28.07.14

Alterdings: Fotos und Videos vom Kurzwellensender Wertachtal, kurz vor dem Abriss

Kurzwellensender Wertachtal: letzte Führung. (Alle Bilder: W.D.Roth)

Die „Deutsche Welle“ strahlte einst in die ganze Welt - als Programm für Urlauber, aber auch als Darstellung Deutschlands und Informationsquelle für die Hörer besonders im Ostblock. Die Kurzwellensendestelle Wertachtal bei Ettringen im Ostallgäu war hierfür gebaut worden. Nun wird sie abgerissen. neuerdings.com konnte an einer letzten Führung teilnehmen.

 

Wie die Erdfunkstelle Raisting war die Kurzwellensendeanlage im Wertachtal ein Pflichtprogramm für jeden Funkinteressierten; wir besichtigten sie unter anderem im Nachrichtentechnik-Studium mit unserem Prof. Dr. Janssen, auch Funkamateur. Die Erklärungen zur Sende- und Antennenanlage, die über die Mikrofonanlage im Bus liefen, gingen allerdings im Antennennahfeld im Programm der Deutschen Welle unter, das plötzlich so stark in die Anlage einstrahlte, dass es alles andere „überbügelte“.

Die Sendeanlage war zur Olympiade 1972 errichtetet worden, ehemals größte Kurzwellen-Sende-Anlage Europas und nach Radio Moskau und der Stimme Amerikas drittgrößte weltweit. 67 Antennen mit bis zu 17 dB Gewinn und 16 Kurzwellen-Sender mit je bis zu 500 kW Output strahlten deutsche und fremdsprachige Sendungen in alle Welt ab. Die effektiven Sendeleistungen (EIRP) erreichten bis zu 40 Megawatt. Alle Antennen konnten beliebig auf die Sender geschaltet werden, um so eine Richtwirkung in das gewünschte Land/auf den zu versorgenden Kontinent zu erreichen. Auch am anderen Ende der Welt konnte man mit einem kleinen Radio die Deutsche Welle empfangen. Auch dort, wo es kein Handynetz gab.

Im neuen Jahrtausend wurden die Sender, nachdem die Deutsche Welle zuerst ins Internet abwandern wollte und dort für Ärger sorgte, auch digitaltauglich gemacht. Im Jahr 2006 stellte die Deutsche Welle allerdings die Sendungen aus Wertachtal komplett ein.

Ich konnte die beeindruckende Antennenanlage nach dem Umzug ins Ostallgäu vom Schlafzimmerfenster aus sehen. Dies wird nun bald vorbei sein:

Alle Sendungen wurden unerwartet an andere, weniger leistungsfähige Standorte verlegt und im Lauf des August 2014 werden Sender und Antennen „rückgebaut“, also zerlegt, gesprengt und abgerissen. Aus dem Antennengelände soll Bauland werden sowie ein Areal für Windräder - bislang sind dort „nur“ Solarzellen aufgestellt.

Die Anlage sendet schon seit Mai 2013 nicht mehr und schaut auch dementsprechend verlassen aus - die große Empfangstreppe ist bereits von Unkraut überwuchert und eine offizielle Führung hat schon lange nicht mehr stattgefunden. neuerdings.com konnte jedoch an einer kurzfristig angesetzten letzten Führung teilnehmen.

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Die Senderöhren waren bereits teilweise aus den Sendern entfernt, die Senderschränke und Antennen standen noch. Ein letzter Blick auf ein großes Stück Technikgeschichte mit vielen Fotos und einigen Videos von der Führung. Zukünftig gibt es die Deutsche Welle über Internet, dann kann man sie im Urlaub hören, wenn man eine Flatrate für das betreffende Land hat und die Chinesen können sie nach Bedarf abschalten, wenn ihnen das Programm mal wieder zu subversiv ist...

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