03.09.07

IFA 2007 live: Hat Loewe wirklich dafür den IFA Preview Award gewonnen?

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Loewe versucht mit "Loewe Connect", den Fernseher zum Computer zu machen - und gewinnt dafür einen Award. Zu Recht?

DSC 6881"Digitale Medien haben einen neuen Treffpunkt", "Die Homebase für Home Entertainment", "Willkommen im Zeitalter vernetzter Unterhaltung" - so klingen die gross plakatierten Werbesprüche von Loewe Connect. Und auf der Website freut man sich über eine jüngst erhaltene Auszeichnung:

 

Mehr als 250 Journalisten sprachen den "PreView-Award" für die "Innovation IFA 2007" der Premiummarke Loewe zu. Wo von viele schon lange geträumt und geredet haben, Loewe hat es geschafft: Loewes neuer Fernseher "Conncet" verbindet die Fernseh- und die Computerwelt drahtlos über eine einzige Fernbedienung!

Mit dem "PreView-Award" für die "Innovation IFA 2007" wird Loewes innovativer Ansatz geehrt, über die neue Fernseher-Familie "Connect" und eine einzige Fernbedienung Musiktitel, Videos, Spiele oder andere, digital im Computer gespeicherten Daten drahtlos in HD-Qualität auf den Fernseher ins Wohnzimmer zu bringen. "Mit dem 'Connect' möchten wir den Konsumenten den Zugriff auf digitale Daten in höchster Qualität bieten", sagte Loewe-Sprecher Dr. Roland Raithel anlässlich der Preis-Verleihung auf der "IFA-PreView 2007". Den "PreView-Award" für Design vergaben die Journalisten für den "Individual 52 Compose" ebenfalls an Loewe.

Den Design-Award gönnen wir ihnen, schick aussehen tut er - allerdings möchte ich nicht bei abmontierten Firmenschildern die aktuellen Fernseher den Herstellern zuordnen müssen. Der Drang zur schwarzen Schlichtheit lässt alle recht ähnlich aussehen.

 

 

Zurück zu "Loewe Connect". Wenn Fernseher auf Computer treffen, gibt es zwei verschiedene Ansätze: Man steuert die Benutzeroberfläche vom Computer aus, und der Fernseher ist das Abspielgerät (Microsoft Home Server etc.), oder umgekehrt: Der Fernseher ist der Computer, und der Computer ist nur die externe Festplatte. Eigentlich sollte es keinen grossen Unterschied machen, heute ist ja sowieso alles ein Computer.

Denkt man, bis man am Loewe-Fernseher die relativ schlichte Oberfläche sieht, mit der er auf andere Speichermedien im Netzwerk zugreift.

 

Ausser dem State-of-the-Design-Lichteffekt beim "Nach-oben"-Icon sieht man nur eine normale Dateistruktur.

 

Letztlich ist das nicht "ein neuer Treffpunkt digitaler Medien", sondern nur ein Directory-Browser, dessen Interface ist nicht hübscher ist als das eines mittelmässigen aktuellen MP3-Players. Natürlich, über Geschmack kann man sich streiten, aber besser als das sah das Windows Media Center schon vor zwei Jahren aus - und Apple TV heute sowieso.

Soweit zur Optik.

Neben der geshareten Festplatte, auf die man gemeinsam zugreift, oder dem USB-Stick oder der Kamera, die man direkt am Fernseher anhängt, hat dieser auch eine eigene Festplatte, mit der man Timeshift oder Aufnahmen machen kann - die man dann aber nicht von dort runterziehen kann, "aus lizenztechnischen Gründen", wie uns gesagt wird.

An der Stelle kippt das Konzept völlig ins unsinnige. Man kann über die Home Server, die das Wohnzimmer erobern wollen, finden, was man will, aber dass sie alle Daten auf einer Festplatte konsolidieren wollen, auf die man dann mit möglichst vielen Devices zugreifen kann, scheint stimming.

Bei Loewe dagegen hat man ein Fernseher-zentriertes System, das vielleicht für Leute sinnvoll ist, die keinen Computer haben, aber kaum die Lösung für das Home Entertainment der Zukunft sein dürfte. Insofern war beim "IFA Preview Award" wohl auch ein Schuss Heimbonus dabei.

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