11.07.08

iPhone App Store im Test (I/II): Mobile Softwarevielfalt für das iPhone

Appstoretotal

Lange mussten sich die Fans gedulden, nun ist es soweit: Alte und neue iPhone-Besitzer können sich in Apples App Store Zusatzprogramme zu ihrem Wunder-Telefon herunterladen. Und das Angebot beeindruckt von Beginn an. Wir testen den Online-Shop und die besten neuen Applikationen.

Bei der Vorstellung des ursprünglichen iPhone im Januar 2007 erläuterte Steve Jobs noch wortreich, warum das iPhone eine geschlossene Plattform sei und immer sein werde: Viel zu gefährlich sei es, Applikationen von Drittherstellern zuzulassen. Wegen der Stabilität und so.

Aber offenbar glaubt auch Jobs an das Motto "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?". Seit heute ist das iPhone eine zwar nicht ganz offene, aber doch ausgesprochen ausbaufähige Softwareplattform.

Dritthersteller können ihre Applikationen jetzt nämlich dem geneigten iPhone-Publikum über den neuen App Store von Apple anbieten, entweder gratis oder zu einem fast beliebig setzbaren Preis. Apple behält sich die Qualitätskontrolle vor, aber scheint dabei nicht allzu drakonisch vorzugehen.

Zum Start bietet der App Store bereits rund 500 Applikationen aus allen möglichen Bereichen an. Vom praktischen Utility über Spiele aller Art bis hin zur teuren Spezialapplikation für Ärzte und Piloten ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Voraussetzung für die Nutzung des App Store ist ein iPhone mit der neuen Firmware 2.0. Im gerade erschienenen 3G iPhone ist die schon drin, Besitzer des alten Modells können über iTunes gratis upgraden (das funktioniert im Moment noch nicht, sollte aber nicht mehr lange dauern - wer gar nicht warten kann und etwas Bastelei und Risiko nicht scheut, findet bereits eine offenbar funktionierende Version ). Und selbst auf dem iPod Touch läuft der App Store, dort kostet der Softwareupgrade allerdings ein paar Euro.

Der App Store kommt in zwei Formen: Auf dem PC bzw. Mac in iTunes und auf dem iPhone selbst als eingebaute Applikation. Bei beiden ist das Angebot an Drittapplikationen identisch. Ein bisschen mehr Spass macht freilich die Variante direkt auf dem iPhone, da dort eine gekaufte Applikation nach kurzer Downloadzeit sofort zur Verfügung steht.


Der App Store - Ansicht in iTunes (anklicken für größeres Bild)

Wie von iTunes gewohnt sind die Applikationen fein säuberlich in diverse Kategorien eingeteilt. Wie bei den Songs gibt es auch hier Hitlisten, Empfehlungen der iTunes-Redaktion und besonders hervorgehobene Anwendungen. Trotzdem fällt es nicht leicht, einen ersten Überblick über das Angebot zu erhalten, denn das ist schon sehr reichhaltig.


Der App Store auf dem iPhone

Auf dem iPhone sieht der App Store natürlich etwas komprimierter aus, ist aber identisch aufgebaut.

Zu jedem Programm kann man sich einen Beschreibungstext und typischerweise ein paar Screenshots ansehen. Nach einem Klick auf den Preis und einer weiteren Bestätigung wird das gewünschte Programm sofort heruntergeladen und auf dem iPhone installiert. Das geht bei einer vernünftigen WiFi-Verbindung schnell, aber während der Installation sollte man sein iPhone lieber nicht für andere Dinge benutzen. Wir hatten vor lauter Ungeduld den einen oder anderen Absturz zu verkraften.

Grob gesagt findet man im App Store in etwa folgende Anwendungskategorien:

  • Spiele und Unterhaltung: Hier gibt es reichlich Angebot von einfachen Puzzles à la "Solitaire" über Nostalgietitel wie "Miss Pacman" bis hin zu aufwendig gemachten Knallern wie "Super Monkey Ball". Dazu gibt es schon reichlich eBooks und viele mehr oder weniger sinnfreie Gag-Anwendungen.
  • Kommunikation und Social Networks: Clients für Twitter, AIM, Facebook, MySpace und Flickr, sowie erste VoIP-Anwendungen.
  • Business und Produktivität: Allerlei Listen- und Notizprogramme, Spesenrechner und selbst ausgewachsene Profiapplikationen wie beispielsweise ein Client für das CRM-Programm Salesforce.com.
  • Reisen und Location-based Services: Diverse Phrasenbücher und Fahrpläne (v.a. für grosse U.S.-Städte) sowie Anwendungen, die einem dank GPS Restaurants, Sehenswürdigkeiten und andere Dinge im direkten Umkreis empfehlen.
  • Shopping und E-Commerce: Mehrere Preisvergleichstools, ein eBay-Client.
  • News und Medien: Konfigurierbare Newsreader (RSS und proprietär), Internet-Radioempfänger und diverse spezialisierte Wetterprogramme.

Hinzu kommen allerlei eher ungewöhnliche Applikationen, die nirgends so richtig reinpassen, beispielsweise ein prima Programm, in dem man eine dreidimensionale Kuh über den Bildschirm werfen kann. Keine Ahnung, wozu das gut sein soll, aber es ist immerhin gratis.

 

Die Qualität der Programme schwankt von begeisternd bis zu "Was zum Teufel soll das denn?". Ganz offensichtlich sind die Ängste der Entwicklercommunity unbegründet, dass Apple zu restriktiv bei der Freigabe neuer Applikationen vorgehen würde. Einigen dieser Pionierapplikationen hätte etwas mehr Testzeit nicht geschadet, aber die meisten ausprobierten Programme liefen problemlos.

Preislich scheinen sich die Entwickler auf impulskauffreundliche Grössenordnungen einzuschiessen: Die meisten Spiele gehobener Qualität sind für $9.99 zu haben, einfachere Programme gibt es auch billiger. Nur Spezialanwendungen kosten schon deutlich zweistellige Beträge. Das Angebot an Gratis-Titeln ist mit derzeit ca. 140 Programmen gar nicht schlecht.

Eins ist jedenfalls klar: Mit all diesen Zusatzprogrammen wird das iPhone sofort zu einem erheblich nützlicheren und insbesondere unterhaltsameren Gerät. Auch wenn die bisherigen Applikationen keine der verbleibenden Schwächen des iPhone (z.B. die immer noch fehlende Copy/Paste-Funktion) beheben können, fügen sie einen schon jetzt unglaublichen Reichtum an Funktionalität hinzu.

Es ist auch erstaunlich, dass nach nur wenigen Monaten Entwicklungszeit schon über 500 brauchbare Anwendungen zur Verfügung stehen. Im Vergleich zu den 18'000 Applikationen bei Windows Mobile oder den knapp 10'000 für Symbian sieht das zwar nach wenig aus, aber schon jetzt werden die wichtigsten Bereiche gut abgedeckt. Und wer bei der Konkurrenz das Angebot genauer anschaut, findet auch endlos viele praktisch identische Programme mit den immer wieder gleichen Funktionalitäten, durch die diese Zahlen aufgebläht werden.

Dieses Problem gibt es allerdings beim iPhone jetzt auch schon in einigen Sektoren: Derzeit stehen nicht weniger als sieben verschiedene Wetterapplikationen und neun Trinkgeldrechner zur Verfügung. Das braucht die Menschheit wohl kaum. Aber solche Basisanwendungen sind wohl immer der Einstieg für viele Entwickler.

Unser Eindruck vom App Store insgesamt: iPhone-Besitzer sollten sich das breite Angebot an Anwendungen auf jeden Fall gut anschauen, es gibt jetzt schon viele Perlen, auf die man gewartet hat. Und so manchen Interessenten könnten diese Zusatzanwendungen vielleicht definitiv zum iPhone-Kauf bewegen.

Im nächsten Teil unseres App-Store-Tests: Die besten neuen iPhone-Applikationen.

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