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11.05.12

LED-Dynamo-Lampe im Test: Der ökologische Schein

LED-Taschenlampe Exquisite LED dynamo torch (Bild: wor)

Eine LED-Taschenlampe mit Kurbel? Das klingt nach einer guten Notleuchte, die durch Verzicht auf Batterien zudem die Umwelt schont. Doch leider handelt es sich bei unserem Testgerät eher um einen Wegwerfartikel - der aber selbstverständlich nicht weggeworfen werden darf.

Taschenlampen finden sich in jedem Haushalt, alleine schon für den Fall, dass der Strom ausfällt, weil eine Sicherung oder gar der FI-Schalter fliegt - letzteres verdunkelt dann gleich die ganze Wohnung auf einmal. Damit die Taschenlampe dann auch gefunden wird, legt man sie sinnvollerweise in die Nähe der Sicherungen. Bei mir liegt sie gleich im Sicherungskasten, damit niemand, der nur mal eben eine Taschenlampe braucht, sie verschleppt.

Dabei handelt es sich um ein altes Modell mit 3-V-Stabbatterie. Der Nachteil dieser alten Möhre: Die 3-V-Stabbatterien gibt es kaum noch, es sind einfache Zink-Kohle-Batterien, die zudem leider auch bei Nichtgebrauch nach einigen Jahren leer sind, dann auslaufen und die Taschenlampe versauen - fällt der Strom aus, geht die Not-Taschenlampe eventuell auch nicht mehr. Früher gab es Dynamo-Taschenlampen, wäre das keine Idee?

Radios mit Kurbel oder "Schüttelllampen" sind eher wenig nützlich: Die Kurbel bricht nach ein paar Stunden Radiohören ab, wenn man beim Wetterbericht schnell "nachfüllen" will, um nichts zu verpassen und die Schüttelllampen sind mir durch die für sie werbenden Spamfaxe ohnehin verhasst, die Dutzende Blätter höchst unökologisch zu Abfall werden ließen. Außerdem ist die Kombination aus erschütterungsempfindlicher Glühlampe und Schütteln nicht wirklich intelligent. Aber mit LED...?

LED-Kurbeltaschenlampe für kleines Geld

Als ich eine LED-Kurbeltaschenlampe für weniger als 5 Euro fand, schlug ich daher zu. Das Modell "Exquisite LED dynamo torch" leuchtet wahlweise mit einer oder drei LED, kann auch blinken und sogar das leere Handy laden. Genauer gesagt: Das behauptet der Hersteller, der aber sicherheitshalber anonym geblieben ist: Die Anleitung hat nur eine misslungene deutsche Übersetzung zu bieten ("Nachdem gependelt die Spannung stabilisiert und gefiltert wurde, wird die innere aufladbare Batterie geladen"), doch keinen Herstellernamen, auf der Verpackung steht nur "XD".

Leider ist die Taschenlampe jedoch - typisch für China-Produkte - sehr unintelligent konstruiert: Die Kurbel lädt nicht etwa einen Superkondensator, wie er beispielsweise in den LED-Fahrradrückleuchten zu finden ist, die auch beim Halt an der Ampel noch eine Minute weiter leuchten. Stattdessen sind drei NiMh-Akkuzellen zu je 1,2 V / 50 mAh verbaut.

Derartige Akkus lassen sich im Gegensatz zu Supercaps jedoch nicht in ein paar Sekunden füllen, sie benötigen bei Extrem-Schnellladung eine Stunde, regulär 14 Stunden. Bis dahin ist einem entweder die Kurbel oder der Arm abgefallen, man bekommt also den Akku nie voll.

Fragwürdige Nützlichkeit

Auch das über einen integrierten, unter der Kurbel versteckten USB-Port zu ladende Handy lädt nicht schneller - und aus den 50-mAh-Akkuzellchen wäre es sowieso nicht ladbar, hat so ein modernes Smartphone doch locker die 50-fache Kapazität. Ob ein paar Minuten Kurbeln zumindest für einen Notruf reichen, wäre auszuprobieren, aber ich fürchte, ein leergelaufenes Smartphone lässt sich damit gerade einmal booten und ist dann auch schon wieder leer.

Die Taschenlampe funzelt im Akkubetrieb deshalb auch ausgesprochen und wird nur während des Kurbelns wirklich hell. Das wäre ja ok, bei den alten Dynamo-Taschenlampen war es ja schließlich nicht anders, die hatten zwar ein Schwungrad, um für einige Sekunden Licht zu sorgen, doch keinen Akku. Allerdings ist unklar, ob der in einigen Jahren wegen chronischer Leere defekte Akku dann nicht die Taschenlampe komplett kurzschließt. Wechselbar ist er ohnehin nicht, das ist nicht anders als beim Smartphone. Die Taschenlampe muss dann zum Wertstoffhof.

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