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03.02.08

HTC Touch Dual: Business-Handy mit iPhone-Touch

HTC Touch Dual Flat Slider

Das HTC Touch Dual ist ein Business-Handy mit Windows Mobile, das mit Daumenbedienung auf dem Touch-Display ein bisschen iPhone-Feeling aufkommen lässt. Die Stärken des Handys liegen aber nicht in der eher dürftigen Fingerbedienungsoberfläche, sondern in seinem Inneren. Gute Synchronisation mit Microsofts Bürohelfern aus Outlook und Office sowie durchdachte Telefonfunktionen und flinke Datenversorgung mit UMTS und HSDPA machen das Handy zum hübschen und nützlichen Business-Begleiter.


Business-Handy mit Daumenbedienung - das HTC Touch Dual (Bild: HTC)

Handys unter Windows Mobile haben den zweifelhaften Ruf, ziemlich bockige Arbeitshelfer zu sein. Ist das neuste Windows Mobile 6 Professional auf einem flinken Handy nun endlich businesstauglich?

 

Die Antworte lautet: "Ja, aber es braucht beim Surfen Nerven oder Zusatzsoftware." Dass sich ein Windows-Handy so einfach bedienen lässt wie der Apple-Konkurrent, versucht HTC mit ihrer eigenen Softwareerweiterung TouchFlow zu erreichen. Der Trick dabei: Die Empfindlichkeit des Touch-Displays wird auf Daumendicke angepasst und das Telefon soll dann Fingerzeichen erkennen. Fährt man beispielsweise mit dem Daumen von unter über den Bildschirm, "rollt" sich das Touch-Menü auf das Display. Als Erstes erscheinen die neun Lieblingskontake inklusive Bildchen auf dem Handy. Antippen genügt, damit ein Anruf erfolgt. Däumelt man nochmals, rotiert die Benutzeroberfläche zur Mitteilungszentrale, wo flink E-Mails und SMS abgefragt werden können. Ein dritter Daumeneinsatz fördert das Multimedia-Menü für Filme und Musik auf das Display. Wer lebensmüde ist, kann also problemlos mit einer Hand am Steuerrad seines Autos kurbeln und mit der zweiten das Smartphone bedienen.

TouchFlow ist neckisch, aber in der Praxis zückt man dann doch meist wieder den Stift, um das Handy wirklich zu bedienen. Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen: Natürlich funktioniert die Tapserei auch beim Betrachten von Fotos, hier kann man also Geschäftskollegen mit "Schau, mein Handy hat auch eine Daumendiashow" beeindrucken. Eine 2-Megapixel-Fotokamera, es sei brav erwähnt, befindet sich auch im Touch Dual.


Das Touch Dual enthält einen gängigen 2-Megapixel-Knipser. (Bild: HTC)

Microsoft mag Microsoft

In der Praxis ergeben aber andere Dinge am HTC deutlich mehr Sinn. Beispielsweise die schnelle und schon beinahe fehlerfreie Synchronisation mit dem Business-Sklaventreiber Microsoft Outlook. Die Kontaktdaten landen mit sämtlichen Kommentaren und den meisten Spezialfeldern auf dem Handy. Die Zuordnung von speziellen Klingelzeichen oder Anwahlkommandos per Stimme ist simpel. Die Bedienoberfläche ist in Version 6 von Windows Mobile auch endlich so praxisnah, dass man wirklich flink per SMS, Mail oder Gespräch kommuniziert. Auch Agenda und Aufgaben werden vernünftig zwischen PC oder Firmenserver und dem Handy abgeglichen.

Word- und Excel-Dateien lassen sich auf dem kleinen Bildschirm mit 6,5-Zentimeter Diagonale und lediglich 320 x 240 Pixeln Auflösung (QVGA) allerdings nur mühsam bearbeiten. Microsoft hat es aber nun immerhin geschafft, dass der Austausch zwischen Mobilgeräten und PC-Versionen klappt, ohne gleich sämtliche Formatierungen zu zerstören.

Huch, es funktioniert!

Beim Testen des HTC Touch Dual entdeckte ich aber ganz andere, mir bisher unbekannte Erfreulichkeiten. So kann man beispielsweise das Telefon stummschalten und alle Anrufer automatisch mit einer individuell bestimmbaren SMS-Mitteilung abwimmeln. Der Anrufer hängt also nicht nur sinnlos in der Leitung sondern erhält die Nachricht: "Meine Sitzung dauert noch bis 16 Uhr, danach bin ich wieder zu erreichen". Da SMS heute auch auf Fixanschlüsse via Sprachsynthese übermittelt werden, ergibt das Ganze sogar Sinn.

Gestaunt habe ich auch über andere Fortschritte. So war beispielsweise die Handschrifterkennung "Transcriber" in der Vergangenheit eine Mischung zwischen Lachnummer und Ärgernis. Bei Transcriber darf man in seiner persönlichen Handschrift mehrzeilig auf das ganze Display kritzeln. Die Software erkennt dann die Schrift und übersetzt sie in saubere Zeichenfolgen. Früher war Transcriber eigentlich unbrauchbar, weil es entweder Ewigkeiten dauerte, bis die Handschrift übersetzt wurde oder das Ergebnis eher zufällig war. In der 6er-Version hat nun aber die Handschrifterkennung Marktreife erlangt. Dazu beigetragen haben sicher auch der flinke Prozessor (Qualcomm MSM7200, 400 MHz) im Touch und dessen fette Speicherausstattungen (128 MB RAM, 256 MB Flash).

Mein Beitrag zum Transcriber-Erfolg war, das Lernprogramm wirklich einmal durchzuklicken. Dabei definiert man, wie man bestimmte Buchstaben normalerweise schreibt und vor allem auch, welche Schreibart man nie verwendet. Der Erfolg war verblüffend. Sogar ich kann nun mit meiner Kralle einfach "Meeting Neuerdings Zürich" auf das Display kritzeln und schon ist der Termin perfekt eingetragen.

Immer fehlerfrei geht das natürlich noch immer nicht, deshalb kann man wie bisher Texte auch mittels Mini-Tastatur oder Einzelzeichenerkennung (Buchstabenerkenner) erfassen. Mit Transcriber geht es aber eindeutig am intuitivsten. Letztlich kann man bei Slider-Phone auch noch eine übliche Telefontastatur unter dem Display hervorschieben und so in gewohnter SMS-Manier ebenfalls Texte eindäumeln.

Flink mit HSDPA

Überlegen ist das Touch Dual seinem Apple-Konkurrenten bezüglich Handy-Datenkommunikation. Das uns von Orange zur Verfügung gestellte Modell unterstützte alle flinken Datentransfers, sei es via GPRS, EDGE oder UMTS/HSDPA. Damit liessen sich in der Praxis bis 2 Mbit/s Transferrate erreichen, laut Werbung wären es bis 3,6 Mbit pro Sekunde. Schmerzlich vermisst haben wir allerdings WLAN-Konnektivität, hier punktet Apple mit seinem iPhone.


Zwinkern beim Plaudern dank Videotelefonie. (Bild: HTC)

Selbstverständlich kann man mit dem HTC videotelefonieren und das Telefon als flinkes Modem am PC nutzen. Auch hier überraschte uns positiv, dass sich das HTC mit herkömmlichem Mini-USB-Stecker verbinden und auch laden lässt. Die USB-Dose des HTC-Telefons ist nebenbei auch gleich noch Konnektor für das mitgelieferte Headset. Dessen Audiofähigkeiten sind übrigens nur mässig.

Absolut untauglich der auch bei Windows Mobile 7 integrierte Webbrowser, der an den Internet-Explorer angelehnt ist. Hier hilft nur der Griff zur Konkurrenz von Opera, welche allerdings nach 30-Tage-Test 19 Euro kostet.

Telefonieren kann man mit dem Touch Dual auch. Die Gesprächsqualität am Gerät ist gut, die Freisprechfunktion dürfte lauter sein. Das Headset ist mässig. Die Gesprächszeiten betragen laut Hersteller im GSM-Netz sechs Stunden, im UMTS-Netz sind es nur noch vier Stunden. Der Akku soll bis 10 Tage Standby-Betrieb bieten.

Warten auf den Nachfolger

Das HTC Touch Dual war während einiger Tage ein geschätzter Begleiter. Letztlich vermisste ich aber WLAN für das schnelle, günstige Surfen unterwegs und auch eine GPS-Navi-Lösung wäre wünschenswert. HTC scheint allerdings diese Wünsche ebenfalls gehört zu haben und hat mit dem HTC Touch Cruise bereits den Nachfolger lanciert. Das Cruise verfügt, welch ein Zufall, über GPS-Navigation und WLAN. Falls ich ein Cruise in die Finger kriege, werden Sie hier darüber lesen.


Das Cruise kommt mit GPS und WLAN. (Bild: HTC)

Das HTC Touch Dual gibt es in der Schweiz beispielsweise bei Orange, welche uns auch das Testgerät zur Verfügung stellte. Ohne Abo ist es für rund 720 Franken erhältlich. In Deutschland ist es bei diversen Anbietern ab 475 Euro zu haben.

Weiter Testberichte zum HTC Touch Dual gibt es in englisch bei coolsmartphone und infoSync . Engadget hat eine riesige Bilderkollektion mit Screenshots zu Windows Mobile 6.

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