19.09.11

Jabra Sport im Test - wer Laufen will muss hören

Jabra Sport - (Bild: pd Jabra)

Das Jabra Sport soll, nomen est omen, auch dem härtesten Sportleralltag standhalten.

 

Für Aussenstehende ist es schwer nachzuvollziehen, wieso man sich beim Laufen, Fahrradfahren oder einer anderen sportlichen Aktivität bis an die Leistungsgrenzen quält. Am liebsten will man dem keuchenden Jogger die Hand auf die Schulter legen und fragen, vor wem er denn davonrenne. Wir Sportler dagegen kämpfen mit dem inneren Schweinehund und der Langeweile, die uns immer ins Ohr flüstert: «Komm hör auf, ist doch total langweilig weitere 20 Kilometer zu rennen». Wer Lust auf eine neue Stimme oder gar Gesang hat, könnte Gefallen finden am Bluetooth Headset Jabra Sport.

Auspacken

Noch schlimmer als Blisterverpackungen ist diese tonnenartige Einwicklung des Jabra Sport - zu schön, um einfach mit der Schere aufgeschnitten zu werden und zu widerborstig, als dass man die Verklebung ohne Gewaltanwendung trennen könnte. Nach längerem Kämpfen wird klar: Nur Spitzensportler können diese Verpackung unbeschadet öffnen. Der Inhalt überrascht wenig, ein gelb-schwarzes Headset, drei verschiedenartige Silikonabdeckungen für den Gehörgang, ein Ladegerät nebst Kurzanleitung und, sehr vorbildlich, oben drauf eine Handytasche für den Oberarm. Das Kabel am Ladegerät ist wie bei allen neueren Jabra-Ladern mal wieder ultrakurz geraten (ca. 30 cm), das erspart einerseits Kabelsalat, ist andererseits jedoch etwas unbequem, je nach Lage der Steckdose.

Anfassen

Das Design ist sicherlich Geschmackssache, die gelbe Farbe eignet sich jedenfalls nur bedingt für den seriösen Geschäftsalltag. Das ist bedauerlich, denn durch die schmale Bauform trägt sich das Jabra Sport sehr angenehm. Der linke Hörer weist ausser einem Mikrofon an der Seite keine weiteren Details auf, während am rechten neben dem Lautstärkeregler noch der Radio- und Play-Button, sowie der microUSB-Port zum Laden untergebracht sind. Jabra verspricht Spritzwasserfestigkeit nach Militärstandard – davon zeugen auch die gummierten Knöpfe. Daneben sollen die Mikrofone windgeschützt sein und das gesamte Headset auch heftigen Vibrationen standhalten.

Anlegen

Wenn man erstmal den Dreh raus hat, geht das Anlegen der Ohrhörer flink vonstatten. Die kleine Verzögerung nimmt man gerne in Kauf, denn einmal aufgesetzt, sitzen die Hörer verwacklungssicher am Ohr - eine passende Ohrform vorausgesetzt. Je nachdem welche Gummikissen man für die Ohrhörer auswählt, erhält man einen mehr oder minder guten Sitz und verstärkt damit auch den Basseindruck.

Das breite Verbindungskabel sitzt im Nacken und soll «nanobeschichtet» sein. Was auch immer das heisst und bewirken soll, es funktioniert nur bedingt: Sobald man beginnt zu schwitzen, bleibt das Kabel ab und an hängen und zieht ein wenig am Hörer. Glücklicherweise ist es lang genug, dass man ausser einem leichten Zug den Sitz nicht verändert - am besten klemmt man das Kabel unter den Klettverschluss der Schildmütze beim Laufen. Störender wirkt die Placierung der Knöpfe, bauartbedingt muss man den Hörer mit dem Daumen fixieren, um die Knöpfe zu bedienen. In solchen Fällen bietet eine Kabelfernbedienung deutlich mehr Komfort, gleichzeitig dient diese dann dem Smartphone als Antenne für den Radioempfang, was bei Bluetooth bedauerlicherweise wegfällt. Jabra hat vorgesorgt und fand im Headset noch ausreichend Platz für einen UKW-Empfänger, dessen Empfang ausreichend gut und stabil ist.

Ausgespielt

Man wird beim Sport, während man über Stock und Stein stolpert, nur bedingt auf die feinen Nuancen der Musik achten. Was aber, wenn das Headset auch zu Hause in der guten Stube zum Einsatz kommen soll? Das Jabra Sport überzeugt in beiden Umgebungen: es schirmt Umgebungsgeräusche effektiv ab und klingt sehr gut. Die Bässe sind erstaunlich klar und kräftig, teilweise wummert sogar der Gehörgang mit, ohne aber zu verzerren, ganz hohe Töne kommen nicht so recht zur Geltung. Das Jabra Sport klingt also zwar wohlgefällig, lässt aber im Vergleich zum Plantronics Backbeat 903+ ein wenig Klarheit vermissen.

Das könnte der wasserdichten Bauweise geschuldet sein. Nach einem anstrengenden Workout spüle ich das Headset einfach unter dem laufenden Wasserhahn ab, ohne mir Sorgen machen zu müssen – das muss die Konkurrenz erstmal nachmachen. Gut möglich, dass diese Bauweise etwas zu Lasten der Klangqualität geht. (Für einen direkten Vergleich werden wir in den nächsten Wochen einen grossen Bluetooth-Headset-Vergleich starten.)Eine Macke, die mir im Test aufgefallen ist, scheint allen BT-Kopfhörern gemein zu sein: Die hohe Grundlautstärke. In der geringsten Einstellung halte ich es für zu laut, wenn man das Jabra Sport dann voll aufdreht, ist es so laut, dass ich die Musik auch noch höre, wenn ich das Headset einfach um den Hals hängen habe.

Angesagt

Mit dem Jabra Sport kann man aber nicht nur Musik hören, sondern auch telefonieren. Leider ist Klangqualität hier eher unterdurchschnittlich, Gesprächspartner bemängeln, mang klinge, als sitze man in einer Flasche. Das Mikrofon ist eher wenig empfindlich eingestellt, das Frequenzband auf den Bereich gesprochener Sprache abgestimmt. Damit werden Umgebungsgeräusche von vornherein weitestgehend ausgeblendet; den angepriesenen Schutz gegen Wind konnte ich allerdings nicht feststellen. Verglichen mit einem herkömmlichen Headset ohne speziellen Schutz, war der Störeinfluss deutlich hörbarer (Jabra EasyGo).

Endomondo ist eine kostenlose Trainingssoftware für unterschiedlichste Smartphones, die nicht nur das Training, sondern mit kompatiblen Geräten auch den Puls und die abgespielte Musik aufzeichnet. Mit dem Jabra Sport kann man sich die aktuellen Trainingsdaten vorlesen lassen. Entweder auf Knopfdruck oder nach eingestellten Intervallen (Zeit oder Strecke) erhält man seinen Statusbericht akustisch mitgeteilt. So weiss man, wie lange man bereits unterwegs ist und wie die aktuelle Zwischenzeit war. Das ist ein tolles Feature.

Fazit: Das Jabra Sport ist ideal für Sportler, denn nach dem Workout kann man es getrost auch mal vorsichtig unter dem Wasserhahn abspülen - vorsichtig! Es klingt gut und verschafft jeder Musik kräftige Bässe, dabei trägt es sich bequem. Die Akkulaufzeit von vier Stunden ist etwas kurz geraten, dafür ist es schön schlank. Im Moment mein Favorit beim Joggen und Fahrradfahren.

Das Jabra Sport kostet bei Amazon zur Zeit um die EUR 66.

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