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01.08.14

Kenwood DNX4250DAB Navi-Multimedia-Radio im Test: Fast wie Festeinbau

Kenwood (Alle Bilder: W.D.Roth)

Neue Autos haben inzwischen ganze Multimedia-Zentralen verbaut. Wer einen Gebrauchtwagen fährt, muss sich dagegen mit Saugnapf-Radioerweiterungen, Saugnapf-Navis und verkehrsgefährdendem Spiralkabelsalat am Lenkrad abfinden. Doch es geht auch anders.

Test des Kenwood DNX4250DAB

Kenwood (Alle Bilder: W.D.Roth) Kenwood DNX4250DAB (Alle Bilder: W.D.Roth)

Früher war es eigentlich so, dass man nach dem Kauf eines neuen (bei den meisten Menschen also gebrauchten) Autos erstmal das Radio gegen ein brauchbares Modell austauschte. Mitunter verdoppelte sich so gleich auf einen Schlag der Wert des fahrbaren Untersatzes...

Auch Neuwagenkäufer ließen sich oft nur einen Radio-Kabelsatz und Lautsprecher einbauen und kauften sich ihr Wunsch-Autoradio separat. Die Werksradios waren nämlich nicht nur völlig überteuert, sondern auch nicht leistungsfähig.

Seit einigen Jahren ist das vorbei, weil die Autohersteller dies sabotieren: Man soll sich das gewünschte Radio gefälligst ab Werk einbauen lassen oder gar nicht. Dazu wird das Radio möglichst merkwürdig angeschlossen - bei VW mit vertauschten Stromanschlüssen, bei anderen Herstellern gleich so, dass ohne Werksradio am CAN-BUS plötzlich weder Fensterheber noch Alarmanlage funktionieren. Will man DAB oder USB nachrüsten, ist dann also eine Saugnapflösung oder eine Zusatzeinheit notwendig.

Zwar gibt es mittlerweile auch gute Autoradios ab Werk, doch sind diese immer noch überteuert - insbesondere, weil man so zum neuen Radio ja gleich noch ein neues Auto dazukaufen muss. Wer im Gebrauchtwagen nur eine alte Gurke mit Kassettenlaufwerk vorfindet, hat Pech gehabt; ebenso der, der sich nach 10 Jahren unfallfreiem Fahrens zwar kein neues Auto, aber ein neues Radio leisten will, weil er Telefon oder iPod anschließen möchte oder es leid ist, wenn Navigationssystem und Radio immer durcheinanderquasseln.

Die meisten Marken-Anbieter von Nachrüst-Autoradios haben inzwischen kapituliert, nur Kenwood ist noch aktiv.

Wunder kann Kenwood allerdings auch nicht bewirken, in einem BMW wird der Radiotausch scheitern. Im VW Polo hat man dagegen durchaus Chancen: Tatsächlich hat dieser nämlich sogar - wie viele Autos - einen Doppel-DIN-Einbauschacht, auch wenn das den meisten Autobesitzern gar nicht bewusst sein dürfte: Die zweite Hälfte ist mit einer CD-Schublade gefüllt, die man nur herausrupfen muss. Damit kann man statt einem reinen Autoradio auch eine Kombination mit einem Navigationsgerät einbauen.

Radio mit Touchscreen

Die Geräteklasse, um die es hier geht, läuft bei Kenwood nicht mehr unter „Autoradio“, sondern unter „Multimedia“. Es handelt sich dabei um Kombigeräte mit großem Touch-Bildschirm, der analog und digital per HDMI ansprechbar ist, um den Bildschirm eines Smartphones oder die Signale einer Rückfahrkamera wiedergeben zu können. DVDs können ebenfalls angesehen werden - allerdings aus Sicherheitsgründen nur, wenn der Wagen steht. Der Bildschirm ist bei den unterschiedlichen Modellen verschieden groß.

Also wurde nun der Kenwood DAB41U - nebst CD-Ablage - gegen den DNX4250DAB getauscht. Dies geht sehr einfach - im Gegensatz zum Einbau des DAB41U ist hinter diesem genug Platz für den unvermeidlichen Kabelsalat.

Der Vorteil: Ist solch ein Bildschirm einmal vorhanden, kann über entsprechende Software auf dem Gerät auch Navigation und Radio laufen. Statt vieler kleiner Knöpfe gibt es also einen Touchscreen, mit dem alle Funktionen gesteuert werden. Das freut die Programmierer.

Für den Autofahrer ist ein Touchscreen allerdings nicht immer sicherer. Statt eines ohne Hinsehen ergreifbaren Drehknopfes für die Lautstärke auf einen Touchscreen tippen zu müssen, wäre verkehrsgefährdend. Der Drehknopf für die Lautstärke bleibt also erhalten. Und damit ist das DNX4250DAB gut bedienbar, auch für Nutzer, die sonst keine Touchscreens mögen.

Der Vorteil eines solchen Kombigeräts: Navigationssystem und Rückfahrkamera kommen nicht mit zusätzlichen Bildschirmen daher, die per Saugnapf an die Windschutzscheibe und mit Kabelsalat an die Elektrik angeklemmt werden müssen. Das Navigationssystem verwendet Garmin-Software und ist einfach zu bedienen, die Ansagen dank Verwendung der Radiolautsprecher gut zu verstehen. Einziger Unterschied zu einem Festeinbau ab Werk: Es gibt keine vom GPS unabhängige Erfassung der Wagenbewegung, beispielsweise im Tunnel.

Empfindlich und vielseitig

Das DAB+-Radio ist gegenüber der vorherigen Generation wie dem KDC-DAB41U deutlich empfindlicher geworden und erreicht nun die wieder die Empfindlichkeit der früheren DAB-Systeme ohne „+“. Gerade im seit einigen Monaten aus Kostengründen ausgedünnten landesweiten DAB-Netz in Bayern ist damit wieder vernünftiger Empfang möglich. Mit „seamless blending“, das einen digitalen Zwischenspeicher enthält, um den Ton synchron zu bekommen, füllt der DNX4250DAB zudem DAB+-Empfangslöcher durch Empfang desselben Programms auf UKW auf. Ist allerdings direkt neben dem betreffenden UKW-Sender ein stärkerer eines anderen Programms, kann dies zu akustischem Mischmasch führen, wenn man die automatische Feinabstimmung nicht deaktiviert.

Daneben kann auch Musik von USB-Sticks, vom iPod oder Smartphone sowie via Smartphone aus dem Internet abgespielt werden. Ebenso kann letzteres über den Touchscreen bedient werden, wobei aus Sicherheitsgründen die verfügbaren Funktionen reduziert sind, wenn der Wagen nicht steht.

Auffällig sind gut durchdachte Details. So kann die Helligkeit des Displays wahlweise an das Abblendlicht gekoppelt werden - ungünstig allerdings in Ländern, in denen auch tagsüber mit Licht zu fahren ist - oder an die vom Navigationssystem ermittelte Uhrzeit und Jahreszeit: Das funktioniert immer! Nun schaltet das Display bei Dunkelheit automatisch einen Gang zurück, um niemand zu blenden.

Und was kostet nun der Spaß? Um die 1.000 Euro. Das mag viel sein, wenn man es mit einem Radio vom Discounter vergleicht, aber es ist wenig im Vergleich mit einem Werksradio mit derartigen Funktionen und noch viel weniger im Vergleich mit einem neuen Auto. Doch hat man nun eine Installation ohne Saugnäpfe und Spiralkabel am Zigarettenazünder. Lediglich das Mikrofon der Freisprechanlage, die GPS-Antenne des Navigationsgeräts und der USB-Port müssen zusätzlich zu den Leitungen eines Standard-Autoradios irgendwie verlegt werden - und das Kabel zur Handbremse, wenn man DVDs sehen will.

Kaufen kann man das Kenwood DNX4250DAB beispielsweise hier bei Amazon.

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