zuletzt benutzten Apps hier auf, von links beginnend in der Reihenfolge, in der sie zuletzt geöffnet waren. Das erleichtert das Multitasking ungemein. Ganz links in der Leiste helfen ein Home-Symbol und ein Zurück-Button zusätzlich bei der Navigation:

 

Android lässt sich ganz wunderbar mit einer Maus benutzen - zumindest Scrollrad und linke Maustaste funktionieren. Der Rechtsklick ist wertlos und führt schlimmstenfalls dazu, dass eine App aus Versehen geschlossen wird. Bekannte Mausgesten aus Windows oder Mac sind bei Android ein wenig anders: Wörter markiert man in der mitgelieferten Office-Lösung Kingsoft Office etwa mit einem Doppelklick. Den Mauszeiger gedrückt halten und dann über das Wort ziehen, das man auswählen möchte, funktioniert nicht. Kingsoft allerdings bringt ein eigenes Kontextmenü mit, das etwa Copy & Paste erleichtert und die fehlende Funktion des rechten Mausbuttons ersetzt. An diese etwas andersartige Bedienung hat man sich schnell gewöhnt.

Licht und Schattenseiten der Arbeit

Ich hatte es bereits vor einigen Wochen in einem großen Beitrag über Android als Laptop-Betriebssystem erwähnt: Es gibt ganz fantastische Apps für Android, die selbst einige Anwendungen in den Schatten stellen, die ich auf dem Mac benutze. Das Bildbearbeitungsprogramm Aviary etwa, das die wichtigsten Werkzeuge für Tablet-Nutzer in einer einzigen Leiste aufreiht, bietet auch für die Steuerung mit einer Maus oder einem Touchpad erhebliche Vorteile.

 

Mit dem vorinstallierten Kingsoft Office allerdings hatte ich beim A10 ein wenig zu kämpfen. Klar, Texterfassung geht. Aber selbst Copy & Paste kostete in meinen Augen etwas zu viel Zeit. Eine kleine Textstelle kopieren und wieder in den Text einfügen, verlangte der Maschine eine Sekunde Arbeitszeit ab. Die Achillesferse des Arbeitens mit Android als Desktop-System bleiben allerdings mobile Browser. Die bieten zwar Tabbed Browsing und auf Wunsch eine Desktop-Ansicht. Viele Seiten werden trotzdem als mobile Version dargestellt, einige Browser stürzen ab, haben große Schwierigkeiten mit eingebetteten Videos, bieten nicht die gleiche Auswahl wichtiger Add-ons. Das ist noch der große Nachteil gegenüber der Arbeit mit einem Browser auf Windows oder Mac.

Technische Ausstattung: Fernab von Highend, trotzdem nur wenig Enttäuschung

  • Prozessor ist ein Rockchip Cortex A9 mit 1,6 GHz (Quadcore, ARM-Architektur). Der beste ist das leider nicht, wie sich im Test zeigt. In der Preisklasse aber gibt es noch weit Schlechteres.
  • 16 GB beträgt der interne Speicher, der sich mit einer Micro-SD-Karte aufrüsten lässt. Das geht für ein Netbook in Ordnung.
  • 1 GB RAM sind heutzutage für ein Notebook egal welcher Größe etwas knapp bemessen.
  • Einzige Kamera des Geräts ist eine Frontkamera mit 0,3 Megapixeln. Das ist enttäuschend. Wieder aufgewogen werden soll das wohl durch die Stereo-Lautsprecher unterhalb der Tastatur, die einen ordentlichen Sound, allerdings eine für viele Medien zu geringe Maximallautstärke bieten.
  • Das Display verfügt über eine HD-Auflösung von 1.366 x 768 Pixeln. Mehr bietet mein 13-Zoll-MacBook Air auch nicht. Allerdings fällt beim IdeaPad A10 bei manchen Bildern das Gittermuster ins Auge. Die allerbeste Qualität bietet Display also nicht, das außerdem recht stark spiegelt.
  • Das IdeaPad A10 wiegt ziemlich genau 1 kg und ist zugeklappt nur 1,8 cm hoch. Vergleichbare Ultrabooks sind kaum flacher. Die kompakte Bauweise ist das große Highlight des A10.

Es wechseln also Licht und Schatten bei der Ausrüstung. Gänzliche Ausreißer nach unten gibt es allerdings nicht, wenn man einmal von der schwachen Frontkamera absieht. Für diese Preisklasse ist die Ausstattung in Ordnung. Bei der Software führt ein wenig zur Abwertung, dass nur Android 4.2 installiert ist (4.4 ist aktuell), in der Praxis fällt das allerdings kaum auf.

 

Etwas lieblos durchaus: die zu große Taskleiste, die sich nicht ausblenden oder verkleinern lässt, außerdem die fummelige Google-Suchleiste auf dem Homescreen, die etwas unförmig und schwer greifbar an den oberen Bildrand gesetzt wurde und das Benachrichtigungsrollo, das an den oberen linken Bildrand gerutscht ist.

Preis unter 200 Euro

Dann wiederum erinnert man sich daran, in welcher Liga das Gerät eigentlich spielt. Lenovo hat die unverbindliche Preisempfehlung mittlerweile von 250 auf unter 200 Euro gesenkt. In vielen Online-Shops zahlt man gar noch weniger dafür. Für einen Gelegenheits-Laptop für unterwegs ist das ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

 

Und Android als Desktop OS? Ist noch nicht ganz da, wo ich es gerne hätte. Noch ist Android ja trotz einer Unterstützung von Maus, physischer Tastatur und USB-Schnittstellen ja auch noch nicht offiziell als Desktop OS vorgesehen. Viel fehlt da aber nicht mehr. Wie Mitbewerber Asus mit einigen seiner Transformer Pads hat nun also auch Lenovo es einfach einmal mit Android probiert. Und das Ergebnis kann sich für diesen Preis wirklich sehen lassen. Den Durchbruch auf einem Desktop-System würde Android wohl mit einer noch besseren Geräte-Unterstützung feiern, mit einer Verpflichtung für App-Entwickler, Apps horizontal darstellen zu können, und einem schlanken und gut ausgerüsteten 13-Zoll-Ultrabook. Dann hätte man eine echte Alternative zu Windows 8 und Mac OS X.

Jetzt gratis anmelden und wir unterstützen Sie mit Informationen und aktuellen Lernangeboten!