Hier finden Sie weitere Artikel aus der Themensammlung Technik

22.07.10

Jay-tech Jay-Book 9901 im Test (2 von 2): Das Mini-Netbook, das keines ist

Jay-Book - Nur die Hälfte der installierten Software verarbeitet die CPU schnell genug (Bild: KaiZa)

Das Jay-tech Jay-Book 9901 muss sich im zweiten Teil der Alltagstauglichkeit unterziehen.

 

Im ersten Testteil des Jay-Tech Jay-Book 9901 haben wir uns der Hardware gewidmet, und wie bei einem Preis von 99 Euro nicht anders zu erwarten, fällt diese schlecht und billig aus.

Doch nur solange, wie man die Maßstäbe eines Laptops, Netbooks oder Mini-Netbooks ansetzt: Das Windows CE 6.0 wurde zuerst für PDAs und später für Terminal-Clients konzipiert. Sieht man das Jay-Book 9901 als einen zu groß gewordenen PDA an, so wie es der Foleo von Palm hätte sein sollen (und zurückgezogen wurde), dann nutzt man das Gerät ganz beruhigt und verzeiht ihm die eine oder andere Grausamkeit.Derer gibt es viele, denn Jay-tech machte sich weder die Mühe, das WinCE anzupassen, noch dessen Stärken zu nutzen. Der größte Vorzug läge in der Instant-On Fähigkeit, beim Ausschalten wird der Zustand gespeichert - und nach dem Einschalten geht es sofort und genau da wieder weiter. Doch Jay-tech läßt diese Möglichkeit brach liegen, stattdessen wartet man ungefähr 16 Sekunden, bis der Desktop erscheint, und weitere 5 Sekunden bis das Gerät ausgeschaltet ist.

Der Neuling wird die verblüffende Ähnlichkeit mit dem PC-Windows nicht abstreiten können und sich gleich zurecht finden. Startet man die Textmaker Software, ist es sofort möglich, Word-Dokumente nativ zu bearbeiten, theoretisch. Die umfangreiche Textverarbeitung kann zwar mit vielen Funktionen aufwarten, belastet aber den 300 MHz-Prozessor enorm: Während man munter seine Texte eingibt, wird der Bildschirminhalt nur alle zwei Sekunden verzögert aufgefrischt, wodurch es den Schreibfluss jäh hemmt. Ähnlich verhält es sich mit der Powerpoint- und Excel-Version, der Prozessor ist seinen Aufgaben nicht gewachsen. Alternativ könnte man auch auf Wordpad zurückgreifen, das kann zwar auch nur das, was sein Desktop Pendant beherrscht, dafür würde man aber zügig schreiben können.

 

Was tatsächlich Laune macht, ist die Bildbetrachtung: das TFT ist ausgesprochen blickwinkelstabil und die Farben sind kräftig und leuchtend, die Bilder wechseln angemessen schnell, wenngleich ein 2Megabyte-Foto natürlich länger braucht als 200kb. Die YouTube-Videos, welche über eine extra Software wie auch beim iPad geladen werden, profitieren ebenfalls von der schönen Farbe, sind jedoch zumeist nur im Scheckkartenformat anzusehen - man ahnt es schon: Der Prozessor ist hochauflösenden oder auf Vollbild gezoomten Videos nicht gewachsen. Erstaunlich zügig dagegen verhält sich der Internet Explorer, immer noch kein Vergleich mit einem Netbook oder Smartphone, aber nahe dran. Die Webseiten stellt der IE größtenteils orignalgetreu dar, weshalb bei einer Auflösung von 800*480 Pixeln häufig auch horizontal gescrollt werden muss.

Wo man gerade im Internet ist, kann man ja auch gleich noch die Emails checken, die mitgelieferte "Briefkasten"-Software ähnelt Outlook, läßt außer POP-Unterstützung allerdings alle anderen Protokolle vermissen.

Kaufempfehlung?

Wer zwischen den Zeilen liest, merkt schnell: Ich versuche, dem Jay-Book 9901 ein Chance zu lassen, doch egal welches Szenario ich mir ausdenke - der Prozessor ist seiner Aufgabe nicht gewachsen. Fotos stellt das TFT wirklich farbenfroh dar, das Internet-Erlebnis ist akzeptabel, Office-Dokumente benötigen ihre Zeit, um geöffnet oder bearbeitet zu werden, die Tastatur läßt kein vernünftiges 10-Finger-System zu und die Akkulaufzeit ist mit gerade so 3 Stunden unter aller Sau - das K.O.-Kriterium für mobile Geräte überhaupt. Guten Gewissens kann ich leider keinem Erwachsenen dieses Gerät empfehlen, außer als kleines digitales Fotoalbum und Notizblock, doch dafür ist es wiederum völlig überteuert, angesichts von Smartphones mit 1GHz Prozessoren - schneller und bequemer sind sie zu allem überfluss auch noch..

Schlagworte zu diesem Artikel

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer