08.02.14

Keepod Unite: Betriebssystem to go für ausrangierte PCs

Keepod Unite: Betriebssystem to go

Wie verschafft man 5 Milliarden Menschen den Zugang zu einem PC? Die Organisation Keepod Unite will das mit alter Hardware und einem neuen Linux-Stick lösen: Nimm dir einen ausrangierten PC und bring dein modernes Betriebssystem einfach selbst mit.

 

Tag für Tag werden zigtausende alte PCs weggeschmissen - viele davon landen zur Resteverwertung in Afrika, nützen den Menschen vor Ort aber nichts. Deswegen die Idee der Initiative Keepod Unite: Die Menschen dort mit einem USB-Stick ausstatten, auf dem ein lauffähiges Betriebssystem installiert ist.

Man steckt diesen einfach in einen X86-PC mit USB-Schnittstelle. Hardware? Fast egal. Hauptsache, das Ding läuft noch. Für ein erstes Projekt in einem Slum in Kenya wirbt die Initiative nun um Fördergelder auf Indiegogo. Interessierte können sich einen solchen Keepod auch für sich selbst besorgen.

 

This time for Africa

Neu ist die Idee eines lauffähigen Systems auf einem USB-Stick freilich nicht. Verschiedene Linux-Distributionen bieten dies zum Selbstinstallieren bereits an. Pendrive Linux ist zum Beispiel eine eigene Distribution, die sich auf Linux auf einem Stick spezialisiert hat. Viel teurer als die 5 Euro, die ein Keepod in der Herstellung kosten soll, wird es dann auch nicht. Wer sich ein bisschen mit Linux auskennt, hat sich also schnell sein eigenes Betriebssystem auf einen Stick gebracht und kann das an einen beliebigen PC anschließen. In der Überflussgesellschaft ist das also kein Problem.

Die Keepod-Initiative richtet sich aber an Menschen, die sich trotz allem keinen PC leisten können. Die Idee der Nichtregierungsorganisation: Alte PCs nehmen, die sowieso ausrangiert wurden, und hierauf das Linux-basierte System Keepod OS laufen lassen. Die PCs müssen nicht einmal mehr eine funktionierende Festplatte haben.

Großes Ziel der britischen Projektleiter ist es, dass alle Menschen einen PC erhalten. Chic und bunt sehen die Sticks dann auch noch aus:

vimeo.com/84261032

Doch jetzt kommen ein paar Aber. Was ich mich gleich auf Anhieb gefragt habe: Wo kriegen die eigentlich den Strom her? Man kann ja heute PCs oder Handys beinahe auf jeder Müllkippe finden, und viele davon funktionieren sogar noch, aber Strom in jeder Hütte eines Slums dürfte schwerer zu bekommen sein. Keepod geht auf das Problem nicht wirklich ein. Kenya ist außerdem sehr erfinderisch, was mobile Dienste für die deutlich weiter verbreiteten Mobiltelefone angeht. Können Menschen nur mit PCs wirklichen Wohlstand erreichen oder ließe sich das nicht auch mit cleveren mobilen Services erreichen? Keepod Unite allerdings will auch im Slum selbst eine Anlaufstelle einrichten, die Menschen vor Ort beraten und für die nötige Hardware sorgen. Das Projekt klingt unterstützenswert.

Stick für 45 Euro selbst kaufen

Jede Spende zählt. Keepod legt den Unterstützern vor allem das Paket "Unite Grassroots" ans Herz, das für umgerechnet 110 Euro zu haben ist und dem Förderer sowohl fünf eigene Keepods gibt, als auch fünf Stück an das Projekt in Kenya spendet. Kaufe einen, spenden einen - das Konzept erinnert an die One-Laptop-per-Child-Initiative. Für umgerechnet 77 Euro erhält man einen Keepod und spendet fünf. Wer nicht so viel Geld zur Verfügung hat, kann auch für 45 Euro stumpf einen Keepod kaufen ohne einen zu spenden. Da die Kosten nur bei rund 5 Euro liegen, unterstützt man die Initiative auch dann.

Die Crowdfunding-Aktion läuft noch bis zum 14. Februar und kommt nur zustande, wenn die gewünschte Spendensumme in Höhe von 38.000 US-Dollar erreicht wird. Die Sticks sollen dann im April zu ihren Förderern geschickt werden.

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