17.08.14

Kellner auf Knopfdruck: Wie es ist, in einer Kneipe den Service mit einem Drücker herzubestellen

Funkruf soll den Kellner herbestellen.

Will man im Restaurant die Rechnung oder einfach noch ein weiteres Bier bestellen, dann ist er oft wie vom Erdboden verschluckt, der Kellner. Manchmal wünscht man sich einen Drücker, um ihn herbei zu rufen. Ein solcher fiel uns vergangenes Wochenende in die Hände. Doch das Erlebnis hatte Tücken.

 

Ich bin mir sicher, dass das Irish Pub "Fiddler's" in Bonn-Endenich nicht das erste Restaurant weltweit ist, das einen solchen Drücker verwendet, wie oben abgebildet. Aber dort fiel er mir am vergangenen Wochenende zum ersten Mal in die Hände.

In Restaurantketten wie Vapiano, GinYuu oder Dean & David kommen Tracker zum Einsatz, die blinken und vibrieren, sobald das Essen abgeholt werden kann. Doch dieser Drücker ist anders: Will man etwas Neues bestellen oder die Rechnung anfordern, drückt man einfach einen Knopf. So zumindest in der Theorie. Die Praxis sieht anders aus. Gleich zwei dieser Drücker lagen am Samstag vor meinen Freunden und mir auf dem Tisch. Das Servicepersonal hatte uns aber auch so schon entdeckt und bediente uns gut und regelmäßig. Die Drücker fanden also zunächst viel Beachtung, wir benutzten sie aber nicht.

Ein Bier ergab das nächste

Das änderte sich erst einige Stunden später, als ein Bier auf das nächste gefolgt war und wir gemeinsam beschlossen, "das jetzt mal auszuprobieren". Die beiden Kellnerinnen, die für unseren Tisch zuständig waren, ignorierten die Drücker aber beharrlich.

Das dürfte vor allem daran gelegen haben, dass mittlerweile jeder Tisch mit durchaus trinkfestem Publikum besetzt war. Ein Freund am Tisch hielt es schließlich für eine gute Idee, zwanzig Mal zu drücken - was aber auch nichts änderte. Wir mutmaßten, dass eventuell die Batterie zu schwach war oder die Kellnerinnen keine Lust hatten, im Akkord zu arbeiten. So funktioniert wie gedacht haben die Gadgets zumindest nicht. Unser Essen, unsere Getränke und später die Rechnung bekamen wir aber trotzdem prompt.

 

Kann es sein, dass sich das Personal so von diesen Drückern herausgefordert sah, dass es besonders schnell arbeitete und man die Drücker eben deswegen gar nicht mehr brauchte? Es hatte fast den Anschein.

Wenn das Personal unaufmerksam, unmotiviert oder (auch möglich, sollte man nicht vergessen) überarbeitet ist, dann helfen auch keine Drücker mehr. Übersehen oder ignoriert werden kann man auch, wenn von allen Seiten gedrückt wird und die eigene Bestellung in der Masse untergeht. Kellnern ist ein stressiger Beruf, das Personal ist nicht selten schlecht bezahlt und in einem großen Restaurant jeden vollen Tisch zu überwachen, ist nicht einfach. Dafür sollte man Verständnis aufbringen.

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Was aber nun tun, wenn man eine halbe Stunde vergeblich wartet und immer noch kein Kellner reagiert?

Eine Antwort auf die Frage lieferte mir vor einiger Zeit der Kellner in einem Kölner Brauhaus. Ein junger Mann am Nachbartisch in einer Gruppe etwa 18-Jähriger winkte dem Kellner schüchtern zu und bestellte leise eine Runde Bier. Wer die Kölner Brauhauskultur kennt, der weiß vielleicht, dass von den Kellnern eine freche Schnauze und wenig Höflichkeit ausgeht, das in gewisser Weise sogar erwartet wird. Und so war es auch hier: "Watt willst du? Ein Kölsch?", brüllte der Köbes den jungen Mann halb im Scherze an. "'VIER KÖLSCH HIERHER!' heißt das. So, jetzt haste was fürs Leben gelernt!"

Mit anderen Worten: Warum so schüchtern! Gleich beim Hereinkommen den Kellner begrüßen, zusehen, dass er mitbekommt, wo man sitzt und dann höflich aber bestimmt immer wieder auf sich aufmerksam machen, wenn man etwas bestellen möchte und für die Rechnung zur Not einfach aufstehen und zur Kasse gehen, wenn einfach niemand kommt. Wahrscheinlich ist das immer noch der beste Weg, um in der Gaststätte nicht zu verdursten. Es braucht die richtige Lebenseinstellung, könnte man zusammenfassend sagen. Einen Drücker braucht es nicht.

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