06.06.14

iKettle: Der smarte Wasserkocher kocht... auch nur mit Wasser. Der Test!

Wie jetzt? Ein smarter Wasserkocher? (Foto: Sven Wernicke)

Neulich habe ich ein Foto bei Instagram veröffentlicht und über Twitter sowie Facebook geteilt. Die Kommentare der Bekannten: „Spielereien, die die Welt nicht braucht.“, „Crazy Sachen gibt’s...“, „Cool!“, „Was für ein Blödsinn!“ oder gar ein ironisches „Hört sich sinnvoll an.“ Mein Fotomotiv: der iKettle, ein smarter Wasserkocher mit Wi-Fi-Verbindung und Smartphone-Steuerung.

Wie jetzt? Ein smarter Wasserkocher? (Foto: Sven Wernicke) Wie jetzt? Ein smarter Wasserkocher? (Foto: Sven Wernicke)

Mal ehrlich: Ein Wasserkocher für die Küche braucht nun wirklich keine Anbindung ans heimische Wi-Fi-Netz. Oder etwa doch? Die Erfinder von iKettle sind davon überzeugt, dass dies einen Mehrwert darstellt. Dank Händler und neuerdings.com-Sponsor Coolstuff ist das Gerät nun auch in hiesigen Gefilden für knapp 140 Euro erhältlich. Ein stolzer Preis, keine Frage. Denn nach dem Auspacken wird klar: Hey, das ist ja ein Wasserkocher! Mit einem Fassungsvermögen von 1,8 Litern und maximal 2.200 Watt gehört das aus Edelstahl und Plastik bestehende Gadget immerhin zu den großen und leistungsstarken Vertretern.

Aber: Mit ähnlicher Ausstattung zahlt man für vergleichbare Modelle 100 Euro weniger. Für meinen eigenen Liebling, den Gastroback Colour Vision mit grandiosen LED-Spielereien (darum hatte ich ihn gekauft!), 2.400 Watt und 1,5 Liter Kapazität gab ich vor einigen Monaten keine 50 Euro aus. Daher wirkt der Aufpreis für die smarten Funktionen doch sehr hoch, zumal dadurch nur eine Funktion ergänzt wird: Via Smartphone oder Tablet kann der Wasserkocher gesteuert werden. Das Auswählen der Temperaturen oder eine Warmhaltefunktion gibt’s längst auch im niedrigen Preissegment und stellen daher keine Alleinstellungsmerkmale dar.

Doch vielleicht ist WLAN ja echt eine großartige Sache?

Basisfunktionen

Wer gerade mal kein Smartphone parat hat, kann iKettle natürlich als regulären Wasserkocher einsetzen. Die Bedienung ist simpel und schnell erklärt: Der schnurlose Behälter wird mit Wasser gefüllt und auf die Basisstation gestellt. Standardmäßig leuchtet die Start-Taste rot auf und blinkt kontinuierlich. Mit einem Druck auf diese wird regulär das Wasser bei 100 Grad (schwarzer Tee) gekocht. Die weiteren Tasten ermöglichen eine gewünschte Temperatur, genauer 95 Grad (Kaffee), 80 Grad (Weißer Tee) und 65 Grad (Grüner Tee). Zudem gibt’s eine Taste, mit der Wasser normalerweise 20 Minuten lang warm gehalten werden kann - in gewünschter Temperatur. Ein Piepton ertönt, sobald das Wasser heiß genug ist. Problematisch: Wünscht man nur 65 Grad warmes Wasser, kocht iKettle dieses nicht zuvor und kühlt es danach bis zum Ziel ab, sondern beendet den Vorgang beim Erreichen von 65 Grad. Keime abzutöten ist so nicht möglich! Sicher ist die Qualität des Wassers hierzulande gut genug, doch manchen Menschen dürfte dieser Aspekt sehr wichtig sein.

Ansprechendes Design. (Foto: Sven Wernicke) Ansprechendes Design. (Foto: Sven Wernicke)

Okay. Soweit ist iKettle ein normaler Wasserkocher. Und wo sind nun die smarten Elemente?

Smarte Funktionen

Der iKettle baut ein eigenes Wi-Fi-Netz auf, über das man sich mit einen iOS- oder Android-Gerät verbinden kann, um ihn zu konfigurieren. So erfolgt die erste Einrichtung. Danach genügt es, wenn sich iKettle und Smartphone oder Tablet im gleichen Netzwerk befinden. Die Ernüchterung folgt schnell: Der Wasserkocher kann nicht aus der Ferne aus einem anderen Netz angesprochen werden, um das Gerät zum Beispiel auf Arbeit einzuschalten und daheim die perfekte Temperatur für seinen Tee zu erhalten. Dieses Funktion wäre sicherlich eine große Bereicherung, ist nur leider technisch nicht möglich. Die Erfinder versuchen diesen „Makel“ mit der App etwas zu kaschieren: Mit dem Wake-Up-Modus kann man festlegen, wann sich iKettle akustisch am Smartphone meldet und danach fragt, ob er Wasser kochen soll. Das kann jeden Tag zur gleichen Zeit oder beliebig nach Bedarf sein. Sinnvoll ist diese Funktion sicherlich unter der Woche zum Aufstehen.

Weiterhin verfügt iKettle über den Home Mode. Wer tagtäglich trotz Stau, Überstunden etc. einschätzen kann, dass er zu festen Uhrzeiten nach Hause kommt, weist die Maschine darauf hin, dass sie beispielsweise zwischen 17 und 18 Uhr automatisch mit dem Kochen beginnt, wenn man sich in der Nähe befindet. Hierzu definiert man eine „Home Location“, also den eigenen Wohnort. In der Tat ersetzt dieser Modus die komplette Fernsteuerung, die mir persönlich dennoch lieber gewesen wäre, gut und zuverlässig. Voraussetzung ist, dass man sich mit seinem Smartphone im gleichen Netzwerk befindet. Schaltet man WLAN unterwegs ab, klappt der Home Mode nicht.

Kochen via App. (Foto: Sven Wernicke) Kochen via App. (Foto: Sven Wernicke)

Teekenner können in der iKettle-App sogar selbst festlegen, wie lange ihre Portion Wasser köcheln soll. 500 Milliliter für genau 3 Minuten und 45 Sekunden? Kein Problem. In den Optionen eingestellt, klappt dies sofort auf Knopfdruck. Ist die Zeit abgelaufen, stoppt das Erhitzen.

Optional gibt’s noch ein paar Tipps und Tricks, die über das Internet direkt aus der App heraus aufgerufen werden. Unspektakulär, aber wer mehr erfahren möchte, bekommt hier einen Guide zum richtigen Kochen von Tee oder die digitale Variante des Handbuchs.

Potential?

Irgendwie ist iKettle nicht ganz das, was ich mir persönlich erhofft hatte. Gerade eine vollständige Fernsteuerung hätte ich mir gewünscht. Wieso auch nicht, wenn sich der Wasserkocher eh schon im Wi-Fi-Netz befindet? Was spräche gegen eine Fernsteuerung über das Handynetz, bevor man nach Hause kommt? Das klappt zwar weitgehend auch dank des Home Mode, muss aber dann programmiert werden. Außerdem wirkt das gesamte Gerät zwar durchaus wertig, aber ziemlich unspektakulär. Ein wenig vermisse ich etwas mehr „Spielerei“. Schön wäre es gewesen, hätte ich die akustische Meldung (= Piepton) des erfolgten Wasserkochens individualisieren können. Oder gar die roten bzw. blauen LEDs direkt am Wasserkocher. Eine weitere, beliebig individualisierbare Taste für eine gewünschte Temperatur (75 Grad z.B.) wäre ferner interessant gewesen. Da gäbe es sicherlich noch viele Ideen für ein besseres, ausgefeilteres und vor allem smarteres Produkt.

Was ernsthaft fehlt: Eine Wasserstand-Anzeige in der App. Wenn man im Wohnzimmer den Kocher anwerfen möchte, weiß man nie, ob sich noch genügend Wasser im iKettle befindet. Er schaltet sich auch an, wenn das Gerät leer ist. Suboptimal.

Fazit: Wasserkocher eben!

Am Schluss bleibt die ganz nüchterne Erkenntnis: Der iKettle kocht auch nur mit Wasser. Nun, er ist eben in erster Linie ein teurer Wasserkocher, dessen Besonderheit die Smartphone/Tablet-Steuerung ist. Im Zweifel ist eine Bedienung am Gerät möglich, sodass auch unerfahrenere Nutzer (in der Familie) mit diesem zurechtkommen. Störend sind allerdings einige Punkte: Wieso muss die Power-Lampe ständig aufleuchten? Weshalb wird das Wasser nicht erst gekocht, um dann auf die gewünschte Temperatur abzukühlen? Und warum ist der Preis so happig?

Ein regulärer Wasserkocher. (Foto: Sven Wernicke) Ein regulärer Wasserkocher. (Foto: Sven Wernicke)

Es sei betont: iKettle funktioniert tadellos, ist ein witziges Gadget und im Alltag durchaus eine kleine Bereicherung. Es überwiegt aber der „Gag“-Aspekt, für den der Wasserkocher einfach zu teuer ist. Wer aber weniger auf das Geld schauen muss, ein solides Produkt mit dem gewissen „Etwas“ wünscht, tätigt hier sicherlich keinen Fehlkauf.

Bei Coolstuff kann man das Gerät hier kaufen.

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