09.07.08

iPhone 3G: Praxistipps für frischgebackene iPhone-Besitzer (Teil 2)

Appstore

Beim neuen 3G-iPhone ist einiges anders als bei anderen Mobiltelefonen, und manches ist auch anders als beim iPhone der ersten Generation. Ein iPhone-User der ersten Stunde gibt Praxistipps zu häufig gestellten Fragen.

[Dies ist der zweite Teil unserer Praxistipps. Hier entlang zu den ersten fünf Fragen.]

6. Welche Shortcuts gibt es für die iPhone-Bedienung?

Bei der Bildschirmtastatur gibt es zwei sehr nützliche Abkürzungen: Wenn man die Space-Taste zweimal kurz nacheinander drückt, gibt das iPhone einen Punkt und ein Leerzeichen aus. Das ist also die schnellste Methode, um einen Satz abzuschliessen. Wenn man ein Sonderzeichen einfügen will, tippt man die "123"-Taste an und hält den Finger auf dem Screen, während man zum gewünschten Zeichen hinfährt. Beim Loslassen fügt das iPhone das gewünschte Zeichen ein und schaltet sofort wieder in den normalen Textmodus zurück.

Ein praktischer, aber nicht sehr bekannter Shortcut: In den Systemeinstellungen kann man definieren, was passiert, wenn man den physischen Home-Button zweimal drückt. Derzeit hat man die Auswahl aus der Kontaktliste Favoritenliste des Telefonteils und dem iPod.

Ebenfalls nicht ganz offensichtlich: Wenn man im Safari-Browser ein Bookmark anlegt, kann man diesen Link wahlweise auf dem Homescreen platzieren. So kommt man schneller an seine Lieblingswebsites ran.

Für den sehr seltenen Fall, dass mal eine Applikation ganz abstürzt (kommt in der Praxis praktisch nur beim Browser vor): Den Homebutton einige Sekunden gedrückt halten, und schon wird die Anwendung ganz beendet.

Und noch einer für die Technikbegeisterten: Wenn man im Telefonteil die Kombination *3001#12345#* eingibt und die Anruf-Taste drückt, gelangt man in den Field-Test-Mode und kann so lebenswichtige Informationen wie die internen Adressen aller derzeit "sichtbaren" Sendestationen oder den ganz genauen Empfangspegel abrufen.

7. Wie pflege ich den Bildschirm?

Von allen beeindruckenden Features des iPhones ist der Bildschirm vielleicht das herausstechendste. Auch nach einem Jahr ist man immer noch von der Qualität der Darstellung begeistert.

Ebenfalls phantastisch ist, wie pflegeleicht dieser Screen ist. Man reinigt den Bildschirm natürlich recht häufig, weil Finger bei der Touchscreen-Bedienung ihre Spuren hinterlassen. Mit anderen Touchscreens machten wir in der Vergangenheit keine so guten Erfahrungen, aber da der iPhone-Bildschirm aus Glas und nicht Plastik hergestellt ist, kann die Robustheit wirklich beeindrucken.

Die beste Methode zur Pflege ist vermutlich ein Mikrofasertuch, wie man es auch für die Reinigung normaler Bildschirme verwendet. Wer spezialisierte Pflegelösungen verwenden will, kann das natürlich auch tun, aber es ist kaum je nötig, da sich der Screen sehr gut reinigen lässt. Auf jeden Fall sollte man strikt nur Pflegeprodukte verwenden, die ausdrücklich für die Reinigung von Bildschirmen geeignet sind. In der Praxis reicht aber wirklich jedes fusselfreie Tuch oder zur Not ein Kleidungsstück aus.

8. Welche Applikationen gibt es für das iPhone?

Bei den Zusatzanwendungen sind drei Welten zu unterscheiden:

Ursprünglich wollte Apple nur webbasierte Applikationen zuzulassen, also letztlich nur iPhone-spezifische Websites. Davon gibt es schon recht viele für allerlei Anwendungszwecke. Apple führt selbst ein ausführliches Verzeichnis dieser Sites. Allerdings haben webbasierte Anwendungen natürlich ihre Grenzen, unter anderem sind sie nur nutzbar, wenn man auch Empfang hat.

Darum stellt Apple mit dem neuen iPhone den AppStore vor, eine neue Möglichkeit, lokal installierte Anwendungen zu kaufen und auf dem iPhone laufenzulassen. Der AppStore wird erst in einigen Tagen geöffnet, und wir werden die neuen Applikationen testen, sobald wir können. Die Liste der angekündigten Anwendungen ist durchaus beeindruckend, und es sollte auch reichlich kostenlose Applikationen im AppStore geben.

Daneben gibt es noch die wunderbare Untergrundwelt der "Jailbreak"-Applikationen. Offiziell war das iPhone bisher eine komplett geschlossene Plattform. Clevere Hacker haben aber schon nach kurzer Zeit rausgefunden, wie man dem iPhone zur Freiheit verhelfen kann (daher Jailbreak, also Gefängnisausbruch), und haben hunderte von kleinen, lokal auf dem Telefon installierten Anwendungen entwickelt. Von Spielen über Kommunikationsanwendungen bis zum kompletten, auf dem iPhone laufenden Webserver gibt es da alles mögliche. Schliesslich läuft auf dem iPhone ein abgespecktes Mac-OS-X-Betriebssystem, und daher sind die Möglichkeiten für Entwickler beeindruckend.

Allerdings sind diese Hackeranwendungen darauf angewiesen, dass die Sicherheitsmechanismen des iPhone umgangen werden können. Es ist noch nicht klar, ob und wann das auch beim neuen iPhone mit seiner neuen Firmware-Version 2.0 möglich sein wird und ob es angesichts der zunehmenden Öffnung der iPhone-Plattform überhaupt noch so interessant ist.

Da die rechtlichen Auswirkungen dieses ganzen Tuns nicht so ganz eindeutig sind (Stichwort: Garantieverlust) und sich vor allem alles ständig ändert, wollen wir zu diesem Thema keine expliziten Links anbieten. Eine Google-Suche hilft aber mutigen iPhone-Besitzern schnell weiter und leitet zu den neuesten Hackertricks.

9. Welchen Datenplan braucht man? Wie viele Daten überträgt man normalerweise pro Monat?

Die europäischen Mobilfunkanbieter sind noch nicht so aggressiv wie die amerikanischen und bieten meistens noch keine bezahlbaren Verträge mit wirklich unbegrenztem Datentransfer an. Fairerweise muss man aber sagen, dass das auch in den USA eher Theorie ist und es bekannte Fälle von Telcos gibt, die wirklichen Powerusern die Verträge gekündigt haben. Denn "unbegrenzt" heisst paradoxerweise nicht unbedingt, dass man so viel Kapazität nutzen kann, wie man will.

Für so manchen neuen iPhone-User stellt sich also die Frage, welches Datenpaket man nehmen soll. Reichen 100 MB pro Monat? Oder sollte es doch lieber ein Gigabyte sein?

Das hängt natürlich vom Nutzungsszenario ab, aber auch von anderen Faktoren: Wie oft surft man wirklich unterwegs, wo man keinen Zugang zu WiFi hat (denn WiFi zählt nicht zu dieser Datenmenge)? Will man "nur" Websites und E-Mail nutzen, oder will man auch Youtube-Videos unterwegs konsumieren?

Die meisten iPhone-User sagen, dass man selten mehr als 100 MB pro Monat nutzt, auch wenn man fleissig surft und mailt. Das ist umso mehr der Fall, wenn man zu Hause und im Büro Zugang zu WiFi-Netzen hat, denn das iPhone schaltet automatisch auf die schnellste Datenverbindung um und spart so Netzwerkapazität.

Allerdings ist dazu auch zu sagen, dass beispielsweise Youtube mit dem bisherigen EDGE-Datenfunk sowieso kaum brauchbar war. Das kann sich mit 3G natürlich ändern. Grosse Downloads von Songs oder Applikationen wird man übrigens auch in Zukunft nicht per Datenfunk machen dürfen, sondern nur per WiFi. Ausserdem gibt es noch keine offizielle Möglichkeit, das iPhone als Datenmodem für den PC zu nutzen. Die Möglichkeiten, gigabyteweise Traffic zu generieren, sind also so oder so begrenzt.

Zusammenfassend: 100 MB dürften eher knapp bemessen sein, aber die allermeisten User werden kaum je in die Nähe der Gigabyte-Grenze kommen.

10. Soll man sich denn jetzt wirklich ein iPhone kaufen?

Bei all dem Hype geht immer gern mal die Frage unter, für wen sich ein iPhone denn nun wirklich lohnt. Denn so gut das Gerät auch ist, es ist nicht das perfekte Telefon für jeden.

Nach einem Jahr Erfahrung können wir festhalten, dass sich die Erkenntnisse unseres damaligen Testberichts nach 30 Tagen iPhone nicht wesentlich geändert haben.

Das iPhone ist ein ideales Gerät für Leute,

  • die unterwegs viel aufs Internet zugreifen wollen
  • die endlich nicht mehr einen iPod und ein Telefon als separate Geräte herumschleppen wollen
  • die Navigationsmöglichkeiten mit Google Maps wollen

Hingegen ist das iPhone nicht ideal für Benutzer,

  • die extrem viel Messaging machen und dafür eine physische Tastatur haben wollen
  • die eine hochwertige Kamera in ihrem Telefon brauchen
  • denen tolle Gadgets nicht so wichtig sind und die lieber Geld dafür sparen

(Mit Dank an leumund.ch für die Inspiration für diesen Beitrag)

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