13.09.13

Intelligent Drive: Mercedes-Benz stellt auf der IAA System für autonome Fahrzeuge vor

Mercedes-Benz S 500 INTELLIGENT DRIVE - autonom durch Überland- und Stadtverkehr / Bildquelle: Daimler

Selbstfahrende Autos haben wir schon einige gesehen, aber Mercedes-Benz rühmt sich auf der IAA nun, der erste Autohersteller zu sein, der ein Fahrzeug vollkommen autonom im Überland- und Stadtverkehr fahren ließ. Wir stellen euch das "Intelligent Drive"-System und andere Projekte hier vor.

Ein Mercedes-Benz S 500 mit Intelligent Drive. (Quelle: Daimler)

Auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt zeigen Autobauer aus der ganzen Welt, was sie können und welche Visionen sie für die mobile Zukunft haben. Auch wenn bereits zahlreiche Forschungseinrichtungen und allen voran Google mit autonom fahrenden Autos experimentieren, ist es u.a. für Mercedes-Benz noch nicht zu spät, um noch rechtzeitig in den Wettlauf mit einzusteigen. Mercedes stellte ein als „Intelligent Drive“ bezeichnetes System vor, mit dem die Autos bald vollständig autonom über die Straßen fahren soll.

Eine S-Klasse auf den Spuren von Bertha Benz

Mercedes-Benz gab im Zuge dessen bekannt, dass eine S-Klasse mit diesem System bereits eine 100 Kilometer lange Strecke vollkommen autonom zurückgelegt hatte. Die 100 Kilometer Strecke war aber nicht willkürlich gewählt, sondern die (nahezu) gleiche, die bereits Bertha Benz vor 125 Jahren heimlich mit dem Motorwagen ihres Mannes fuhr und somit die erste Langstreckenfahrt der Welt mit einem Automobil hinter sich brachte. Das verdeutlicht auch, wie wichtig autonom fahrende Autos bei Mercedes-Benz angesehen werden. Bei der verwendeten S-Klasse soll keine „Spezialtechnik“ zum Einsatz gekommen sein, wie man bei Mercedes betont. Vielmehr soll „seriennahe Technik“ verwendet worden sein, wie sie ähnlich bereits in der E- und S-Klasse verbaut wird.

Autonome Fahrzeuge sind der nächste Meilenstein

Zahlreiche bereits vorhandene Systeme fließen bei Mercedes' Intelligent Drive zusammen.

Daimler betont, dass man der erste Autohersteller der Welt sei, der ein Fahrzeug vollkommen autonom im Überland- und Stadtverkehr fahren ließ. Sicherlich, "der erste Autohersteller" passt. Dennoch sind die Ingenieure bei Mercedes nicht die ersten. Bereits zahlreiche Forschungseinrichtungen im In- und Ausland haben Versuchsfahrzeuge auf regulären Straßen getestet. Hinzu kommt Google: Hier existiert seit einigen Jahren bereits eine eigene Forschungsabteilung, die sich mit der Thematik des autonomen Fahrens beschäftigt und diese bereits erfolgreich testet. Im August letzten Jahres konnte man bei Google stolz verkünden, dass die eigenen mit Sensoren ausgestatteten Fahrzeuge über 300.000 Meilen (ca. 480.000 Kilometer) zurückgelegt hatten.

Autonome Fahrzeuge werden der nächste Meilenstein sein und unsere Art der Mobilität radikal verändern. Die Hoffnung ist groß. Könnten doch die Unfallzahlen auf einen noch nie dagewesenen Tiefpunkt rutschen, wenn autonome Fahrzeuge die Regel sind. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) prognostiziert, dass im Jahr 2040 bis zu 75 Prozent aller Fahrzeuge vollkommen autonom unterwegs sein werden.

So viel Zeit will man sich allerdings bei der in Hannover beheimateten Continental AG nicht nehmen. Die Roadmap, die bereits im Dezember 2012 der Presse vorgestellt wurde, sieht vor, dass ab dem Jahr 2016 teilautomatisierte Systeme in Serie produziert werden können. Nach dem Willen von Continental können Fahrzeuge mit einem entsprechend ausgestatteten Fahrzeug im Stadtverkehr bis zu 30 km/h das nervige Anfahren und Anhalten im Stau dem Auto übergeben.

Ab dem Jahr 2020 sollen dann Fahrzeuge hochautomatisiert ausgestattet sein. Dies soll dazu führen, dass die Autos dann auch autonom über 30 km/h fahren können, allerdings noch nicht auf der Autobahn einsetzbar sind. Für hohe Geschwindigkeiten soll zu dieser Zeit noch immer der Fahrzeugführer das Steuer in der Hand halten.

Erst ab 2025 soll es soweit sein und die ersten vollautomatisierten Fahrzeuge können dann nach Continentals Zeitplanung das Steuer auch bei Geschwindigkeiten von über 130 km/h übernehmen.

Continental betont immer wieder, dass man auf dem Weg zur Vollautomatisierung den Fahrer niemals entmündigen werde. Jeder Zeit soll der Fahrer die volle Kontrolle über Gaspedal, Bremse und Lenkrad übernehmen können.

Die Antwort des Gesetzgebers steht noch aus

Assistenzsysteme können mehr Sicherheit bringen, aber es stellt sich auch die Frage der Haftung bei Unfällen.

Spannend bleibt abzuwarten, wie schnell der Gesetzgeber reagieren wird. Es müssen zahlreiche Fragen geklärt werden. Zum einen, ab wann und mit welcher Technik ein Fahrzeug autonom fahren kann und darf und welche Absicherungen vorhanden sein müssen. Ebenfalls wichtig wird die Frage nach der Haftung sein, sollte dennoch einmal ein Unfall geschehen. Die Schuldfrage könnte nicht eindeutig sein, wenn der Computer das Steuer übernommen hat. Und wer haftet im Falle eines Unfalls? Der Hersteller des autonomen Fahrzeugs? Der Hersteller des Systems, das für das autonome Fahren zuständig ist, oder gar die Programmierer? Denkbar, dass sich Automobilhersteller wie Daimler doppelt und dreifach absichern werden, so dass die Hauptverantwortung weiterhin beim Fahrzeugführer bleiben wird.

Eine bisher kaum beachtete Problematik ist, dass es Hackerangriffe auf solche Fahrzeuge geben könnte. Eine Horrorvorstellung, dass ein Hacker eines oder mehrere Fahrzeuge übernehmen und vom heimischen Rechner aus lenken könnte. Oder gar, dass mit feindlich übernommenen Fahrzeugen Anschläge (fremdgesteuertes Fahrzeug beschleunigt und rast mit Vollgeschwindigkeit in eine Fußgängerzone oder Menschenmenge) begangen werden.

Mercedes-Benz & Co. müssen dafür sorgen tragen, dass die Verbindung über das Internet komplett getrennt vom restlichen Motormanagement getrennt ist und bleibt. Nicht nur digitale Schranken, sondern tatsächlich mit physischen Grenzen. Dies zu gewährleisten und somit eine größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten wird noch eine große Herausforderung der nächsten Jahre werden.

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