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30.06.07

iPhone-Launch live: Schlange stehen in San Francisco

iphone (1 of 9)

Neben den obligaten Berichten rund um das iPhone an sich werden wir bei neuerdings.com die heutige Nacht damit verbringen, euch live aus zwei amerikanischen Städten vom Warten auf das neue ?Wundertelefon? berichten. In San Francisco kümmert sich Peter Sennhauser um die Impressionen.


Zum Leseverständnis: Die jeweiligen Posts für die zwei Städte werden in regelmäßigen Abständen erweitert, die aktuellsten Eindrücke stehen im Sinne der Chronologie unten. (Bilder: 50% Treo 650, 50% Nikon D200)

13:30 Ortszeit

 

Am Geary Boulevard in San Francisco (da, wo nachts noch niemand stand) stehen oder vielmehr sitzen bereits rund 25 Leute. Der Erste in der Schlange ist hier seit 11 Uhr früh.

Ghazi hinter mir (31) war Downtown, und ist vor der Schlange von rund 250 Leute geflüchtet. Er trägt Shorts und T-Shirt, weil er irgendwo in der Hitze des kalifornischen Hinterlands bei einem Feld-, Wald- und Wiesenstore anstehen wollte. Aber dann fand er heraus, dass die gar keine iPhones haben. Jetzt sitzt er hinter mir auf dem Mäuerchen und fürchtet sich vor dem Nebel, der unweigerlich gegen 16 Uhr hereinrollen und die Temperaturen um zehn Grad senken wird.

Jemand in der Menge will wissen, dass dieser Shop 60 Geräte verfügbar haben wird. Aber das Management sagt selbstredend auch hier kein Wort.

 

Ghazi ist nicht San Francisco-konform gekleidet...

15:00

Wir haben aufregende neue News erhalten: Der Storemanager des Shops hat versprochen, uns zu informieren, wenn die Schlange eindeutig länger wird als die Zahl der iPhones, die er hat. Und ein Leidensgenosse hinter mir hat grade erfahren, dass ein ähnlicher Shop in einem Kaff in North Carolina 35 iPhones hatte, also, schätzt er, müsse "unser" Laden hier in San Francisco mindestens 60 Geräte haben. Das beruhigt mich. Ich bin Nr. 18 in der Schlange.

 

 

Juan ein paar Plätze vor mir ist der einzige, der kein iPhone für sich selber kaufen will. Er hat am Dienstag auf Craigslist eine Anzeige aufgegeben. Gestern dann hat ihn ein "Kunde" angerufen und eingewilligt, ihm 180 Dollar zu bezahlen, wenn er für ihn in der Schlange stehe. Die ganze Schlange macht Witze, dass Juan das Phone wahrscheinlich kurz nach sechs dem Meistbietenden hinten in der Schlange verkaufen werde.

15:45

Die ersten Leute in der Schlange wissen, dass sie ein iPhone haben: Gene arbeitet für eine internationale Werbeagentur und muss wie ich "aus beruflichen Gründen" eins haben. Er hat einen Kollegen in New York mit dem Kauf beauftragt. Jetzt hängt er am Draht und koordiniert die iPhone-Käufe an der Westküste. Oder so.

 

Noch hat uns der Nebel nicht eingehüllt, aber die steife Brise vom Pazifik in meinem Quartier lässt uns doch alle frösteln. Downtown wärs wärmer.

Dafür haben wir hier einen Roundtable-Pizzashop nebenan. Die Jungs lassen uns (rund 50 Wartende inzwischen) die Toilette benutzen. Und sie verkaufen uns Pizze...

 

Ich habe meinen Klappstuhl den Leuten abgegeben, die hinter uns stehen müssen - wir hier vorne haben das Glück, auf dem Raucherbänkchen des koreanischen Nightclubs Platz nehmen zu dürfen. Und weil dies hier San Francisco ist, freuen diejenigen unter uns, die ihr Notebook dabeihaben, sich über mindestens drei ungeschützte WiFi-Netzwerke in Reichweite.

17:00

Die Party hier wird entspannter. Die Angestellten haben den Shop geschlossen, zugleich aber Flaschen mit Wasser an die Wartenden verteilt. Der Manager hat ausserden verkündet, dass der Shop 40 Stück der Version mit 8 GB und 20 mit 4GB hat - und jetzt beginnen die Jungs auf den hinteren Plätzen panisch ihre Position in der Schlange abzuzählen.

Jim steht ganz zuvorderst in der Schlange. Er hat um 11 Uhr seinen Platz bezogen und sagt, er sei ganz geschockt gewesen, dass er der Erste war. "Zuerst dachte ich, der Shop sei geschlossen". Die Wartezeit reut ihn nicht. "Mein Telefon ist eh kaputt und ich brauchte ein neues. Ausserdem macht es kaum einen Unterschied, ob ich hier in der Sonne sitze und all das Zeug lese, was ich heute lesen musste, oder daheim." Er ist Investmentbanker.

Auf den beiden Stühlen hinter ihm sitzen zwei Mexikaner, die nicht wie iPhone-Käufer aussehen. Und während ich mich wundere, löst sich das Rätsel: Ein junges Paar kehrt vom Mittagessen zurück. Er drückt den beiden Mexikanern etwas in die Hand, und die trollen sich, sichtbar erleichtert, aus dieser Bande von Wahnsinnigen zu entkommen.

Zwei junge Mädchen verteilen Visitenkarten für Webseiten, ein Typ sammelt Unterschriften für eine Petition, die mehr Parkplätze in San Francisco verlangt. Nicht wirklich, was die Leute hier interessiert.

Seit die Angestellten die ersten Geräte ins Schaufenster gestellt haben, spazieren die Leute alle immer wieder die inzwischen 80 Personen lange Schlange ab und gucken in den Laden.

Irgendeiner hat mit rausgefunden, dass bereits die ersten iPhones auf Ebay aufgetaucht sein sollen. Für 1200 Dollar.

Das ist es, was die Leute um mich herum glücklich macht.

 

 



17:55

Die Klappstühle sind zusammengepackt. Nur einer tippt noch den letzten Blogeintrag. Ich habe News für die andern: Dass Andreas Goeldi in Boston an 20. Stelle doch erst nach einer Stunde und dreissig Minuten im Laden war, schockt meine Nachbarn doch erheblich.

Hinten in der Schlange gibts grade eine Prügelei. Jetzt sollte sich niemand mehr in die Schlange einschleichen wollen...

 

 



18:01

Die ersten zehn Leute sind grade rein. Juan, der für einen zahlungswilligen Kunden angestanden war, ist von einem Motorradfahrer abgelöst worden, der ihm am Ort 180 Dollar auf die Hand gezählt hat. Jetzt bin ich gespannt, wie lange es wirklich dauert, bis wir rein kommen.

 

 

Juan hat seine Pflicht getan, Juan kann gehen: 180 Dollar für 5 Stunden Wartezeit.


18:16

 

Jim und Mike, die beiden Ersten der Schlange, haben ihr iPhone. Mike tut uns den Gefallen und reisst den verschweissten Plastiksack gleich auf dem Sidewalk auf, er zeigt uns aber nur die Box.

 

 

18.55

 

 

Ich war drin und hab das Verkaufsgespräch abgekürzt mit dem Hinweis, dass ich die 60 Seiten PDF gelesen hätte, mit denen die AT&T-Angestellten geschult wurden und die gestern im Internet aufgetaucht waren - und nach zehn Minuten und 649 Dollars war ich draussen, fünf Minuten später daheim (zwei Strassenblocks vom Shop).

Ich hatte ein mulmiges Gefühl, als ich an der wartenden Masse vorbeimarschierte mit dem verschweissten Plastiksack: Die Leute am Ende wussten, dass es für sie keine Geräte mehr haben werde. Aber ich konnte es nicht lassen, meinen palm zu zücken und zu sagen: "Treo for sale!" - die meisten haben sogar gelacht.

 

Und jetzt wird ausgepackt. Absolut cool - das iPhone schaltet sich beim Auspacken ein - die Sensoren tun ihre Arbeit...

Dass meins "3.49 AM anzeigt", lässt schon fast drauf schliessen, dass es in England hergestellt wurde... oder dass GMT programmiert ist - im Hinblick auf den Launch des 3-G iPhones in Europa?

Mehr als Notrufe sind derzeit nicht möglich. Die ersten Fingerabdrücke hats auch schon. Ich geh mal Hände waschen, und dann geh ich was essen.

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