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21.10.13

Kaufentscheidung: iPad Air oder iPad mini oder Android-Tablet?

iPad Air und iPad mini

Mit iPad Air und dem neuen iPad mini geht Apple dieses Jahr ins Weihnachtsgeschäft und zudem in die nächste Runde des Wettstreits um den boomenden Tablet-Markt. Welches von beiden eignet sich für wen? Und inwiefern ist ein Android-Tablet die bessere Wahl? Eine kleine Entscheidungshilfe.

Apples neue iPad-Familie

Dass das iPad ein sehr erfolgreiches und für Apple äußerst einträgliches Gerät ist, steht sicherlich außer Zweifel. Nach dem iPhone ist es das zweitwichtigste Standbein des Herstellers, noch vor den Macs. Kaum jemand wird zudem abstreiten, dass das iPad den Tablet-Markt erschaffen hat, wie wir ihn heute kennen. Genauso ist allerdings richtig, dass die Konkurrenz nach inzwischen gut drei Jahren aufgeholt und teilweise überholt hat. Das ist eine sehr gute Nachricht für den Verbraucher: mehr Auswahl, mehr Möglichkeiten. Damit einher geht ein typisches Erste-Welt-Problem: die Qual der Wahl.

iPad vs Android-Tablets

Ungleiche Konkurrenten: iPad mini und Asus MemoPad HD7.

Sobald man Android und iOS miteinander vergleicht, kann man sich auf einen "Flamewar" einstellen, den sich die jeweiligen Hardcorefans liefern. Ich persönlich nutze sowohl iOS als auch Android und nutze beide gern, allerdings aus unterschiedlichen Gründen.

Ein Argument für Android-Geräte ist oftmals der Preis. Weil viele Anbieter mit technisch gesehen weitgehend identischen Geräten um die Kunden wetteifern, sinken die Preise. Entsprechend ist das Preis/Leistungs-Verhältnis besser als bei Apple, wenn man sich allein auf die Feature-Tabelle bezieht. Ich halte allerdings überhaupt nichts von diesen Vergleichen, die sich nur an den technischen Daten orientieren. Denn sie sind nicht einmal die halbe Wahrheit. Hier hilft es tatsächlich nur, Testberichte zu lesen. Denn selbst wenn beispielsweise ein Quad-Core-Prozessor verbaut ist, kann der Hersteller das Gerät an anderer Stelle so vergurkt haben, dass man sich nur die Haare raufen kann.

Trotzdem: Der Preis bleibt ein starkes Argument. Schließlich sind 150-Euro-Tablets wie das Asus MemoPad HD7 inzwischen gut nutzbare Geräte. Das sind Preisbereiche, in denen Apple nichts anbietet und mit großer Wahrscheinlichkeit auch niemals anbieten wird.

Ein weiteres Argument für Android ist die Größe des Google-Ökosystems. Wer sowieso bereits Dienste wie Googles Websuche, Google Maps, Gmail und andere benutzt, fühlt sich hier gleich bestens zu Hause. Der Play Store ist inzwischen bei der Auswahl gut mit dem iTunes Store und dem App Store von Apple vergleichbar. Wahr ist zugleich auch: Wer will, kann diese Dienste ebenfalls sehr gut auf iOS nutzen, denn Google verwendet viel Mühe darauf, auch auf dieser Plattform präsent zu sein.

Eine oft zitierte Stärke von Android ist seine Anpassbarkeit und Offenheit. Und hier macht es Apple seinem Konkurrenten wirklich sehr leicht: Unter iOS kann ich nicht einmal festlegen, welcher mein bevorzugter Browser sein soll. Apple möchte alles so weit wir nur möglich unter Kontrolle behalten. Bei Android kann ich dagegen sogar die (nach meiner Erfahrung nicht sonderlich gute) Standard-Bildschirmtastatur gegen eine Alternative auswechseln. Auch an vielen anderen Stellen lässt sich Android optisch und vor allem funktional individualisieren und aufbessern. Wer diese Freiheiten möchte, ist hier bestens aufgehoben. Wer allerdings diesen Drang nicht verspürt, wird logischerweise bei iOS nichts vermissen.

Es hat letztlich sehr viel damit zu tun, wie man das Gerät am Ende wirklich nutzt. Ich persönlich finde beispielsweise das "Share"-Menü von Android großartig, in dem sich jede App einklinken kann. Auf diese Weise kann ich Inhalte von nahezu jeder App zu nahezu jeder anderen App übergeben. Das finde ich eine Funktion, die gerade bei einem Tablet nützlich ist, dass man ja vielfach doch intensiver und vielseitiger nutzt als ein Smartphone (mir geht es jedenfalls so). Typisch Android ist es auf der anderen Seite, dass man als Nutzer von Haus aus keinerlei Möglichkeit hat, den Inhalt dieses Share-Menüs zu bestimmen, weshalb es bei manchen Inhaltstypen ellenlang werden kann. Das dürfte auf den Durchschnittsnutzer eher abschreckend als einladend wirken.

Wer ganz auf Apple setzt, bekommt nette Funktionen über alle Geräte hinweg. Apples Ökosystem ist ein mit Plüsch ausgeschlagener, sehr bequemer Käfig.

Apple wiederum legt sehr viel Wert auf Details, selbst wenn diese so klein sind, dass sie kaum einem Nutzer auffallen und auch in keiner Feature-Tabelle auftauchen. So ist beispielsweise iOS nach meiner Erfahrung weiterhin besser, was das Akku-Management angeht. Selbst wenn man ein iPad einmal mehrere Tage liegen lässt, wird es kaum an Akku verloren haben, weil die Geräte in einen speziellen Super-Stromsparmodus gehen (ohne, dass man das überhaupt mitbekäme). Solche und andere Dinge sind im Alltag schlichtweg nützlich. Weiteres Beispiel: Neulich erst gab es zu lesen, dass Apples Touchscreens schneller reagieren als jedes bei der Konkurrenz verbautes Produkt. Und nach meinem subjektiven Empfinden erkennt iOS zudem besser und zuverlässiger, was ich eigentlich antippen wollte als Android – ich vermute hier eine Mischung aus eventuell präziserem Touchscreen und besseren Algorithmen. Wissenschaftlich belegen kann ich es nicht. Klar ist außerdem: Auch das taucht in den üblichen GHz-mAh-cm-Vergleichstabellen nicht auf.

Apples vergleichbares strenges Regiment über iOS sorgt auch für ein wesentlich einheitlicheres Nutzungserlebnis als Android. Durch den radikalen Designwechsel bei iOS 7 hat das aktuell etwas gelitten, wird sich aber mit großer Wahrscheinlichkeit wieder entsprechend entwickeln. Bei Android ist optischer und funktionaler Wildwuchs angesagt. Das Thema "Back Button" ist hier ein oft gebrauchtes Beispiel: An sich eine gute Idee, einen leicht erreichbaren Knopf zu haben, um einen Schritt zurück zu gehen. Allerdings ist oftmals nicht vorhersagbar, was wirklich passiert, wenn man ihn benutzt. Hinzu kommt, dass die Gerätehersteller Android optisch und funktional anpassen, um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden. Das sorgt nicht nur für verspätete oder komplett ausbleibende Updates, sondern auch ein nie ganz konsistentes Nutzungserlebnis über Android-Geräte hinweg.

Wie weiter oben schon erwähnt: Die einen empfinden solche Freiheiten als positiv, für andere ist es eher verwirrend.

Laut Apples Angaben gibt es 375.000 fürs iPad angepasste Apps. Wie viele man davon wirklich braucht, ist eine andere Frage.

Ein anderes oft aufgeführtes Argument fürs iPad ist die Zahl der verfügbaren Apps, die speziell für das größere Display des Tablets im Vergleich zum iPhone entwickelt wurden. 475.000 gibt Apple hier selbst an und auch wenn man die Exaktheit und den Sinn solcher Zahlen in Frage stellen kann: Es gibt tolle Apps fürs iPad, die aus dem Tablet wesentlich mehr machen als nur ein handliches Display für Websites, E-Mails, Bücher oder Videos. Bei Android sind spezielle Tablet-Apps noch Mangelware. Google bleibt aber nicht untätig und versucht, diese Situation zu verbessern, indem beispielsweise im Play Store nun eine eigene Rubrik dafür geschaffen werden soll. Wie sehr einen dieses "Problem" von Android belastet, hängt logischerweise wie so ziemlich alles vom eigenen Nutzungsverhalten ab. Man kann auch mit einem Android-Tablet eine Menge anstellen und die wesentlichen Anwendungsfelder E-Mail, Browser, YouTube, Facebook funktionieren sowieso.

Nicht zuletzt gibt es noch einen weiteren Faktor, den ich aber sehr bewusst erst am Schluss nenne: das Design und die Verarbeitungsqualität der Geräte. Apple legt die Latte hier in schwindelerregende Höhe. Die Konkurrenz zieht hier nur teilweise mit, denn solche Perfektion ist teuer, spielt aber im typischen Featurelisten-Vergleich keine Rolle. Zudem hat kaum eine andere Marke Apples Premium-Image. Es ist ein wenig wie bei Autos: Auch wenn ein Skoda mit einem Mercedes gleich auf ist, bedeutet das noch lange nicht, dass der Hersteller deshalb denselben Preis verlangen kann. Warum also überhaupt gleichauf sein wollen?

Dieser letzte Punkt spielt für den Alltag nur eine untergeordnete Rolle und ist auch eine Frage des persönlichen Geschmacks.

iPad Air vs iPad mini

Diese Visualisierung zeigt, wie sich das iPad 5 dem iPad mini in Form und Größe annähert.

Soll es dann doch ein iPad sein und kein Android-Tablet, stellt sich immer noch die Frage, welche Modellreihe denn am besten passt.

Mit dem nun "iPad Air" genannten 9,7-Zoll-Modell will Apple den Größenunterschied zwischen seinen beiden Tablet-Varianten verkleinern und übernimmt das Styling des iPad mini, inklusive des schmaleren Rands an den Seiten und der Form der Rückseite. Zudem ist das iPad Air nun ein gutes Stück leichter als zuvor. Weiterhin im Programm bleibt das iPad 2.

Das iPad mini mit Retina Display wird hingegen einen Hauch dicker (+0,3 mm) und eine Kleinigkeit schwerer (+27 g bei der Wi-Fi-Version, +29 g bei der Version inklusive LTE) als der Vorgänger. Der Schritt zur höheren Auflösung ist dabei überfällig, denn die Konkurrenz bietet hier erheblich mehr und der Bildschirm ist nun einmal das zentrale Element eines Tablets und sollte dementsprechend von höchster Qualität sein. Nicht zuletzt fällt die geringe Auflösung des ersten iPad mini durch das geometrische und schnörkellose Design von iOS 7 extrem auf. Die Farbverläufe, Schatten und Fake-Oberflächen von iOS 6 konnten das zuvor recht gut kaschieren.

Die Spekulationen, dass das vorherige iPad mini erhalten bleibt, waren korrekt. Ab 289 Euro ist es nun erhältlich. Für das iPad mini mit Retina Display werden mindestens 389 Euro fällig. Das alte iPad mini gibt es nur mit 16 GB Speicher, den Nachfolger mit bis zu 128 GB.

Hier findet sich eine Vergleichstabelle aller iPad-Modelle.

Obwohl sich iPad und iPad mini in der neuen Generation also ein wenig annähern, bleiben die Unterschiede doch groß genug. Wer die Chance hat, sollte beide Geräte in die Hand nehmen. Man mag kaum glauben, dass auf beiden dieselben Apps laufen, denn das iPad mini wirkt deutlich handlicher und kompakter. Ich gebe zu: Ich mag den kleinen Formfaktor sehr. Im Gegensatz zu fast allen Android-Tablets setzt Apple zudem auf ein Seitenverhältnis von 4:3 und nicht von 16:9, was nach meinem Geschmack für ein Tablet und vor allem eines in dieser Größe erheblich besser geeignet ist. Websites, Magazine, Bücher etc. lassen sich in dem Format wesentlich besser darstellen.

Nach meinen Alltagserfahrungen lassen sich Apps auch auf dem iPad mini in der Regel gut bedienen. Es gibt gelegentlich Momente, in denen ich Bedienelemente zu klein finde oder ein Touch anders interpretiert wird, als ich es eigentlich wollte. Solche Erlebnisse halten sich in Grenzen. Allerdings vermute ich, dass das von Nutzer zu Nutzer stark variieren kann – je nach Fingerbeschaffenheit und wie man das Gerät bedient.

Mich überzeugt die Handlichkeit des iPad mini und ich habe es sehr gern auch dabei. Auch bei Spielen machen sich die kompakteren Maße und das geringere Gewicht positiv bemerkbar.

Je nach Anwendungsfall kann sich der größere Bildschirm des 9,7-Zoll-iPad aber sehr bemerkbar machen. Apps mit komplexer Oberfläche lassen sich leichter bedienen, generell ist alles besser erkennbar. Natürlich ist die virtuelle Tastatur größer, wobei ich persönlich auf dem iPad mini im Querformat ebenso gut schreiben kann (ja, ich kann das tatsächlich gut und mache das auch gelegentlich ;).

Bislang hatte das große iPad in der Regel die besseren Leistungsdaten. Nun setzen sie beide auf den A7-Chip, den Apple auch im iPhone 5S einsetzt.

Fazit

Um es ganz klar zu sagen: Es gibt keine eindeutige Antwort. Wer beispielsweise behauptet, Android sei grundsätzlich besser als iOS, das große iPad sie grundsätzlich besser als das kleine oder was auch immer, tut nur eines: großen Blödsinn erzählen. Es gibt Pro und Contra auf allen Seiten und was "am Besten" ist, ist von Kunde zu Kunde unterschiedlich.

Ich beispielsweise habe als Umsteiger vom iPhone 4 zum Nexus 4 Android sehr schätzen gelernt. Und während mich iPhone 5c und iPhone 5s eher kaltlassen, bin ich schon sehr gespannt aufs Nexus 5. Zugleich kann ich aber noch immer sehr gut verstehen, warum man Freude an einem iPhone hat.

Bei Tablets ist das iPad mini momentan mein Favorit, obwohl ich finde, dass Android mit seiner Offenheit und Flexibilität gerade bei solchen Geräten einiges zu bieten hätte. Bislang hat mir aber kein Gerät so gut gefallen wie das iPad mini. Das kann sich jederzeit ändern. Zudem hoffe ich, dass Google noch mehr Entwickler motivieren kann, bei ihren Apps auch Tablets im Hinterkopf zu haben.

Ich würde mich sehr über ergänzende Kommentare freuen, denn mein Artikel ist logischerweise subjektiv. Ich habe versucht, diese Subjektivität deutlich zu machen. Generell hoffe ich, dass wir auf Fanboy-Kommentarduelle verzichten können und uns stattdessen vielleicht darüber austauschen, was uns an den eigenen Gadgets gut und weniger gut gefällt.

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