01.07.07

iPhone im Test: Konnektivität und Routenplanung

iphone 3

Es bringt keinen Mobilfunkstandard der dritten Generation, aber das iPhone ist gemacht zum Surfen im Internet - nicht via EDGE, sondern via Wlan/WiFi - und in diesen Funknetzen ist es zu Haus. Dafür ist Edge sehr wacklig und Bluetooth kaum zu gebrauchen. Googlemaps sind schmuck und hilfreich für Stätdetouristen. Als Routenplaner im Auto taugen sie kaum.

iphone 3

Genau so stelle ich mir das vor: Auspacken, einschalten, Aktivieren (ähhhh...) - und lostelefonieren, surfen, mailen, simsen etc.

Abgesehen von der Blösse, die sich AT&T wie schon fast erwartet gegeben und (ähhhh...) hat, war die Erfahrung wie erhofft. Als ich morgens aufstand, fand ich ein betriebsbereites iPhone mit Telefonnummer vor.

In diesem Testbericht geht es um die Konnektivität des Geräts, und es versteht sich, dass die USB-Anbindung auch an Windows XP reibungslos funktionierte. In iTunes tauchte das iPhone sofort auf, und auch im Explorer meldet es sich an - allerdings nur als Kamera und nicht als Massenspeicher, wie ich gehofft hatte.

WLAN: Einklinken und vergessen

Die Anbindung ans Wlan erledigte sich ebenfalls in fünf Sekunden: Das Telefon zeigt unaufgefordert eine Liste der verfügbaren Netze an. Ein Fingertipp auf mein eigenes fragt - nach dem Passwort. Keine Angaben über die Verschlüsselungstechnik, WPA-PSK TKIP oder WEP oder wie sie alle heissen und was einem viele andere Geräte auch noch abfragen - das iPhone merkt offenbar selber, woran es ist.

Sekunden später bin ich "drin", und die Post geht ab. Der Browser und die Googlemaps machen ebenso Spass wie die spezielle YouTube-Anwendung, bevor deren Server sich verabschiedet - wahrscheinlich probieren grad alle iPhönler das Zeug aus.

Die Synchronisation der Email-Konti aus Outlook Express (ich habe Outlook immer gehasst) hat alle meine 9 Mailaccounts, davon 6 Imap, sauber aufs Telefon überführt. Bis auf das jeweilige Passwort, das ich vor der ersten Mailabfrage eingeben muss.

Im Windows-Netzwerk ist das iPhone nicht zu finden, der Router hingegen sieht es natürlich als Inhaber einer der vier IP-Adressen. Er meldet (null) und die Mac-Adresse. Bis zu den ersten Hacks wirds also nichts mit iPhone-Netzwerken - Wifi dient ausschliesslich für den Internetzugang.

Weil sämtliche der 13 Funknetze, die ich in meiner Wohnung empfangen kann (dies hier ist San Francisco) verschlüsselt sind, fahre ich quer durch den Park zu einem Starbucks. Erst im Januar habe ich von At&T zu T-Mobile gewechselt, weil die mir eine Daten-Flatrate (GPRS) inklusive freier Nutzung aller ihrer Hotspots mit WiFi im ganzen Land für rund 60 Dollar boten.

Fazit am Zielort: Das Iphone findet 18 Netze, davon 5 unverschlüsselt, zuoberst T-Mobile im Starbucks, in dem ich grade einen Cappuccino bestelle - Verbindung wird mit einem Fingertippen erstellt. Danach gebe ich meine T-Mobile ID-Und Passwort im Browser ein und staune über das Safari-Feature, alle Formularelemente zu vergrössern, sofort das Keyboard zu öffnen und nach jeder eingabe einen "weiter"-Knopf anzuzeigen, der mich ins nächste Eingabefeld bringt. Der Browser auf meinem Treo ist nicht so schlecht, er beherrscht auch Darstellungsmodi, mit denen auf dem kleinen Bildschirm bequem komplexe Seiten angeschaut werden können - aber an den Eingabefeldern bin ich häufig verzweifelt. Mobiltelefone, dachte ich, eignen sich nicht für Telebanking. Naja, das ist wahrscheinlich auch aus andern Gründen so...

Übrigens hatte das iPhone eine weit bessere Reichweite als beispielsweise mein Sony-Vaio Subnotebook. Auch draussen, 20 Meter die Strasse hoch, blieb es auf dem Starbucks-Hotspot. Dann meldete es den Verbindungsabbruch durch die Anzeige einer Liste der nächsten erreichbaren Hotspots aus den umliegenden Gebäuden. Eine Rückkehr ins Starbucks stellte die Verbindung dort wieder her. Ohne dass mir das mitgeteilt wurde. (Einmal akzeptierte Netze werden automatisch benutzt). Weitersurfen war aber nicht, weil ich mich mit einer neuen Session anmelden musste.

Wieder daheim hingegen klinkte sich das Telefon ohne weitere Meldung sofort auf meinem (Passwortgeschätzten) Netz ein. So muss das laufen.

EDGE: Wacklig und langsam

 

Die Datenanbindung via EDGE und AT&T hingegen ist nicht nur saulahm, sie bricht in meinen vier Wänden auch immer wieder ab. Surfspass kommt damit nicht auf, aber um die Post zu holen, mags ausreichen.

Übrigens wollte ich wissen, ob der spezielle Daten-Plan für das iPhone irgendwie mit dem Telefon gekoppelt ist (Erkennung IMEI oder sonstwas). Also hab ich die SIM-Karte aus dem iPhone in meinen Treo und dessen T-Mobile-Karte ins iPhone gesteckt (was wie erwartet nicht funktionierte). Die AT&T Karte funktionierte im Treo mit allen Schikanen. Also weiss ich jetzt, dass ich im Fall der Fälle das iPhone ohne Vertrag verkaufen kann...

EDGE springt immer dann ein, wenn das iPhone keinen Wifi-Kontakt hat - und wenn EDGE vorhanden ist. Was leider nicht ganz immer der Fall ist: Mitten im Grünen des Golden Gate Park ging nichts mehr.

Googlemaps: Guter Stadtplan, schlechter Routenplaner

Dort hatte ich versucht, die Route nach Hause auf den Googlemaps neu zu programmieren. Dabei zeigt sich, dass die Karten nur teilweise im Cache bleiben - ich hatte sie schon auf der Hinfahrt als "Routing"-Software verwendet - und dass beim Abfahren eines Routenplans ständig Ausschnitte nachgeladen werden. Das geht erstens sehr langsam, und zweitens gar nicht, wenn kein Edge vorhanden ist.

Die Karten sind auf dem feinpixeligen Bildschirm ein wahrer Augenschmaus, und die Funktionalität ist die gleiche wie direkt im Web - Restaurants in der Umgebung finden etc ist ein Kinderspiel, ein Anruf braucht nur einen Fingertipp.

 

 

Der Routenplan mit Fahranweisungen ist ebenfalls brauchbar. Allerdings mit massiven Einschränkungen: Erstens muss wie gesagt die Karte unterwegs nachgeladen werden, zweitens ist sie logischerweise immer nach Norden ausgerichtet, was grade in diesen Schachbrettstädten schnell verwirrend wird. Und wenn man sich mal verfahren hat, hilft nur die Suche nach der nächsten Strassennamentafel und eine sorgfältige Neuorientierung.

Vor allem aber braucht man, um den Routenplan im Auto zu benutzen, auf jeden Fall einen Beifahrer. Nach Strassennamen Ausschau halten, immer wieder auf die Karte (aber auch die Liste) gucken und den winzigen "Weiter" Knopf antippen nach einer Abzweigung bedeutet einen Autounfall, der nur darauf wartet zu passieren.

Die Perfektion und Bequemlichkeit eines GPS mit Bluetooth und TOMTOM auf meinem Palm (einer Software im Übrigen, welche der iPhone-Benutzerführung am nächsten kommt), die bei jedem "Fahrfehler" sofort die Route korrigiert und gesprochene Anweisungen ausgibt, wird nicht Ansatzweise erreicht.

Bluetooth: Stumpfer Zahn

Enttäuschend ist die Bluetooth-Funktionalität -sie ist nämlich, so man kein Apple-Zubehör wie das Headset hat (nur Mono), nicht vorhanden. Ich habe zwar meinen Treo mit dem iPhone verknüpft, aber das bewirkte gar nichts: der Versand einer Adresse im VCF-Standardformat konnte nicht durchgeführt werden. Ich schätze diese Funktion, wenn ich hier an irgendwelchen Anlässen bin und mir die Adressen der Leute gelegentlich via Infrarot oder Bluetooth einfach rüberbeamen lassen kann.

 

Dass das nicht geht, hat mich erstaunt. Und ein Experiment mit dem Versand einer VCF-Adresse im E-Mail-Anhang brachte zutage: iPhone zeigt eine VCF-Datei als Symbol an und tut - gar nichts.

Also startete ich einen Versuch mit einem Foto, einem Word-Dokument und einem PDF im Mailanhang. Resultat: Alle drei werden angezeigt, aber etwas anderes lässt sich nicht bewerkstelligen. Nicht einmal das Foto lässt sich in die Bildverwaltung verschieben.

Fazit:

Die Verbindungsfähigkeit des iPhone ist trotz fehlendem 3G nicht so schlecht, Wifi ist herausragend, EDGE ist brauchbar und Bluetooth, nun, das wird hoffentlich irgendwann korrigiert. Angesichts der unverrückbaren Mailanhänge ist es auch nicht verwunderlich, dass sich das iPhone am PC nicht via USB als Massenspeicher anmeldet - mit den gespeicherten Daten liesse sich eh nichts anfangen. Und dass es sich nicht am Windows-Netzwerk anmeldet, ist da geradezu selbstverständlich. Ein Synchvorgang via Netzwerk oder gar Internet steht wohl auch ausser Diskussion.

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