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04.07.14

iCloak Stik: Handliche Tarnkappe fürs Internet

iCloak Stik

Mit einem simplen USB-Stick soll man nahezu jeden Computer der Welt im Handumdrehen in eine abgesicherte Arbeitsstation verwandeln können – neugierige Mitmenschen und staatliche Institutionen haben dann ebenso wenig eine Chance wie Viren und andere Schadsoftware. Das versprechen die Macher des iCloak Stik, die aktuell auf Kickstarter um Unterstützer werben.

iCloak Stik iCloak Stik

Aus meiner persönlichen Sicht ist es eine wichtige Grundlage einer funktionierenden Demokratie, dass sich Menschen ohne Angst vor Überwachung und Repressionen austauschen können. Wie gerade dieser Tage herauskam, sieht das ja beispielsweise die US-amerikanische NSA etwas anders und klassifiziert alle Menschen, die sich fürs anonyme Surfen via „Tor“ interessieren als Extremisten. Am anderen Ende der Skala finden wir die Electronic Frontier Foundation, die gerade zur Nutzung von Tor aufruft und in diesem Artikel einige populäre Irrtümer aufklärt.

Die gute Nachricht ist aber: Es gibt jede Menge Tools und Möglichkeiten, um sich gegen allzu neugierige staatliche Institutionen zu schützen. Die schlechte Nachricht: Sie erfordern oft einiges an Fachwissen. Die Macher des „iCloak Stik“ wollen das nun erheblich vereinfachen. Man steckt diesen USB-Stick in einen Computer, startet den Rechner neu und schon ist man geschützt – innerhalb der Grenzen des Machbaren. Das folgende Video zeigt wie das funktioniert und aussieht:

Die Macher sagen, dass ihr Stick mit jedem 64-Bit-Computer funktioniert – unabhängig davon, ob auf diesem Rechner nun eigentlich Windows, OS X oder Linux läuft. Sie schränken allerdings ein, dass sie das nicht hundertprozentig garantieren können, dafür gibt es dann doch zu viele mögliche Hardware-Varianten.

Im Prinzip liefert der iCloak Stik ein Betriebssystem inklusive Software. Genauer gesagt handelt es sich dabei um ein angepasstes Ubuntu Linux und das auf dem Firefox basierende Tor Browser Bundle. Die „Pro“-Variante des Sticks kommt außerdem mit Alternativen zu Microsoft Office, Messenger-Programmen und einigem mehr.

Was der Stick laut Selbstdarstellung leistet:

  1. Via Tor oder I2P wird die eigene IP-Adresse verschleiert. Es lässt sich also nicht mehr direkt zurückverfolgen, von wo/wem eine Website aufgerufen wurde.
  2. Man kann Geo-Sperren umgehen, in dem man sich das Land aussucht, aus dem man zum Schein kommen möchte.
  3. Es wird jeweils eine neue Hardware-Kennung (MAC-Adresse) erzeugt, wenn man sich mit einem Netzwerk verbindet, so dass auch diese Möglichkeit der Rückverfolgung entfällt.
  4. Auf dem genutzten Computer werden keine Spuren hinterlassen – keine Cookies, kein Browser-Verlauf, keine Login-Daten etc.
  5. Das iCloak-Betriebssystem startet immer im gleichen Zustand, wodurch dauerhafte Infektionen mit Schadsoftware nicht möglich ist.
  6. Auf dem USB-Stick gibt es einen „sichtbaren“ Abschnitt, um Dateien abzuspeichern und von jedem Computer abrufen zu können. Der Teil mit dem iCloak-Betriebssystem soll hingegen „unsichtbar“ sein.
  7. Es werden keinerlei Informationen über die Nutzung oder den Besitzer auf dem Stick selbst abgespeichert. Selbst wenn er gestohlen wird, kann man also nichts über seinen eigentlichen Besitzer herausfinden. Das gilt logischerweise nicht für die Dateien, die man im sichtbaren Teil abgespeichert hat.

Alternativen

Alles in allem ist der iCloak Stick natürlich kein Hexenwerk. Er basiert auf frei verfügbaren Open-Source-Technologien. Wer sich entsprechend auskennt, kann das Tor Browser Bundle oder zum Beispiel Tails nutzen, um etwas Ähnliches zu erreichen. Allerdings hat der iCloak Stik natürlich den Vorteil, für einen breiteren Anwenderkreis verständlich zu sein.

Wir hatten euch in der Vergangenheit außerdem schon den Safeplug vorgestellt, der ganz ähnlich funktioniert, aber fürs heimische Netzwerk gedacht ist. Dazu das auf einem Raspberry Pi basierende Bastelprojekt Onion Pi Tor Proxy, mit dem man vergleichsweise einfach aus einem Internetzugang einen über Tor abgesicherten Internetzugang machen kann.

Grenzen der Sicherheit

Bei alldem sollte man sich allerdings über die Grenzen der Sicherheit im Klaren sein, die ein iCloak Stik und ähnliche Angebote bieten können. Zum einen ist man nie davor gefeit, dass es unerkannte Sicherheitslücken gibt, die von staatlichen Institutionen ausgenutzt werden. Zum anderen lässt sich so manche Sicherheitsmaßnahme mit entsprechendem technischen Aufwand aushebeln. Mit dieser interaktiven Infografik der Electronic Frontier Foundation kann man sich beispielsweise ansehen, was trotz Tor noch von wem einsehbar ist. Mehr über Tor im Allgemeinen habe ich hier aufgeschrieben.

Das größte Risiko aber ist die Person, die vor dem Computer sitzt. Ein Anonymisierungsdienst nützt beispielsweise nichts, wenn man sich dann trotzdem einfach in seine gewohnten Accounts einloggt oder gar seine reguläre E-Mail-Adresse hinterlässt. Ich sehe da die Macher des iCloak Stik in der Verantwortung, ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen. Und das kommt mir persönlich sowohl auf der Kickstarter-Seite als auch der offiziellen Website zu kurz.

Preis und Verfügbarkeit

Einen iCloud Stik bekommt man derzeit, in dem man mindestens umgerechnet rund 33 Euro vorschießt. Der internationale Versand ist darin bereits enthalten. Die Sticks sollen dann ab September ausgeliefert werden.

Weitere Informationen dazu findet ihr auf der Kickstarter-Projektseite sowie der offiziellen Website. Gefunden haben wir den iCloak Stik bei TechCrunch.

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