19.06.13

Huawei Ascend P6: Chinesen erobern die preisliche Mittelklasse

Huawei Ascend P6 - Oberklasse-Telefon zum Mittelklasse-Preis. Alle Bilder: Huawei

Huawei wird es nicht gerne hören: Das Ascend P6 löst beim westlichen Betrachter keinen Wow-Effekt aus - trotz vieler Top-Eigenschaften. Interessant jedoch ist der Preis des Smartphones: Der ordnet sich im Mittelklasse-Segment ein und dürfte die anderen Hersteller unter Zugzwang setzen.

Huawei Ascend P6 - Oberklasse-Telefon zum Mittelklasse-Preis. Alle Bilder: Huawei

Die Chinesen kommen - und das mittlerweile schon seit Jahren. Die Prophezeiungen, dass Anbieter wie Xiaomi, ZTE und Huawei die westeuropäischen Märkte für Smartphones und Tablets mit Kampfpreisen aufrollen, lösen mittlerweile Gähnen aus. Passiert ist das nämlich bisher nicht.

Die Chinesen sind zwar da, aber die Europäer greifen trotzdem lieber zu Samsung, Apple, LG und Co. Denn bisher ist die Revolution ausgeblieben: Kampfpreise nur zum Teil, Hardware mit Schwächen, die Benutzeroberflächen mit einem für Europäer ungewohnten Verständnis von Design und Benutzerfreundlichkeit. Huawei will das mit dem Ascend P6 ändern. Und das starke Smartphone könnte tatsächlich eine kleine Revolution anzetteln - nur anderswo, als von vielen erwartet.

 

Das dünnste Smartphone der Welt soll es sein, sagte man bei Huawei gestern. Ein Titel, bei dem man mit Superlativen vorsichtig sein muss. Denn das Rennen ist hier unüberschaubar geworden. Wer jetzt der dünnste ist, wird es zumindest nicht lange sein. Aber so oder so: die 6,18 Millimeter wirken in der Tat sehr schlank im Vergleich zu iPhone 5 (7,6) und Galaxy S4 (7,7). Die Kameralinsen mit hinten 8 und vorne stolzen 5 Megapixeln bieten trotz der geringen Linsengröße im ersten Eindruck gute Bilder. (Ob allerdings so viel besser als iPhone 5 und Galaxy S4, wie gestern bei der Vorstellung angepriesen, müssen genaue Tests zeigen.) Auch die Verarbeitung des Aluminium-Rahmens ist hochwertig. Johannes war, wie ich, gestern vor Ort und stellt euch die Details hier im Video vor:

www.youtube.com/watch

Huawei hatte hunderte Medienvertreter aus der halben Welt zur Präsentation nach London geladen. Ein Aufwand, den Hersteller für gewöhnlich nur für ein absolutes Flaggschiff betreiben. Entsprechend auch die Begeisterung der Offiziellen um Richard Yu, CEO von Huaweis Consumer Business Group. Das Publikum zeigte sich weniger euphorisch, stellte Fragen zum fehlenden LTE-Chip (der soll erst in der 2. Auflage mit enthalten sein, die ab Oktober ausgeliefert wird) und zur Notwendigkeit der eigenen, stark angepassten Android-Oberfläche Emotion UI.

Letztere bietet zahlreiche intelligente Widgets und rund 1.000 Themes nach vornehmlich asiatischem Geschmack, um die Oberfläche anzupassen. Eine aufgezwungene Eigenschaft, die nicht mehr überall auf Gegenliebe stößt. Viele Anwender wünschen sich ein Stock-Android, also eine "nackte" Android-Oberfläche ohne derartige Anpassungen seitens der Hersteller.

An den technischen Eigenschaften des Ascend P6 gibt es wenig auszusetzen. Ein Quadcore-Prozessor mit 1,5 GHz (Eigenentwicklung K3V2, basierend auf einen Cortex A9) sollte für einen flüssigen Betrieb sorgen. 2 GB RAM sind drin, die 8 GB interner Speicher hingegen sind eher unterer Durchschnitt, lassen sich aber mit einer MicroSD-Karte erweitern. Mit 120 Gramm ist es trotz der Größe (4,7 Zoll Display) ein Leichtgewicht. Der Akku liegt mit 2.000 mAh im oberen Mittelfeld. Geschmacksfrage bleiben Aussehen und Emotion UI. Und auch die neu entwickelte Kamera-App mit Smart-Funktionen wie "Verjüngung" des Objekts sind nichts, was man nichts anderswo in ähnlicher Form schon gesehen hätte. Verfügbarkeit in Deutschland: ab Ende Juli.

Interessant wird die Sache beim Blick auf den Preis: 449 Euro verlangt Huawei dafür als UVP. Das ist als Einstiegspreis für ein Smartphone dieser Klasse gering, weil es online effektiv für deutlich weniger verkauft werden wird. Die Preise dürften schon in wenigen Wochen in den meisten Shops eures Vertrauens auf unter 400 Euro und bis Ende des Jahres auf unter 350 Euro fallen - was ein gutes Geschäft wäre. Das Ascend P6 gefällt mir persönlich optisch zwar nicht so gut, als dass ich es mir kaufen würde, es ist aber das erste von Huawei, bei dem mich die Verarbeitung auf den ersten Blick so überzeugt, dass ich es bedenkenlos weiterempfehlen würde.

Sie kommen, die Chinesen. Sie fallen nicht von heute auf morgen in die etablierten Märkte ein, und sie überschwemmen den Markt auch nicht mit Gigahertz-Wundern für 150 Euro. Sie schleichen sich vielmehr langsam herein, sie haben im Falle von Huawei verstanden, dass es um mehr geht als nur RAM, Auflösung und Taktraten und sie haben die Möglichkeit bewiesen, die Hersteller von Oberklasse-Smartphones preislich in die Mittelklasse zu zwingen. Kampfpreise allerdings - es gab Gerüchte um einen Einstiegspreis um 250 Euro - bietet auch Huawei nicht an. Täten sie das, käme der Markt gänzlich in Unordnung. Aber ganz ohne Marge will auch Huawei das Rennen offensichtlich nicht angehen.

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