22.08.11

John’s Phone im Test: Minimal-Handy - Ist weniger mehr?

John’s Phone Minimal-Handy - aber nicht eines der kleinsten

Seit einigen Monaten ist John’s Phone erhältlich. Das Anti-Smartphone aus den Niederlanden behauptet, das einfachste Mobiltelefon der Welt zu sein. Mit diesem Anspruch hat es weltweit Freunde gewonnen. Wir haben es für Euch getestet.

 

Johns Phone verfolgt einen radikalen Ansatz: Es beherrscht ausschliesslich Telefonate und kann SMS weder empfangen noch versenden. Der Kurzwahlspeicher ist auf 10 Nummern beschränkt, die über einen längeren Druck auf die Tasten 0 - 9 aufgerufen werden. Ein internes Telefonbuch gibt es auch - es ist aus Papier und liegt in einem kleinen Fach mit durchsichtigem Deckel auf der Gehäuserückseite. Neue Nummern kann man dort notieren.

SMS? Fehlanzeige. Man kann zwar bei Prepaid-Karten sein Guthaben mit der gewohnten Tastenkombination *100# abrufen und erhält den aktuellen Guthabenstand auf dem Display angezeigt, aber SMS empfangen oder versenden funktioniert nicht.

So eine Beschränkung muss man wollen. Und so positioniert sich John’s Phone konsequent als Anti-Smartphone. Billige(re) Handys mit wenigen Funktionen gibt es schließlich schon genug. Was John’s Phone von diesen unterscheidet, ist die Philosophie dahinter. Wir haben uns das Minimal-Handy mal genauer angesehen.

Humor inklusive

Die Beschränkung auf die reine Telefonie ist gewöhnungsbedürftig, und so soll der augenzwinkernde Umgang mit den fehlenden Funktionen Sympathie schaffen. Zum Beispiel kann man mit John’s Phone durchaus Kurznachrichten schreiben. Allerdings nur mit dem Stift in speziell dafür vorgesehen Seiten des Telefonbuchs. Die trennt man dann heraus und schickt sie dem Adressaten per Post. Hier geht man mit einem Augenzwinkern über die fehlende SMS-Funktion hinweg, die für einige ein Auschlusskriterium sein dürfte.

Tolles Durchhaltevermögen

Dafür ist die Standby-Zeit wirklich phänomenal. Der Akkustand wird durch das Wort Johns angegeben, und nach ziemlich genau zwei Wochen, in denen das Handy nur ungefähr 4 Nächte aus war, lese ich immer noch Jo.

Offiziell ist die Standby-Zeit mit drei Wochen angegeben. Wenn man viel telefoniert, sinkt dieser Wert natürlich, aber selbst zwei Wochen sind gegenüber den energiefressenden modernen Smartphones, die jeden Abend ans Stromnetz müssen, natürlich ein Riesenvorteil.

Einfache Bedienung

John’s Phone lässt sich stumm, leise und laut stellen (der Vibrationsalarm ist grundsätzlich eingeschaltet), ein weiterer Schiebeschalter besitzt die drei Stufen an, Tastensperreund aus, die im zweizeiligen Display angezeigt werden.

Das ist praktischerweise auf der oberen Schmalseite angebracht, so dass ein Blick in die Brusttasche genügt, um den Anrufer zu erkennen. Wer allerdings eine Lesebrille benötigt, könnte Schwierigkeiten mit der Grösse der Ziffern haben.

Mit einem Wippschalter blättert man durch das Menü der gewählten Nummern (einmal grüne Taste drücken, dann erscheint die Liste) oder verpassten Anrufe und hebt oder senkt die Hörerlautstärke. Diese Nummern kann man dann durch einen Druck auf die grüne Taste direkt wieder an- bzw. zurückrufen. Der Wippschalter aus verchromten Kunststoff könnte für meinen Geschmack etwas griffiger sein, aber nach anfänglichem Hakeln bewegt er sich inzwischen recht flüssig.

Die Freisprecheinrichtung

Sie besteht aus einem großen Knopfhörer, der gerade wegen seiner Größe gut im Ohr hält und ohne Schaumstoff- oder Silikonpolster auskommt. Der glatte weisse Kuststoff kann auch gut mal mit einem feuchten Lappen abgewischt werden. Dazu ist noch ein weiterer Knopf mit Mikro am Kabel, mit dem man Anrufe annimmt und beendet.

Kaufen oder nicht?

Eine schwierige Frage. John’s Phone polarisiert, man liebt es oder hält es für einen Witz. Ich wurde mehrfach fasziniert darauf angesprochen. Wer von einem Handy auch nur etwas mehr erwartet als die reine Telefoniefunktion oder wer ein besonders kleines oder günstiges Handy haben möchte, wird von John’s Phone enttäuscht sein.

Wer allerdings ein Statement zum Minimalismus abgeben will und es hasst, ständig nach einer Steckdose zum Aufladen des Handy Ausschau halten zu müssen, der sollte sich John’s Phone ruhig einmal ansehen – ich auf jeden Fall habe mich in den Testwochen ziemlich an das ungewöhnliche Handy gewöhnt.

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