11.07.08

iPhone App Store im Test (II/II): Die besten neuen Anwendungen für das iPhone

Supermonkey

Er ist gerade erst gestartet, der App Store für das iPhone. Derzeit stehen gut 500 Anwendungen für Apples Mobiltelefonplattform zur Verfügung. Wir haben über Nacht Dutzende von Applikationen getestet und sagen, welche die Besten sind.

Hinweis: Hier geht es zum ersten Teil unseres App-Store-Tests.

Schon jetzt ist es nicht gerade einfach, den Überblick über die Vielfalt der neuen iPhone-Programme zu wahren. Der App Store macht es einem auch nicht besonders leicht, denn für jedes Programm wird nur ein Icon, der Name, die Kategorie und der Preis angezeigt. Und da einige Entwickler offensichtlich nicht gerade begnadete Namensgeber sind, muss man oft raten, was sich hinter einem exotischen Namen verbirgt. Viel Arbeit wartet da auf iPhone-Fanatiker.

Wir haben uns über Nacht schon mal durch gut drei Dutzend Applikationen durchgewühlt und wollen nachfolgend die besten Angebote vorstellen:

SupermonkeySuper Monkey Ball: Zugegebenermassen ist das keine originelle Empfehlung, da dieses Spiel jetzt schon die Verkaufshitparade auf dem App Store anführt. Das aber auch zu Recht: Segas Geschicklichkeitsspiel zeigt auf beeindruckende Weise, was mit dem iPhone als Game-Plattform möglich sein wird.

Der Spieler muss einen aus nicht näher genannten Gründen in einer rollenden Glaskugel eingeschlossenen Affen durch diverse dreidimensionale Labyrinthe lotsen, dabei Bananen und anderes Zeug aufsammeln und möglichst nicht über die Mauer ins Wasser fallen. Nach einer beeindruckend plausiblen Story fragt man also besser nicht.


Super Monkey Ball: Gesteuert werden Affe und Glaskugel durch die Bewegungssensoren des iPhone.

Umso beeindruckender ist aber die 3D-Grafik, die man in dieser Qualität noch nie auf einem Mobiltelefon gesehen hat. Gesteuert wird das Spiel mit den Bewegungssensoren des iPhone: Man muss das Gerät genau wagerecht halten (was ich beim Test lange nicht gemerkt habe) und kann mit Kippbewegungen den kleinen Affen in die gewünschte Richtung steuern. Das klingt einfacher, als es ist. Super Monkey Ball hat garantiert Suchtpotential, wenn man sich für Geschicklichkeitsspiele erwärmen kann.

Twitteriffic: Der Microblogging-Dienst Twitter war schon immer auf mobile Benutzung ausgelegt. Mit Twitteriffic ist einer der besten Twitter-Clients für den Mac jetzt auch auf dem iPhone erhältlich. Darstellung, Features und Bedienungsfreundlichkeit können uneingeschränkt überzeugen. Diese Applikation ist in einer kostenlosen Variante mit Werbeeinblendungen sowie in einer kostenpflichtigen mit zusätzlichen Features erhältlich.


Twitterific auf dem iPhone

New York Times: Zeitungen auf Papier haben derzeit ja so ihre Probleme, aber vielleicht hat Journalismus auf Mobilgeräten Zukunft, wenn er so hübsch daherkommt. Die New York Times bringt einen eigenen Client für das iPhone, mit dem sich die Inhalte der Renommierzeitung sehr angenehm konsumieren lassen. Die Menüführung und Typographie ist sehr gelungen, und das Programm lädt sogar Artikelzusammenfassungen für Offline-Konsum herunter.

 

Facebook: Schon die browserbasierte iPhone-Applikation des Social Network war eine Klasse für sich, und mit der lokal installierten Fassung setzt Facebook nochmal einen drauf. Zur Verfügung stehen Statusupdates aus dem Freundeskreis, Profile, Chat und Messaging, alles sehr iPhone-gerecht aufbereitet. Als Bonus kann man mit der iPhone-Kamera Bilder schiessen und sofort auf Facebook hochladen.

 

eReader: E-Books sind eine fast natürliche Anwendung für ein Gerät wie das iPhone, auch wenn der Bildschirm für lange Lesesessions wohl zu klein ist. Aber immerhin, dank der hohen Auflösung macht der iPhone-Screen auch für längere Texte durchaus was her. eReader hat eine sehr schöne e-Book-Applikation produziert, für die es schon einige zehntausend (englischsprachige) Titel gibt. Geblättert wird sehr intuitiv mit einem Fingerschnippen. Ganz klar eine der besten e-Book-Applikationen für Mobiltelefone.

PhoneSaber: Dieses besonders für Darth-Vader-Fans unverzichtbare Programm simuliert ein Laserschwert auf dem iPhone. OK, das mit dem Laser funktioniert noch nicht so ganz, aber die Geräuschkulisse ist auf jeden Fall da. Wenn man das iPhone durch die Gegend schwenkt, heftig produiziert PhoneSaber die passenden Laserschwert-Geräusche. Besonders empfohlen für Duelle zwischen zwei iPhone-Besitzern. Albern? Ja. Aber auch sehr unterhaltsam.

Evernote: Das Problem kennt man: Man hat sich irgendwo eine wichtige Notiz gemacht, aber hat die unterwegs natürlich gerade dann nicht dabei, wenn man sie unbedingt bräuchte. Evernote hat dafür eine beeindruckende Lösung: Dieses Notizprogramm gibt es als lokalen Client für PC und Mac, der sich laufend mit einem Server im Internet synchronisiert. Unterwegs kann man auf seine Notizen per Web zugreifen oder eben jetzt per iPhone. Das funktioniert mit unterschiedlichsten Daten, selbst mit PDFs. Wer mit dem iPhone eine Notiz anfertigen will, kann das mit Text, mit einem Foto oder mit einem spontan aufgenommenen Audio-Clip tun. Die neuen Notizen synchronisieren sich automatisch mit dem Internet-Server und dem heimischen PC. Eine exzellente Lösung fürs persönliche Informationsmangement.

 

NetNewsWire: Ein Traumprogramm für Informationsjunkies, die viel pendeln. Newsgator bringt den beliebten RSS-Reader NetNewsWire aufs iPhone. Das Besondere daran: der iPhone-Reader synchronisiert sich automatisch mit der Mac- bzw. PC-Variante sowie dem webbasierten Newsreader von Newsgator. So stellt man sicher, dass man seine Feeds nur einmal lesen muss. Noch toller: der iPhone-Reader funktioniert auch offline. Wer also per U-Bahn pendelt, muss endlich nicht mehr auf seinen RSS-Fix unterwegs verzichten.

Exposure: Flickr ist nach wie vor eine faszinierende Fotoplattform, und mit Exposure lassen sich all diese Bilder auch auf dem iPhone konsumieren. Exposure ermöglicht Zugriff zu den eigenen Bildern, denjenigen der direkten Kontakte, oder, als besondere iPhone-Spezialität, auf Flickr-Bilder, die in der Nähe aufgenommen wurden. Voraussetzung ist natürlich, dass die Bilder entsprechend geocodiert wurden, aber das ist bei immer mehr Fotos der Fall.

Remote: Und schliesslich noch ein Beitrag von Apple selbst. Mit Remote wird das iPhone zur intelligenten Fernsteuerung für iTunes oder den Apple TV. Mit wenigen Klicks lässt sich das Telefon mit dem stationären Gerät verbinden, und ab da kann man seinen PC oder Mac bzw. Apple TV fernsteuern, als ob es der eingebaute iPod des iPhone wäre. Sehr praktisch und eine willkommene Ergänzung zur doch arg simplen Apple-Fernsteuerung.

Ein paar weitere Applikationen haben es verdient, kurz erwähnt zu werden: Google hat eine lokale Applikation herausgebracht, die Daten aus dem iPhone selbst mit der Websuche von Google integriert, sozusagen also ein Google Desktop fürs iPhone. Noch etwas unreif, aber vielversprechend.

Der Finanzdatenspezialist Bloomberg liefert eine Börsenanwendung, mit der man sich die aktuellsten Kurse internationaler Märkte abrufen kann. Die Möglichkeiten sind deutlich vielseitiger als diejenigen in der eingebauten iPhone-Applikation.

Gleich mehrere Hersteller gehen mit Fahrspielen ins Rennen, was angesichts der Steuerungungsmöglichkeiten über die Bewegungssensoren des iPhone auch logisch ist. Das Telefon wird sozusagen zum Steuerrad. Eins der besseren Spiele ist Cro-Mag Rally, in dem man einen Steinzeitmenschen in einem Fahrzeug im Fred-Feuerstein-Stil über einen Rennkurs steuern muss. Zwar wirkt die Grafik gelegentlich etwas grob und rucklig, aber die Steuerung ist verblüffend präzise, und darum macht das Spiel durchaus Spass.

Irgendwo einen Song gehört, den man nicht mehr aus dem Kopf kriegt, aber von dem man nicht weiss, wie er heisst? Zur Lösung dieses bekannten Problems sowie zum Freunde-Verblüffen ist Midomi ideal. In diesem Programm kann man eine beliebige Melodie ins iPhone singen oder summen, und schon nach wenigen Sekunden sagt einem die Software, was der Song war. Theoretisch zumindest. Kann sein, dass ich so grottenschlecht singe, aber warum mir das Programm meistens was von Tokio Hotel vorgeschlagen hat, wenn eigentlich was ganz anderes gemeint war, verstehe ich nun wirklich nicht.

Fazit: Ohne Zweifel wird das Austauschen von Applikations-Tipps demnächst zu einem Hobby für iPhone-Besitzer werden. Die Auswahl im App Store ist jetzt schon verblüffend interessant, und in den nächsten Monaten werden hunderte von Applikationen hinzukommen.

An Nachteilen ist primär zu nennen, dass einige Anwendungen sicher noch nicht den Reifegrad erreicht haben, den man sich von kommerzieller Software erwarten würde. Den einen oder anderen Absturz (in seltenen Fällen samt Reset des ganzen iPhone) gab es schon mal. Ausserdem wird sich das Preisniveau noch einpendeln müssen. Einige Softwareanbieter verlangen derzeit noch substantielle Beträge für Funktionalität, die es anderswo schon gratis gibt. Aber das ist wohl eine Frage der Zeit.

Keine Frage hingegen ist, dass das iPhone dank dem App Store zu einer hochinteressanten neuen Plattform geworden ist, von der man wohl noch viel erwarten darf. Der Reifegrad des Online-Shops sowie die durchschnittliche Qualität der besten Applikationen lässt die Konkurrenz aus dem Windows-Mobile- und Symbinan-Lager recht alt aussehen.

Jetzt gratis anmelden und wir unterstützen Sie mit Informationen und aktuellen Lernangeboten!