19.02.14

Jalousier: Lass nur ein Stück Sonne rein

Smarte Jalousie-Steuerung. Alle Bilder: Jalousier

Das Crowdfunding-Projekt Jalousier will eine smarte Jalousien-Steuerung für das Fenster anbieten. Angeblich lassen sich damit Zeit, Geld und Energie sparen. Das darf bezweifelt werden, doch einen wichtigen Nutzen würde das Projekt tatsächlich erfüllen.

 

Der Winter fiel aus, der Sommer könnte heiß werden. Damit ist jetzt eigentlich ein guter Zeitpunkt, um die Vorhänge, Rollläden oder Jalousien zu überprüfen und sich schon einmal Gedanken zu machen, wie man im Sommer die Hitze von der Wohnung fern hält.

Ein Projekt bulgarischer Tüftler will dafür nun die passende smarte Jalousie-Steuerung erfunden haben. Die würde man einfach anstelle der meist lästigen Bindfäden oben an der Jalousie anbringen; von da an würde alles automatisch gesteuert. Jalousier will Helligkeit und Raumtemperatur messen und dann automatisch feststellen, wann es die Verdunklung einschaltet.

 

Wohnung auf Knopfdruck abgedunkelt

Das Prinzip klingt gar nicht schlecht: Statt alle naselang aufzustehen und bei wechselhaftem Wetter die Sonne reinzulassen oder fernzuhalten, würde Jalousier diese Aufgabe automatisch übernehmen. Nachts würden die Klemmen automatischen geschlossen, um die Bewohner vor neugierigen Blicken zu schützen. Mehrere Jalousier könnten von einem Smartphone aus bedient, die ganze Wohnung damit auf Knopfdruck erhellt oder abgedunkelt werden. Ein Video der Macher zeigt, wie das funktionieren soll:

www.youtube.com/watch

Die Kosten-Nutzen-Rechnung klingt im Falle von Jalousier etwas abenteuerlich: Rund 12 Minuten pro Tag würde man demnach damit zubringen, die Jalousie zu öffnen oder zu schließen, rechnet das Startup vor. Das wären sechs Stunden im Monat und ganze drei Tage im Jahr, die man dafür verschwenden würde. Jalousier solle das nach einmaliger Installation auf null reduzieren.

Schönrechnung

Diese Schönrechnung darf man ein wenig anzweifeln. Zum einen halte ich die Zahl der täglichen Jalousie-Minuten für etwas hoch gegriffen. Zum anderen sollte auch nicht vergessen werden, dass es ja keine Totzeiten sind, wenn man hin und wieder mal vom Schreibtisch aufsteht, sich ans Fenster stellt, die Gedanken schweifen lässt, sprich: Pause macht. Dass Jalousiers Zielmarkt, die USA, deswegen Milliarden Dollar im Jahr sparen würden, wenn sie nur Jalousier an jedes Fenster hängen, darf man gerne bezweifeln.

Und einen weiteren Kritikpunkt gibt es, der die Seriosität dieser Kampagne anzweifeln lässt: Trägt der Chefentwickler in dem Video ernsthaft eine Fellmütze? Eine solche Anspielung auf heimische Gewohnheiten kann witzig sein, wirkt in diesem Falle aber eher peinlich. Außerdem wirkt es so, als würden die Protagonisten im Video synchronisiert. Besonders viel Vertrauen schafft das nicht für ein Gadget, bei dem das Video der Marketingkampagne das wichtigste Element ist.

Davon abgesehen kann eine solche Jalousien-Steuerung in vielen Haushalten durchaus Sinn ergeben. Dass man nicht mehr an Bindfäden ziehen muss, wäre ein gewaltiger Fortschritt. Wen das Gerät interessiert und wer den Herstellern vertraut, der kann sich auf Indiegogo einen Jalousier für rund 80 Euro inklusive Versand innerhalb der EU vorbestellen. Geliefert werden sollen sie allerdings erst nach dem Sommer im Oktober.

Weitere Informationen zu Jalousier gibt es auf der Indiegogo-Kampagnenseite. Die Crowdfunding-Aktion läuft noch bis zum 12. März.

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