01.07.07

iPhone im Test: Telefon und Voicemail

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Ach, fast hätten wir's vergessen: Das iPhone ist natürlich auch ein Telefon. Und zwar eins, das mit ein paar sehr innovativen neuen Ansätzen aufwartet.

Immer wieder bin ich beim Testen neuer Mobiltelefone (und besonders Smartphones) verblüfft, wie kompliziert und umständlich man einen eigentlich einfachen Vorgang wie Telefonieren doch machen kann. Da muss man sich oft durch mehrere Menüstufen quälen, nur um eine einfache Telefonnummer zu finden. Und von Voicemail wollen wir gar nicht erst reden, das ist sowieso eine Geissel der Menschheit...

Auch hier will Apple gern Linderung verschaffen. Die eigentlichen Telefonfunktionen des iPhone sind nicht revolutionär, aber sehr geradlinig umgesetzt und komfortabel zu bedienen. Aber bei der Voicemail geht Apple wirklich ganz neue Wege. Für intensive Voicemail-User ist das iPhone möglicherweise das perfekte Gerät schlechthin.

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Wählen soll der User, so stellt sich das Steve Jobs vor, primär aus seiner Kontaktdatenbank. Da das iPhone keine Tastatur hat, wählt man sich die anzurufende Person per Scrolling aus der Liste der Kontakte aus, tippt dann den Namen an und wählt die gewünschte Nummer (Büro, Mobil etc.) aus. Etwas umständlich könnte das nur für Leute werden, die sehr grosse Kontaktlisten haben, aber bei meinen paar hundert Kontakten geht das sehr effizient.

Freundlicherweise hat Apple trotzdem auch noch eine numerische Bildschirmtastatur eingebaut. Neu eingegebene Nummern kann man auch sofort zu einem Kontakt hinzufügen oder einen neuen Kontakteintrag anlegen.

 

Eingehende Anrufe nimmt man mit einem Fingerschnippen entgegen. Der gleiche "Slider", den man auch zum Entsperren des Telefons benutzt (siehe " Die Benutzeroberfläche "), kommt auch hier zum Einsatz.

Die Sprachqualität ist gut, wenn auch nicht deutlich anders als bei anderen Geräten dieser Klasse. Bluetooth-Headsets funktionieren auch problemlos, und mit den modifizierten iPod-Kopfhörern wird ja auch bereits eine drahtgebundene Freisprecheinrichtung mitgeliefert. Allerdings verwendet das iPhone einen 3.5-mm-Stecker und nicht die sonst eher üblichen 2.5-mm-Stecker, so dass andere Headsets sich nicht anschliessen lassen.

An Klingeltönen stehen bisher nur die eingebauten des iPhone zur Verfügung. Man kann auch keine MP3s zum Klingelton machen oder neue herunterladen. Es ist aber anzunehmen, dass sich das mal irgendwann ändern wird.

So weit, so gut und unspektakulär.

Richtig dreht Apple aber bei der Voicemail auf. Und es ist auch höchste Zeit, dass da jemand Innovationen bringt. Ich persönlich kann Voicemail nicht ausstehen. Zunächst mal muss man mühsam die Nummer des Voicemailsystems anrufen, und das zu oft beträchtlichen Kosten. Dann hinterlassen einem die meisten Anrufer typischerweise viel zu lange Messages, an deren Ende fast alle Leute in unglaublichem und absolut nicht mitschreibefähigem Tempo ihre Nummer runterhaspeln. Wenn man die nochmal hören will, muss man sich die ganze Message von vorne antun. Zwischendrin kommt dann wieder die freundliche Stimme des Voicemail-Systems und liest einem ein Dutzend Menüoptionen vor, die man alle nicht braucht. Aber der Telefonkonzern verdient ja schliesslich an jeder Minute, da muss man doch Zeit schinden. Mit anderen Worten: Konventionelle Voicemail ist eine Strafe.

Das iPhone hingegen verwendet sogenannte "Visual Voicemail", die Sprachnachrichten ähnlich handhabbar macht wie e-Mail. Man muss nicht mit einem Telefondienst interagieren, sondern behandelt die Voicemails auf dem Gerät direkt. Das iPhone lädt nämlich im Hintergrund die Soundfiles mit neuen Voicemails vom Netz runter und speichert sie lokal ab. Visual Voicemail ähnelt also einem dieser Dienste, die einem Voicemails per e-Mail zustellen, ist aber sehr viel komfortabler zu bedienen.

Der Komfort fängt schon bei der Konfiguration an. Seine Grussbotschaft nimmt man auf dem iPhone lokal auf. Sobald man damit zufrieden ist, wird die Botschaft per Datenverbindung an den zentralen Voicemail-Server geschickt.

Wenn man eine neue Sprachnachricht kriegt, kann man die sofort per Slider anhören und muss sich nicht erst durch Menüs quälen.

Richtig gut wird es, wenn sich die Nachrichten häufen. In der Inbox sieht man auf einen Blick, wer einem alles Nachrichten hinterlassen hat, und man kann sie sich in beliebiger Reihenfolge ohne jegliche Wartezeit anhören. Weil die Files lokal auf dem Gerät laufen, kann man auch beliebig in den Nachrichten rumspringen, Teile wiederholen oder die ganze Nachricht sofort löschen. Ein unglaublicher Komfortgewinn.

Einziger Nachteil: Die Voicemails brauchen einen Moment, bis sie auf dem Gerät landen. Im Test kamen die meisten Nachrichten erst etwa ein bis zwei Minuten an, nachdem der Anrufer aufgelegt hatte. Aber das ist ein kleiner Preis für die Befreiung aus der Voicemail-Hölle.

Insgesamt ist das iPhone ein solides, komfortables Telefon ohne grosse Schnörkel. Visual Voicemail aber ist eine hervorragende Innovation, die für Voicemail-Junkies schon allein die Anschaffung eines iPhone rechtfertigen könnte.

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