08.10.13

Kinofilm "Gravity": Warum ich hoffe, dass das 3D-Kino überleben wird

"Gravity" mit Sandra Bullock: Ein Film, der durch 3D an Spannung gewinnt. Bilder: Warner Bros, AOC, LG, 3Dtouch

Der große 3D-Boom in der Unterhaltungsindustrie ist abgeebbt. Im Kino schlägt die Technik ihre letzte Schlacht - und wird hoffentlich siegreich hervor gehen.

"Gravity" mit Sandra Bullock: Ein Film, der durch 3D an Spannung gewinnt. Bilder: Warner Bros, AOC, LG, 3Dtouch

Das Kino bei mir um die Ecke, das sich einst mit Angeboten über Wasser hielt, zeigt derzeit zum ersten Mal einen Blockbuster in 3D. Möglich ist das nur durch die Anschaffung der passenden 3D-Technik, zu der man offenbar bereit war. Motiviert durch positive Kritiken, besuchte ich das Kino am Sonntagabend und sah mir die Vorstellung von "Gravity" in 3D an.

Dazu muss man sagen, dass ich dem 3D-Trend noch nie etwas abgewinnen konnte und fast ein wenig erleichtert bin, dass immer mehr Hersteller von der gewöhnungsbedürftigen Technik wieder Abstand nehmen. Bei "Gravity" allerdings war ich froh, dass das 3D-Kino es bis hierhin geschafft hat und uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

 

 

Der spannende Weltraum-Thriller von Alfonso Cuarón gewinnt durch die Darstellung in 3D. Die räumliche Perspektive lässt den Zuschauer den Horror miterleben, den Protagonistin Ryan Stone (Sandra Bullock) in dem Film durchstehen muss. Sicher ist der Film auch in 2D spannend, aber bei "Gravity" hatte ich zum ersten Mal überhaupt den Eindruck, dass 3D hier ein wichtiger Teil des Films eher als ein bloßes Extra ist, für das ich vier Euro mehr an der Kinokasse zahle.

Wehe dem, der den Hype anzweifelte

Ich erinnere mich ungerne an die Anfangsjahre des neuen 3D-Booms zurück. Ich bekam Kopfschmerzen, als ich mir "Avatar" in 3D ansah, ich sah nur mit Mühe etwas auf den ersten 3D-Smartphones, das Arbeiten mit 3D-Technik, das von vielen als die Zukunft beschrieben wurde, klang für mich eher nach einer Horrorvorstellung. Und mehr als einmal wurde ich von Lesern dafür zersägt, wenn ich in Zweifel zog, dass diese 3D-Welle uns allen ein Segen wäre und bald in jedes Wohn- und Arbeitszimmer schwappen würde.

Das ist bisher nicht passiert. Es blieb unter den namhaften Herstellern bei zwei Smartphone-Modellen mit 3D, bei den Tablets sieht es ähnlich aus. Die 3D-Spielekonsole Nintendo 3DS war zwar keine Enttäuschung, aber 3D-Spiele setzten sich deswegen nicht bei den Publishern durch, schon gar nicht für eine Mehrzahl der Titel. Blu-ray-Filme in 3D bleiben teure Mangelware. Und während die Hersteller 3D-Technik in ihre Fernseher als nur eins von vielen Funktionen mittlerweile fast serienmäßig einbauen, sucht man Schreibtisch- oder Gaming-Monitore, die in diesem Jahr neu auf den Markt kamen, mit der Lupe.

Generell mehr erwartet

Das alles ist kein Flop, es ist ein gemischtes Fazit, aber alle Beteiligten dürften sich von 3D mehr versprochen haben. Auch an den Kinokassen entwickelten sich die Umsätze von 3D-Filmen nicht wie gewünscht. Das British Film Institute ermittelt im vergangenen Jahr gar einen Rückgang der Umsatzzahlen im Vergleich zu 2011. Tenor: Die Zuschauer sähen es nicht ein, für wenig Extradetails an den Kinokassen deutlich mehr zu bezahlen. Das war allerdings noch vor dem Start des Fantasy-Blockbusters "Der Hobbit" in 3D, von dem man sich neue Impulse erhoffte.

Vielleicht ist es Zeit für eine nüchterne Betrachtung der Technik: 3D funktioniert nicht für alle und längst nicht überall im Alltag. Ich sehe derzeit nicht, wie 3D-Technik mich in meiner Arbeitsumgebung produktiver oder wie mir die Arbeit dadurch mehr Spaß machen könnte. 3D in der Werbung? Vielleicht sporadisch ein Hingucker. Und ich kann mir bei einem James-Bond-Film wie "Skyfall" trotz einer beeindruckender Verfolgungsjagd am Anfang nicht vorstellen, wie 3D das ganze noch spannender hätte machen können. Dass 3D allerdings einen Film in der Tat aufwerten kann, habe ich am Sonntag im Kino gesehen. Nicht jeder Film taugt in 3D, aber es gibt Streifen, die davon profitieren. Ich freue mich auf weitere Filme, die das Medium 3D voll ausreizen und ich hoffe, dass uns die Technik zumindest im Kino weiterhin erhalten bleibt.

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