29.07.14

Im Test: Homee macht Smart Home ganz einfach

Homee

Das deutsche Produkt Homee will dem Smart Home zum Durchbruch verhelfen:

 

Es dient u.a. als Zentrale, über die sich ansonsten inkompatible Systeme gleichzeitig steuern lassen. Die Kollegen der Website siio.de konnten Homee noch vor dem Verkaufsstart im August testen. Hier ihr Testbericht, den wir mit freundlicher Genehmigung übernehmen.

Wir hatten bereits hier und da mal auf über siio geschrieben. Von der Idee über die Crowdfunding-Phase, bis hin zum fertigen Homee, welcher die nächsten Tage die Regale im Handel füllen wird war es ein langer Weg. Wir haben uns den allerersten Homee noch vor Verkaufsstart gesichert und ihn für euch getestet.

Codeatelier, die Gründer und Entwickler von Homme, starteten Ende 2013 eine Crowdfunding Kampagne , um Homee in Serienproduktion schicken zu können. Leider wurde das Funding-Ziel nicht erreicht. Doch gerade diese Kampagne brachte den Jungs von Codeatelier den Aufwind mit dem Projekt weiter zu machen. Sie erhielten viel positives Feedback und Unterstützung für Ihre Idee. So dürfen wir uns ab August auf den Verkaufsstart von Homee freuen.

Was macht Homee besonders?

Smart Home ist in den letzten Jahren zu einem immer größeren und interessanteren Thema geworden. Viele Hersteller versuchen, ihre Produkte in die Wohnungen der Kunden zu bekommen. Dabei konnte man sich aber leider bislang noch nicht auf einen Standard einigen. Dennoch kristallisieren sich, neben den proprietären System, einige Funkprotokolle als zukunftsweisend heraus:

  • Z-Wave (Der Z-Wave Allianz gehören bereits mehrere hundert Hersteller an- dadurch bereits eine große Produktvielfalt auf Z-Wave Basis)
  • Zigbee (Vor allem in der Beleuchtung zu finden – auch Philips Hue arbeitet damit)
  • EnOcean (Komponenten arbeiten meist ohne Batterien, da Sie den Strom durch Eigenenergiegewinnung beziehen – erspart das Batterienwecheln)

Untereinander sind Komponenten mit diesen verschiedenen Funkstandards bislang nicht kompatibel. So kann man zum einen nicht die verschiedenen Komponenten untereinander in einem System betreiben, um sich “das Beste heraus zu suchen”. Zum anderen ist diese Masse an verschiedenen (Funk-)Protokollen und proprietären System der Grund, warum viele Nutzer bislang Abstand von einer Kaufentscheidung gehalten haben. Was wenn es in ein oder zwei Jahren das System nicht mehr gibt für welches ich mich entschieden habe? Oder wenn es demnächst einen Funkstandard gibt, für welchen Komponenten erhältlich sind welche ich gern hätte – die aber dann nicht in mein System passen?

All diese Probleme kann Homee als Dolmetscher lösen, denn genau deswegen sieht das System aus wie große Lego Steine für den Papa. Homee baut auf einem modularen System auf, wobei jeder bunte Stein ein Funkprotokoll ist. (Im übrigen sind die Steine gar nicht so groß, gerade einmal 5 x 5 x 5 cm misst jeder einzelne von ihnen.) Somit kann man nur die Bausteine kaufen, für die Funkstandards welche man auch benötigt und man kann seinen Homee jederzeit um weitere Bausteine (Funkstandards) erweitern. Ab Verkaufsstart im August wird es einen Z-Wave und einen EnOcean Baustein geben. Der Zigbee Würfel soll zeitnah folgen.

Aktuell ein weiteres Problem im Smart Home, ist die Komplexität der verschiedenen Zentralen. Natürlich finden Systeme wie FS-20, FHEM oder Homematic ihre Fans, aber für die breite Masse sind die Systeme eher weniger geeignet. Wer versteht schon etwas von Zentralen Programmen oder Scripten? Wohl die wenigsten.

Homee wird einfach werden. In vielen meiner Blogs sprach ich vom WAF, dem Woman Accepted Factor, welchen ich bislang auf das Design bezog. Das Homee dies mitbringt sieht man hoffentlich auf den ersten Blick. Das Design ist schlichtweg gelungen. Aber in den letzten Tagen, beim Testen vom Homee stellte ich fest, dass man den WAF nicht ausschließlich auf das Design von Smart Home Komponenten beziehen kann, aber dazu später mehr und damit genug des allgemeinen Blabla. Ich habe mir den Homee angesehen und bereits seit ein paar Tagen im Einsatz. Hier mein Review zu Homee:

Unboxing

Auf der Front jeder Box steht der Slogan: „Your Home Remote“ – also die Fernbedienung für dein Zuhause. Homee, was in der Jugend umgangssprachlich soviel wie Kumpel bedeutet, ist also nicht nur irgendeine Hausautomatisierungszentrale, sondern soll dein Kumpel fürs Zuhause werden.

Die Verpackung ist sehr schlicht in Weiß gehalten und enthält nur die wesentlichsten Informationen. Dies erinnerte mich ganz leicht an die Boxen von Apple. Bei dem Brain Cube (der Zentrale) ist auf der Rückseite die Kurzanleitung für die Erstinstallation aufgedruckt.

Brain Cube (weiß) 

Der weiße Stein ist die Zentrale, der Brain – also das Gehirn. Er integriert WLAN und lässt sich darüber in dein vorhandenes heimisches Netzwerk integrieren. Übrigens unterstützt er bereits Airplay, DLNA soll bald folgen. Dafür hat der Homee Brain Cube einen Klinke-Audio-Ausgang, so das du ihn an deine Stereoanlage, oder an ein paar Speaker anschließen kannst. Im Lieferumfang des Brain liegt ein Netzteil mit USB Port und ein USB-Micro-USB-Kabel zur Stromversorgung des Homee bei. Auf der Unterseite hat der Brain Cube Gummifüße für einen sicheren Stand, an der Oberseite des Würfels befinden sich vier Magnetkontakte auf welche der nächste Stein aufgesetzt werden kann.

Erweiterungs-Bausteine

Die Verpackungen der Eweiterungssteine sind ebenso schlicht gehalten wie die des Brain Cube. Im Lieferumfang befindet sich logischerweise kein USB-Netzteil und -Kabel. An der Unter- und Oberseite jedes Steins befinden sich wieder die vier Magnetkontakte über welche das modulare System erweiterbar ist. Alle Bausteine, der Brain Cube inbegriffen, machen einen sehr hochwertig verarbeiteten Eindruck, welches vom Gewicht der Steine untermauert wird. By the Way: Der lila Würfel ist für Z-Wave, der Türkis-farbene Würfel ist für EnOcean.

Die Einrichtung (Erstinstallation)

Ich möchte vorausschicken: Mit der Installation kommt jeder zurecht, der schon einmal ein Smartphone bedient hat. Ich habe mir schon einige Smart Home Zentralen angesehen. In der Regel sieht die Installation gleich aus und muss über ein Webfrontend am PC oder Notebook erfolgen. Bei Homee nicht! Daher hatte ich bei der Installation ein echtes „Wow“-Erlebnis.

Homee muss nicht wie andere Smart Home Zentralen über ein LAN-Kabel an den Router angeschlossen werden. Er wird über WLAN mit dem Smartphone verbunden. Homee ist damit auch die erste Smart Home Zentrale die ich kenne, welche vollständig über das Smartphone eingerichtet wird. Alterantiv ist dies natürlich auch am PC oder Notebook möglich.

  1. Homee per USB Kabel mit dem Netzteil verbinden
  2. kostenlose Homee App herunterladen
  3. App starten und die Nummer welche sich auf der Unterseite des Brain Cube (weißer Würfel) befindet in das Anmeldefeld eingeben.

Homee öffnet zunächst ein eigenes WLAN. Die Installation ist daher ähnlich der bei Belkin Wemo (Philipp hatte sie getestet). Nur muss man bei Homee nicht in die Einstellungen des Smartphones wechseln um sich mit diesem WLAN zu verbinden, das passiert im Installationsassistenten automatisch wie von Geisterhand.

So kannst du in der Installation direkt fortfahren, dir deinen persönlichen Benutzernamen und Kennwort vergeben. Die Handlungsanweisungen sind in der gesamten Installationsroutine super verständlich beschrieben. Über das Wording scheint man sich lange Gedanken gemacht zu haben. Im letzten Schritt musst du nur noch auswählen, ob du Homee in deinem Netzwerk betreiben möchtest – somit kannst du auch von Unterwegs schauen ob Zuhause alles in Ordnung ist. Um Fernzugriff auf deinen Homee zu erhalten, benötigst du keinerlei Kenntnisse über Portfreigaben oder DynDNS. Diese Einstellungen übernimmt Homee für dich. Keine Angst, deine Daten bleiben immer auf deinem eigenen Homee und werden nicht auf anderen Servern abgelegt!

Alternativ kannst du aber auch Homee alleine betreiben, dabei hast du dann nur Zuhause in Reichweite des Homee Zugriff auf deine Hausautomatisierung.

Falls du dich dafür entscheidest Homee in dein Netzwerk zu integrieren, werden dir alle verfügbaren WLAN Netzwerke angezeigt. Hier nur noch das eigene WLAN Netz auswählen, das WLAN Passwort eingeben und schon ist die Installation abgeschlossen.

Geräte an Homee anmelden

Beim ersten Aufruf der App ist diese logischerweise ziemlich leer, denn es sind noch keinerlei Sensoren oder Aktoren angemeldet. Was kann ich denn jetzt alles anmelden?

Bei Z-Wave sind laut Codeatelier alle Geräte von Fibaro getestet worden. Da es im Z-Wave Funkprotokoll nur vier (Haupt-)Geräteklassen gibt, sollten auch Steckdosen und Schalter aller anderen Hersteller erkannt werden.

Zum Anmeldevorgang geht es über das Plus-Zeichen. Hier können die Geräte inkludiert (so nennt man bei Z-Wave den Anmeldevorgang) oder exkludiert (abgemeldet) werden. In der Homee.Oberfläche ist das viel einfacher beschrieben dort steht „Los geht’s“ oder „Gerät resetten“.

Ich hab zunächst den Z-Wave Fibaro Motion Sensor und eine Z-Wave Steckdose aus dem Hause Everspring genommen, welche auch den Verbrauch der angeschlossenen Geräte messen kann.

Anmeldevorgang

Um ein Z-Wave Gerät am Homee anzumelden, muss der Anmeldevorgang am Brain Cube über den Button „Los geht's“ gestartet und das Z-Wave Gerät in den Anlernmodus versetzt werden. Bei den meisten Z-Wave Geräten erfolgt dies über dreimaliges drücken der Taste am Gerät (Triple Click). Ansonsten einen Blick in die Anleitung der Komponente werfen. Wichtig, wie immer bei Z-Wave Geräten: Das anzulernende Geräte muss in der Nähe des Homee sein. Meine ersten beiden Anlernversuche sind genau deswegen gescheitert.

Leider sieht man während der Anlernphase nicht, was gerade passiert, daher hat mein Homee beim dritten Anlernversuch mit mir geschimpft „Aufhören zu drücken“, als ich die Taste an der Z-Wave Steckdose viel zu oft gedrückt habe. War der Anmeldevorgang erfolgreich, bestätigt es dir dein Homee mit einem „Hat geklappt“.

Es hat wirklich super geklappt. Die Everspring Steckdose wurde an den Homee angemeldet und zeigt mir nun den aktuellen Verbrauch der angeschlossenen Geräte in Watt an. Der Fibaro Motion Sensor zeigt neben Bewegung auch die aktuelle Temperatur an, die Helligkeit, welche der Fibaro Motion Sensor ebenfalls messen kann, wird leider noch nicht in der Homee App dargestellt.

Homee Gruppen

Ich habe jetzt erstmal nur zwei Geräte angemeldet. Kommen in Zukunft noch mehr Steckdosen, Rauchmelder, Fensterkontakte und vielleicht Heizkörperthermostate hinzu, so wird es schnell unübersichtlich. Dafür sind die Homee Gruppen gedacht. Hier lassen sich mehrere Geräte gruppieren. Wie du diese strukturierst, ob nach Räumen, Gewerken oder Gerätetypen, bleibt dir dabei völlig frei überlassen.

Homeegramme  - dein eigenes IFTTT

Das hier ist das eigentlich Spannende. Natürlich ist Homee „die Fernbedienung für dein Zuhause“. Aber Steckdosen nur über das Handy ein- und ausschalten ist noch keine Hausautomatisierung. Wie es der Name schon sagt soll etwas automatisch passieren.

Dazu sind die Homeegramme da. Sie ermöglichen das Starten einer Aktion bei einem bestimmten Auslöser. Dies kann ein Ereignis sein, wie zum Beispiel: der Bewegungsmelder erkennt eine Bewegung, oder die Steckdose wurde eingeschaltet. Ein Auslöser kann aber ganz einfach auch nur die Uhrzeit sein. So kann eine Aktion jeden Tag um 7:30 Uhr gestartet werden. Es können auch mehrere Auslöser kombiniert werden.

Ist die Wenn-Bedingung erfüllt, kann eine Aktion ausgelöst werden. So kann die Steckdose automatisch ein- oder ausgeschalten werden, wenn eine Bewegung erkannt wurde. Eine Aktion kann aber auch sein, das dir eine Push Nachricht von Homee auf dein Smartphone gesendet wird. Da man die Homeegramme nach dem Erstellen ganz einfach per Schieberegler einschalten oder deaktivieren kann, wäre es auch denkbar, eine Regel zu erstellen das man eine Pushnachricht erhält, wenn eine Bewegung erkannt wurde. Diese könnte man beim Verlassen der Wohnung aktivieren um sofort benachrichtigt zu werden wenn eine Bewegung erkannt und damit ungebetene Gäste da sind.

Kurz um, Homeegramme basieren auf dem Prinzip: Wenn das, dann mache dies und sind damit dem IFTT-Prinzip gleichzusetzten.

Aktionen lassen sich auch kombinieren. Also du kannst durch eine Aktion die Steckdose nicht nur automatisch einschalten, du könntest dir auch zeitgleich eine Pushnachricht senden lassen (Wer’s braucht). Homee kann als Aktion aber auch einen frei definierten Text als Sprachausgabe wiedergeben. Wenn du also Lautsprecher an den Audioausgang von Homee angeschlossen hast, oder ihn mit deiner Hi-Fi-Anlage koppelst, kannst du ein wenig Star Trek Feeling in deine Wohnung Einzug halten lassen. Eine sanfte weibliche Computerstimme könnte dir auch sagen, dass die Steckdose eingeschaltet wurde. Zum Posen vor den Kumpels solltest du dafür auf jedenfall ein Homeegramm anlegen :-)

Anwendungsbeispiele hom.ee

Zunächst habe ich gar nicht all die vielen Möglichkeiten gesehen, welche man in den Homeegrammen als „Auslöser“ verwenden könnte, bis ich festgestellt habe, dass man in der App die Zeile „Auslöser“ horizontal scrollen kann. So ist es möglich, bei dem Fibaro Motion Sensor neben der Bewegungserkennung auch die aktuelle Temperatur oder die aktuelle Helligkeit als Auslöser zu verwenden. Du könntest damit also die Steckdose Temperaturabhängig steuern falls du an dieser eine Elektro-Heizung oder ein Klimagerät angeschlossen hast. Natürlich kannst du die Temperatur, welche der Fibaro Motion Sensor meldet, auch nutzen um die Z-Wave Danfoss Thermostate zu steuern, welche deine Heizung regulieren.

Bei der Steckdose kann eine Aktion aufgrund des Erreichen, sowie Über- oder Unterschreiten des aktuellen Verbrauchs ausgelöst werden. So könnte man zum Beispiel das HiFi Board komplett abschalten, wenn die Geräte nur im Standby sind und somit Strom sparen.

Alle Funktionen können auch am PC oder Notebook genutzt werden für all jene die kein Android oder iOS Smartphone haben. Dazu einfach auf https://hom.ee/login.html mit der Homee Gerätenummer und dem Benutzer plus Passwort anmelden.

Fazit

Das Designkonzept von Homee ist rund und schlüssig. Die Würfel müssen nicht in Schränken versteckt werden, sondern sind so schick, dass Sie nicht nur im Wohnzimmer stehen können, sondern es fast sogar müssen. Dank integriertem WLAN ist man bei der Platzierung von Homee sehr frei.

Die Installation ist super einfach gehalten und kann vollständig über das Android-Smartphone oder ein iPhone erfolgen. Dank der Erweiterungswürfel mit Z-Wave und EnOcean sind bereits jetzt schon eine Vielzahl von Smart Home Komponenten verschiedenster Hersteller kompatibel. Ich freue mich schon auf den Zigbee Würfel, denn dann können auch die Philips Hue Leuchten eingebunden werden und das laut den Entwicklern direkt – ohne Philips Hue Bridge.

Empfehlen würde ich Homee allen Smart Home Einsteigern und denen, die nicht auf komplexe Systeme wie zum Beispiel von Fibaro setzen möchten oder all denen, die jetzt zukunftssicher mit Smart Home starten möchten.

Der Homee Brain Cube wird 129 Euro, jeder Erweiterungs-Baustein (Z-Wave sowie EnOcean) soll 99 Euro kosten. Es wird auch Startersets geben in welchen der Brain Cube und je ein Erweiterungs-Baustein enthalten sind. Diese liegen bei je 199 Euro

Homee birgt ein großes Potenzial, das es gilt auszuschöpfen. Da der Brain Cube per WLAN mit dem Netzwerk verbunden ist, wäre eine Integration von anderen WLAN Smart Home Komponenten wie den Steckdosen von Belkin WeMo, oder der Wetterstation von Netatmo denkbar. Ich bin gespannt was Homee in Zukunft alles lernen wird!

Über diesen Gastbeitrag

Dieser Artikel erschien zuerst auf siio.de. Die Seite von Chris Bertko alias „crissxcross“ dreht sich rund ums Thema Hausautomatisierung.

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