11.07.08

iPhone-3G-Launch in der Schweiz: Knappheit hüben wie drüben

Geräteknappheit an allen Enden: Über 500 «Consumer» rangeln sich in der Schlange, die letzten 30 gehen mit leeren Händen nach Hause, und auch von den 100 Journalisten bekommt nicht jeder ein Testgerät.

Think different. Das iPhone ist anders, und entsprechend war auch der Launch irgendwie eine seltsame Geschichte. Über 100 Journalisten drängelten sich ab 22.30 Uhr im Zürcher In-Vegi-Restaurant «Hiltl», wohin Swisscom zur Pressekonferenz geladen hatte. Carsten Roetz, Pressesprecher, moderierte, Christian Petit, Leiter Privatkunden, erzählte von den Tollheiten, mit denen Swisscom im Schweizer Markt aufwartet, Urs Schaeppi, Leiter Grosskunden, berichtete, wie toll das iPhone als Business Handy ist (siehe «Einige Neuheiten gibts trotzdem» ). So weit, so normal.

Um 23.45 Uhr durften alle Journalisten die Strassenseite wechseln und sich gegenüber vor dem Shop das Gewimmel anschauen - im Medien-Programm vermerkt als «Transfer zum Swisscom-Shop an der Füsslistrasse, Start des Mitternachtsverkaufs». Auf einem Podest stehend trafen wir alte Bekannte und schlossen neue Freundschaften, etwa mit Barnaby Skinner von der SonntagsZeitung. Wohl niemand wollte mit den Leuten in der Schlange tauschen, erst recht nicht, als sich kurz vor Mitternacht plötzlich direkt vor der Tür einige Dutzend Leute in die Schlange drängelten. Nach mehreren vergeblich gezählten Countdowns der Massen wurden die Türen schliesslich pünktlich um Mitternacht geöffnet. Ein grosses Geschiebe setzte ein, die Stadtpolizei eilte den sichtlich überforderten privaten Security-Leuten zu Hilfe und zog ein rot-weisses Baustellenband, das dann die Securitaner von Hand des Rest des Abends hielten.

 

Die Massen warten - viele vergeblich.

Hier ein Video der Türöffnung (den Countdown im Eingang konnten nicht alle sehen, daher zählen die meisten auf Verdacht).

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Offenbar fehlt uns Mitteleuropäern die zivilisierte Anstehkultur der Nordamerikaner, aber ebenso fehlte eine Absperrung, die die Schlange von Anfang an hätte ordentlich formen können. Dazu sagte uns Carsten Roetz später in der Nacht, dass Swisscom gern Absperrungen angebracht hätte, was aber nicht erlaubt wurde, da die Strasse «öffentlicher Raum» sei. Aus demselben Grund durfte man auch die Tüten mit einem Donut und einem Getränk nicht auf der Strasse verteilen, sondern erst im Shop abgeben. (Hallo, 20 Minuten: «Ab 22:00 Uhr verkürzte die Swisscom den Wartenden die Zeit mit kleinen Snacks.» - stand zwar in der Medienmitteilung, stimmte aber nicht. :-) Und schliesslich war die Tatsache, dass man von GL-Mitgliedern bedient wurde, kein PR-Gag, sondern die normalen Shop-Angestellten durften um diese Zeit schlicht nicht arbeiten.

Etwas auf der Strecke blieb in dem Chaos auch das eigentlich angekündigte Vor-Ort-Liveblogging. Denn weder in den Menschenmassen im Freien in der Füsslistrasse noch im Gedränge im Hiltl wäre es möglich gewesen, sich mit dem Laptop hinzusetzen und etwas zu schreiben; nicht mal Twittern funktionierte reibungslos, weil die anwesenden Hundertschaften die Funkzelle gut mit Voice- und Daten-Traffic belegten.

Um 0.30 Uhr ging es für die Presse im Hiltl weiter mit der Ausgabe der 50 Testgeräte - für über 100 Anwesende. Carsten Roetz bedankte sich für das grosse Interesse, betonte, dass man an sich gern jedem ein Gerät geben würde, aber merkte auch an, dass von einigen Redaktionen drei Leute angereist seien, so dass man in diesem Fall «eigentlich nicht mehr von einem Testgerät sprechen könne» (weil am Ende natürlich die meisten Medien nur einen iPhone-Test veröffentlichen werden). Daher habe man u.a. als Regel «ein Gerät pro Redaktion» definiert.

Typisch Schweiz: Immer gleich auf Rütli machen.

Die Namen der Journalisten, die eins bekommen würden, standen also im Voraus fest. Die Theke war nach Nachnamen beschriftet, alle Anwesenden durften sich bei ihrem Buchstaben anstellen, wussten aber nicht, ob sie auf der Liste stehen würden. Ich fühlte mich an die Zeit erinnert, als an der HSG die Prüfungsresultate noch öffentlich aushingen, man sich in der Pause vor dem Schwarzen Brett drängelte - und alle sahen, wer durchgefallen war. Entsprechend sauer waren auch einige, die kein Gerät bekamen. Wir waren nicht sauer, denn für mich war ein iPhone reserviert, mit einem Kleber auf dem Gerät und zweimal auf der Schachtel beschriftet.

Nett auch, dass Roetz in seiner letzten Ansprache erwähnte: «Wir geben auch Testgeräte an Blogger ab, und wir sind sicher, dass Sie das verstehen, denn Sie alle werden sich in den letzten Wochen über das Gerät auch in Blogs informiert haben.» Langsam geht es vorwärts.

Um etwa 1 Uhr haben wir uns vom Schauplatz verabschiedet und angefangen zu testen und zu tippen; um 3 Uhr sind wir nochmal hingefahren, um zu schauen, ob alle zum Zug gekommen sind. Um 2.30 Uhr war verkündet worden, die «grossen» Modelle mit 16 GB seien ausverkauft. Um 3.00 Uhr waren noch etwa 30 Leute vor Ort, die noch rein wollten.

Schlag drei Uhr wurden Sie recht rüde von Polizei und Securitas des Platzes verwiesen, obwohl das Swisscom-Team die letzten paar noch durchziehen wollte. Nachdem von den 30 Leuten 20 frustriert abgezogen waren (natürlich nicht, ohne noch von SF oder Tele Züri interviewt zu werden, die auch noch vor Ort waren), liess man die letzten zehn doch noch rein. Eine junge Frau freute sich, als hätte sie gerade im Lotto gewonnen.

 

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