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16.01.13

Kommentar: Wo bleibt der Wettlauf um den größten Smartphone-Akku?

Huawai Ascend Mate: 6,1 Zoll misst das Display. (Bild: Huawai)

Schaut man sich die Neuvorstellungen der letzten Zeit in Sachen Smartphones an, scheinen die Hersteller vor allem zwei Dinge wichtig zu finden: immer größere Displays und immer dünnere Gehäuse. Einen nutzloseren Wettlauf hat man im Elektronikbereich lange nicht erlebt, denn die Baustellen sind ganz woanders.

Immer wieder erlebt man im Technikbereich, dass Hersteller versuchen, sich gegenseitig in Featurelisten zu übertreffen. Im Zuge dessen scheint es ihnen oftmals egal, wie sinnvoll dieser Kampf ist oder ob durch ihn nicht am Ende sogar die Qualität leidet. Ein Beispiel ist der Megapixel-Wahn bei Digitalkameras, wo immer mehr Pixel auf winzige Sensoren gequetscht werden. Dass die Aufnahmen dadurch schlechter werden können, scheint wenig zu interessieren. Hauptsache, auf dem Schild steht eine höhere Zahl als bei der Konkurrenz. Ein älteres Beispiel ist das Megahertz-Wettrennen bei PCs, wo dann mancherorts ein aktueller Chip auf ein hoffnungslos veralteten Motherboard platziert wurde, nur um mit den meisten Megahertz pro Geldeinheit werben zu können.

Und im Moment übertreffen sich einige Smartphone-Hersteller damit, ihre Geräte immer größer und dabei dünner zu machen. 4 Zoll Diagonale sind da schon klein. 5 Zoll können es auch sein. Oder nicht vielleicht doch gleich 6? Wen interessiert da schon, ob man das Handy dann noch bequem bedienen kann? Wie gut das Display selbst ist, abgesehen von seiner Diagonale? Ach, der Bildschirm frisst viel Strom, der dann am Ende des Tages fehlt? Ja, aber dafür haben wir jetzt 6,3 Zoll.

Bei der Gehäusedicke war das Optimum längst erreicht

Während man sich an einem großen Display zumindest in manchen Anwendungen tatsächlich erfreuen kann, ist die Dicke des Gehäuses heute kaum noch relevant. Wir haben schon längst den Zeitpunkt erreicht, an dem die Handys so flach geworden sind, dass sie bequem in jede Hosentasche passen. Ansonsten wüsste ich nicht, wann die Dicke des Geräts eine wichtige Rolle spielt.

Als drittes könnte man noch den Hang zu immer potenteren Prozessoren aufführen. Auch hier sehen wir bei Smartphones immer mehr Kerne, wie wir es von unseren Computern kennen. Zwar ist diese Rechenkraft ab und an nützlich, aber man fragt sich schon, ob man nicht auch mit deutlich weniger auskäme. Ich persönlich mache nun einmal keine wirklich rechenintensiven Aufgaben auf meinem Smartphone und Animationen in Betriebssystem und Apps gibt es auch jetzt schon genug.

Von Akkulaufzeiten früher Tage wollen wir gar nicht träumen...

Eine Achillesferse bei modernen Smartphones ist und bleibt stattdessen die Akkulaufzeit. Sie ist aus meiner Sicht eines der tatsächlich relevanten Eckdaten. Ob ich auch bei intensiver Nutzung einen Tag bequem durchkomme oder nicht, ist wichtig. Es reicht mir jedenfalls nicht, wenn ein Smartphone bei moderater Nutzung und gutem Empfang einen Tag übersteht. Gerade wenn ich es viel nutze, soll es durchhalten. Und warum eigentlich nur einen Tag? Von Akkulaufzeiten früherer Tage wollen wir an dieser Stelle zwar nicht träumen, aber technisch wäre doch viel mehr möglich – wenn man denn dafür Kompromisse an anderen Stellen eingeht. Das oben abgebildete Huawai Ascend Mate beispielsweise hat einen Akku mit 4.050 mAh. Samsungs Galaxy Note II hat einen Akku mit 3.100 mAh. Das also ginge genau in die richtige Richtung, wenn Huawei nicht zugleich unbedingt das "weltgrößte Display in einem Smartphone" hätte haben wollen...

Ich hoffe sehr, dass wir bald einen Wettlauf um den größten und besten Akku erleben. Smartphones können dafür gern wieder ein wenig dicker und schwerer werden. Da ist noch viel Luft nach oben. Und, bitte, liebe Hersteller: Packt High-End-Technik nicht immer nur in riesige Gehäuse. Es gibt Leute, die gute Leistung und ein kompaktes Gerät zugleich zu schätzen wissen.

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