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30.06.07

iPhone im Test: E-Mail und Organizer-Funktionen

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Fast alle halbwegs anständigen Mobiltelefone bieten heutzutage E-Mail, eine Kalenderfunktion und ein Kontaktverzeichnis, das sich mehr oder weniger gut auch mit dem PC synchronisieren lässt. Da will das iPhone natürlich nicht zurückstehen, zumal es im Preisbereich der besten Smartphones angesiedelt ist. In diesem Teil nehmen wir die eher businessbezogenen Funktionalitäten unter die Lupe.

Eins hat Apple von anfang an deutlich gesagt: Das iPhone will nicht dem Blackberry den Titel des erfolgreichsten Business-Mobiltelefons streitig machen. Dafür ist das Featureset auch falsch priorisiert. Und doch will Apple denjenigen, die das iPhone zumindest teilweise auch im beruflichen Alltag nutzen, etwas bieten.

E-Mail

Beim Synchronisieren mit einem Mac übernimmt das iPhone gleich die Kontoeinstellung vom Mac-Mailprogramm, auf Windows diejenigen aus Outlook. Das ist durchaus praktisch. Später lassen sich noch manuell weitere Konten hinzufügen. Das iPhone kann problemlos mehrere Mailkonten gleichzeitig handhaben.

 

 

Im Moment stehen lediglich POP3 und IMAP als Protokolle zur Verfügung. Für einige beliebtesten Maildienste, beispielsweise Yahoo Mail oder Gmail, sind bereits die Standardeinstellungen vorkonfiguriert. Gerüchte besagen, dass Apple bald auch Microsoft Exchange-Server unterstützen will, aber im Moment müssen Exchange-User noch auf IMAP zurückgreifen. Das in Geschäftskreisen beliebte Blackberry-Protokoll wird bisher ebenfalls nicht unterstützt. Überhaupt bietet das iPhone keine Form von Push-Mail, sondern kann lediglich in regelmässigen Zeitabständen die neuen Nachrichten vom Mailserver holen. Das ist verglichen mit dem aktuellen Smartphone-Standard ziemlich bescheiden.

Auch Gmail-User, die sich an den Komfort der von Google ausgelieferten Java-Applikation für Mobiltelefone gewöhnt haben, müssen sich umgewöhnen. Da das iPhone derzeit kein Java unterstützt, läuft auch diese Applikation nicht. Darum kann man auf Gmail nur per POP oder per Browser zugreifen. Ein unschöner Kompromiss.

Mail im HTML-Format wird in voller Pracht dargestellt, was eine schöne Abwechslung zu den üblichen sehr limitierten Smartphone-Mailreadern ist. Attachments im Word-, Excel- oder PDF-Format lassen sich herunterladen und anschauen, aber nicht bearbeiten. Die Word- und Excel-Anzeigen sind knapp genügend, haben aber mit einigen Bildformaten und komplexen Formatierungen Probleme. Der PDF-Viewer ist hingegen praktisch perfekt, und das ist bei der tiefen Einbindung von PDF in Mac OS X auch keine grosse Überraschung.

 

Immerhin lässt sich die Mailapplikation aber so einfach bedienen wie der Rest des Geräts. Wie schon in vorhergehenden Teilen beschrieben, macht die Bildschirmtastatur das Verfassen von längeren Meldungen aber zum Geduldsspiel, zumindest für den ungeübten Benutzer.

Ob man mit diesem recht limitierten Featureset im Geschäftsalltag leben kann, muss sich jeder potentielle iPhone-User selbst überlegen. Eins ist jedenfalls klar: Ein Messaging-Wunder ist das iPhone nicht, von echter Konkurrenz zu Blackberry & Co. keine Spur. Es bietet aber immerhin soliden, problemlosen Mailzugang.

SMS und anderes Messaging

Das iPhone bietet auch eine SMS-Applikation, die die Kommunikation mit einer anderen Person sauber gebündelt und übersichtlich im Chat-Format darstellt. Das ist schön und praktisch.

MMS gibt es hingegen nicht. Angesichts der bescheidenen Nutzungsquote dieses Standards werden darüber vermutlich nicht viele Käufer sehr traurig sein, aber etwas verwunderlich ist es für ein modernes Telefon doch. Ebenso seltsam: Instant Messaging gibt es in keiner Form auf dem iPhone, nicht mal das hauseigene iChat ist eingebaut.

Kalender

Der eingebaute Kalender ist leicht zu bedienen und recht übersichtlich. Die Termine werden wahlweise in einer Liste, in einer Tages- oder einer Monatsansicht dargestellt. Eine Wochenansicht gibt es hingegen nicht, aber dank der Liste, durch die man sehr schnell scrollen kann, ist das zu verschmerzen. Die einzelnen Termine sind recht simpel strukturiert und können beispielsweise nicht mit Kontakten verknüpft werden.

Auf dem Mac synchronisiert der Kalender sich automatisch mit iCal oder Entourage, auf Windows mit Outlook 2003 und höher, andere Terminverwaltungen werden nicht unterstützt. Wer beispielsweise wie Blogwerk-Mitarbeiter Peter Sennhauser den Palm Desktop benutzt, hat Pech gehabt. Um langwieriges Gebastel mit Drittanwendungen kommt man dann nicht herum.

Bei komplizierte Terminkonstruktionen, beispielsweise sich unregelmässig wiederholenden Gruppenterminen, gilt wie immer bei Kalendersynchronisation Vorsicht. Die volle Komplexität von Outlook-Terminen kann das iPhone genau so wenig abbilden wie andere Smartphones. Wer zudem auf iCal mehrere parallele Kalender unterhält, wird die alle auf dem iPhone vermischt finden. Man muss sich auch zuerst entscheiden, in welchen Kalender die auf dem iPhone neu erfassten Termine reinkommen, eine Auswahl auf dem Gerät ist nicht möglich.

Eine Synchronisation ist nur über das USB-Kabel möglich, nicht per Bluetooth oder gar über das Funknetz. Auch das ist gegenüber vergleichbar teuren Konkurrenzprodukten ein deutlicher Nachteil.

Kontaktverzeichnis

Das iPhone kann auch die Kontaktliste mit den bereits oben erwähnten Programmen synchronisieren. Zusätzlich ist auch noch ein Abgleich mit dem Adressbuch auf Yahoo möglich.

 

Die einzelnen Einträge können diverse Telefonnummern, Adressen und e-Mailadressen enthalten. Leider ist bei der Synchronisation aber ein Mapping von exotischeren Feldern nicht möglich. Auch hier wird einfach der Apple-Standard verwandt. Peter Sennhauser hat immerhin den Abgleich der Adressen aus dem Palm-Desktop via vorgängiger Synchronisation mit dem rudimentären Windows-Adressbuch (Outlook-Express) hingekriegt.

Notizen

Schliesslich steht auch noch eine Notizenfunktion zur Verfügung, die das Erfassen kurzer Texte und das Verschicken derselben per E-Mail erlaubt. Leider werden diese Notizen nicht auf den PC oder Mac synchronisiert und sind damit nur eingeschränkt nützlich.

To-Do-Listen

Merkwürdigerweise bietet das iPhone keine To-Do-Listen an, ein Feature, das sonst selbst bei recht billigen Telefonen vorhanden ist. Die in iCal, Entourage oder Outlook erfassten To-Dos werden ignoriert und nicht synchronisiert. Ich persönlich kenne allerdings auch niemanden, der seine Pendenzen auf einem Mobiltelefon verwaltet, und so ähnlich hat wohl auch Apple gedacht. Trotzdem, eine eigenartige Lücke in der Funktionalität.

Die Organizerfunktionen sind eindeutig derjenige Bereich des iPhones, wo das Produkt am unfertigsten wirkt. Apples Streben nach Einfachheit in Ehren, aber etwas mehr Power hätte man sich für das E-Mail-Programm und den Kalender schon gewünscht. Nur die Kontaktliste kann einigermassen überzeugen, wenn auch mit den Einschränkungen der sehr optionsarmen Synchronisation. Der Synchronisationsvorgang dauert auch jedesmal mehrere Minuten, selbst wenn sich so gut wie nichts geändert hat. Da ist ganz klar noch Optimierungsarbeit vonnöten.

Eins ist klar: Das iPhone ist nicht als Businessgerät konzipiert. Man wird sicher nicht demnächst Anwälte und Investmentbanker sehen, die ihren Blackberry gegen das neue Apple-Wunder eingetauscht haben -- ausser natürlich zum Privatgebrauch.

In einem weiteren Teil unseres Tests werden wir auf die Telefonfunktionen zurückkommen, denn die sind sehr bemerkenswert.

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