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28.12.13

KeyMe: Der Zweitschlüssel aus dem 3D-Drucker

KeyMe: Schlüssel aus dem 3D-Drucker. Alle Bilder: KeyMe

In den USA ist ein Dienst an den Start gegangen, der Zweitschlüssel einfach ausdruckt. KeyMe will überteuerten Schlüsseldiensten damit das Ende bereiten, doch es bleiben Sicherheitsbedenken.

Wenn man sich aussperrt oder den Schlüssel in der Wohnung vergisst, dann passiert das zumeist spätabends, wenn sonst keiner Zuhause ist, und schlimmstenfalls noch am Wochenende. Rückt dann ein Schlüsselnotdienst aus, kassieren findige Geschäftsleute hier oftmals hunderte Euro.

Das US-Startup KeyMe will dieser überteuerten Praxis ein Ende bereiten, indem es seinen Kunden erlaubt, personalisierte Zweitschlüssel in der Cloud zu speichern und per 3D-Druck zu ordern. Zuhause ausdrucken lassen sich die Schlüssel bislang nicht, aber der New Yorker Dienst liefert sie per Post, am Automaten oder per Kurier - im Notfall binnen einer Stunde.

Um den Service zu starten, greift KeyMe auf die Technik des 3D-Druck-Anbieters Shapeways zurück. In Manhattan hat das Startup bereits sieben Automaten aufgestellt, an denen sich jeder einen Zeitschlüssel anfertigen kann. Mit der passenden Smartphone-App kann allerdings auch jeder zu Hause einen Scan seines Schlüssels erstellen. Für 10 US-Dollar plus Versand stellt KeyMe diesen dann per Post zu.

Sollte man sich wirklich ausgesperrt haben, stellt KeyMe den Ersatzschlüssel per Kurier zu. Der Vorteil: Der Kunde speichert seine Schlüssel-Scans in der Cloud - KeyMe kann dann sofort einen neuen Schlüssel ausdrucken. Hat man keinen Scan hinterlegt, kann ein Verwandter oder ein Bekannter, der einen Zweitschlüssel hat, schnell per App einen Scan anfertigen. Der Nachteil ist in diesem Falle identisch mit dem Vorteil: Der Kunde speichert die Scans in der Cloud - ein Paradies für kriminelle Elemente, die es schaffen, die KeyMe-Datenbank zu hacken.

Wie sicher können Schlüssel-Scans in der Cloud sein?

Die Sicherheitslösungen, die KeyMe anbietet, erscheinen mir teilweise fragwürdig: Man speichere nur so wenige Informationen wie möglich, heißt es auf einer eigens eingerichteten Webseite zum Thema Sicherheit. Die Daten der Schlüssel ließen sich nicht mit den Personendaten verknüpfen, steht dort. Nun, aber wie will der Dienst dann die passenden Schlüssel an die Auftraggeber schicken? Scans von Schlüsseln ließen sich nur vom Eigentümer anfertigen, steht dort. Aber wie genau will der Dienst das kontrollieren? Sicherer klingt dafür die Maßnahme, Schlüsselanfertigungen an die Vorlage eines Ausweises und einer Kreditkarte zu knüpfen.

Wer KeyMe vertraut - und das ist hier sicherlich notwendig - der kann sich Schlüssel aus verschiedenen Materialien ausdrucken lassen, auch aus Metall. KeyMe bietet kuriose Designs als Vorlage an, darunter auch einen Flaschenöffner-Schlüssel. Viel teurer als die Schlüsseldienste im Kaufhaus sind die KeyMes nicht.

Gehört Smart Locks die Zukunft?

Philosophieren könnte man am Schluss noch darüber, ob der 3D-Druck von Schlüsseln noch zeitgemäß ist. Sogar die Turnhalle meines Sportvereins, in der ich hin jede Woche trainiere und die aus den 70er Jahren stammt, hat kürzlich ein Transponder-System spendiert bekommen. Zweifelhafte Spaßvögel oder Sporthasser hatten die Schlösser immer wieder mit Kaugummi zugeklebt. Das Transponder-System soll nun zusätzlich kontrollieren können, wer wann die Halle auf- oder abgeschlossen hat. Die Smartlocks August oder Lockitron, die wir hier bereits vorgestellt haben, wollen dem Schlüssel gleich ganz Lebewohl sagen - ein Bluetooth-fähiges Smartphone soll sie ersetzen.

Aber auch elektronische Schlüssel und Smartphones haben natürlich Sicherheitslücken und so schnell wird sich der Otto-Normalbürger von seinen metallenen Schlüsseln nicht trennen. Zweitschlüssel aus dem 3D-Drucker könnten also eine attraktive Übergangslösung sein - wenn man dem Anbieter und der Sicherheit seiner Cloud vertraut. Doch daran habe ich nach den Enthüllungen in diesem Jahr so meine Zweifel. Denn die haben gezeigt, dass im Prinzip nichts mehr sicher ist - falls es das jemals war.

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