21.07.10

Jay-tech Jay-Book 9901 im Test (1 von 2): Anspruchsloses Mini-Netbook mit Wlan

Jay-tech JayBook

Das spottbillige Jay-tech Jay-Book 9901 bringt rudimentäres Netbookfeeling zu einem unschlagbaren Preis.

"Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" heißt es frei nach Aristoteles, und so verhält es sich auch mit dem Mini-Netbook mit Wlan "Jay-Book", wie es Jay-tech liebevoll nennt. Viele Forenkommentatoren und selbsternannte Gurus, die dieses Gerät nicht besitzen, fällen ihr Urteil aufgrund der Hardwareliste. Für die Wissenschaft habe ich mich geopfert und mir dieses Winz-Netbook einmal gekauft; wie es sich tatsächlich schlägt, werden wir nun gemeinsam untersuchen.

Die Hardware

Alleine die Abbildung auf dem kleinen Karton macht einen billigen und wenig einladenden Eindruck, hält man es in der Hand, ist das Jay-Book 9901 mit seinen fragilen 600 Gramm federleicht, das harte Plastik erscheint billig und leicht brüchig. Aber man soll ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen. So widmen wir uns den Spezifikationen und lesen enttäuscht:

  • Via 8505 300MHz CPU,
  • 128MB DDR II RAM,
  • 2 GB NAND Flash,
  • 7 Zoll Display mit 800*480 Pixeln,
  • Windows CE 6.0,
  • WLAN nach b-/g-Standard,
  • 10/100 MB Ethernet,
  • 3 USB-Ports und ein
  • SDHC-Kartenleser.

Das klingt, als habe man einen uralten PC ausgeschlachtet, doch wie bereits zu Anfang angedeutet, läuft das Gerät schneller als man denkt - und das ohne Lüfter (bei nur 300MHz auch kein Wunder...).

Die Software

Die "Geschwindigkeit" ist vor allem dem genügsamen Windows CE 6.0 zu verdanken, laut dem Info-Tab in der Systemsteuerung eine Entwicklung aus dem Jahre 2006 - aktuell ist es bei 6.0 R3 (2009) angekommen. Als Dreingabe gibt es das SoftMaker Office Paket 2008, eine angenehm zu bedienende Office Suite inklusive Foxit PDF Reader und Email-Client, für Unterhaltung sorgen unter anderem der gut konfigurierbare Core-Video-Player und zwei simple Kartenspiele. Eine eigenständige YouTube-Applikation ermöglicht es sogar, den einen oder anderen Internetstream zu bestaunen, HD-Videos sind natürlich ausgeschlossen.

Die Reste

Das Display ist, wie auf den Fotos zu erkennen, selbst bei direktem Sonnenlicht ablesbar und farbenfroh. Lange wird man das jedoch nicht genießen können, denn der Akku ist mit seinen 8,4V bei 1,8A knapp bemessen und bringt eine reale Laufzeit von um die drei Stunden. Und dann heißt es erstmal warten: Ungefähr 5-6 Stunden benötigt eine volle Akkuladung. Durch die kleinen Display-Abmessungen bedingt, fällt auch die Tastatur winzig aus und das Layout ist gewöhnungsbedürftig. Mit etwas Übung trifft man die meisten Tasten auf Anhieb, doch große Finger fühlen sich hier einfach nicht wohl. Für den stationären Betrieb kann man eine externe Maus mit Tastatur anschließen, anstatt den heimischen PC zu bemühen, diese sind ohne lästiges Treibergehampel sofort erkannt und einsatzfähig.

Klare Nachteile

Eine Akkulaufzeit von nur vier Stunden bei einem so genügsamen Prozessor und derart kleinem Display ist unerklärlich. Bei der geringen Speicherkapazität von nur 2 GB kann man aufgrund der SDHC-Speichererweiterungsmöglichkeit noch ein Auge zudrücken, doch beim Ein-/Ausschalter hört der Spass auf. Dieser wurde exponiert genau am rechten ä-u-ß-e-r-e-n Displayscharnier positioniert, klappt man das Display auf, so verdeckt die Unterkante den Taster, ist es geschlossen, so kann jede noch so leichte Berührung das Gerät einschalten. Und als wäre das nicht schon tragisch genug, erkennt die Hardware das Schließen des Deckels nicht - versehentlich eingeschaltete Geräte sind nach 3 Stunden leergesaugt.

Erstes Fazit:

Wie nicht anders zu erwarten, erhält man, was man bereit ist auszugeben. Nach den ersten Tests merkt man schnell, dass sich das Jay-Book 9901 verhält wie ein aufgeblasener PDA. Zwar besteht eine optische Verwandschaft zu Windows, doch Softwaretitel für Win CE müssen extra programmiert werden, das heimische Thunderbird oder Outlook werden darauf nicht laufen. Die Auswahl an Zusatzsoftware ist über die Zeit gewachsen und bietet für jeden Geschmack etwas.

Wem würde ich das Jay-Book 9901 empfehlen? Kindern als Einstieg in die PC-Welt, anspruchslosen Nutzern, die nur Emails und kurze Texte verfassen, im Internet ein bisschen herumsurfen oder schnell ein paar Bilder auf einem größeren Bildschirm sehen wollen. Vor dem Kauf sollte auf jeden Fall klar sein: Die Ansprüche dürfen nicht über Officeaufgaben und einfaches, textlastiges Internet herauswachsen - dann findet man hier den idealen Partner.

Im zweiten Teil werden wir die Geschwindigkeit der Software und deren Tauglichkeit überprüfen und mit den Unkenrufen der Internetforen über das Jay-tech Jay-Book 9901 abgleichen.

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