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25.06.12

HTC Desire C im Test (1): 200 Euro für ein Top-Smartphone?

HTC Desire C (Bild: kaz)

Das HTC Desire C scheint im ersten Moment viel zu schwach, um das neueste Android 4.0 flüssig zu bedienen, doch weit gefehlt. Statt auf Gigahertz setzen die Taiwanesen auf Ausdauer und die Rechnung geht auf.

Für die einen ist ein Smartphone ein Mini-Computer, der gar nicht schnell genug sein kann. Für die anderen ist es ein Telefon, dessen Akkulaufzeit und Portabilität entscheidend sind. Diese beiden Vorstellungen sind nicht vereinbar. Letzteres Klientel sollte jetzt aufmerksam weiterlesen, denn die sagenhafte Ausdauer des HTC Desire C, die erstaunlich gute Bedienung und der niedrige Preis ziehen jeden Interessenten in ihren Bann.

"Vergesst alles was ihr über Gigahertz wisst"

Damit wir das Gerät richtig einordnen können, ein kurzer Hinweis: die CPU hat "sogar nur" 600 MHz - und fühlt sich trotzdem schneller an, als man denken könnte.

Hier die Eckdaten des Geräts:

  • 0,6 GHz CPU und 512 MB RAM
  • Android 4.0 (ICS) mit HTC Sense UI 4.0
  • 3,5 Zoll Diagonale bei 320 x 480 px
  • 4 GB interner Speicher, erweiterbar durch microSD-Slot
  • HSDPA, EDGE, GPRS, b-/g-/n-WLAN, Bluetooth 4.0, NFC (nur wenn bei Netzbetreiber gekauft!), Radio
  • 5-Megapixel-Kamera, keine Frontkamera
  • 1.230 mAh Akku
  • 98 g Gewicht

Rein von den technischen Daten her sollte sich jeder abgeschreckt fühlen, denn eine so langsame CPU erfolgreich mit dem aktuellsten Betriebssystem zu paaren, scheint fast unmöglich. Doch wie schon beim HTC ChaCha schaffen es die Taiwanesen, aus diesem Gerät das Letzte herauszuquetschen. Die Oberfläche läuft in den meisten Fällen flüssig und selbst das Surfen im Web ist schneller als man auf Anhieb denken könnte. Verglichen mit dem Quad-Core des Samsung SIII wartet man zwar länger, doch der Unterschied von fast 380 Euro scheint ungerechtfertigt, bedenkt man die Leistung des Desire C.

Design

HTC verbindet schlichtes Design mit einer alltagstauglichen Hülle, die auch mal einen Sturz verzeiht. Das Plastikgehäuse ist auf der Rückseite ganz leicht gummiert und samtig im Griff, während sich die Front grob angerauht wie ein Block starren, widerstandsfähigen ABS-Plastiks anfühlt. Beim festen Zupacken knackt es hier und da einmal, aber man würde auf den ersten Blick nicht vermuten, dass man nur 200 Euro dafür gezahlt hat. Ein dünner, glänzender Metallrahmen umrundet das kleine 3,5&-Zoll-Display. Das sieht schick aus, spiegelt in der Sonne jedoch ab und an - auch das kennen wir schon vom HTC ChaCha.

Praktischer Gebrauch

Alles braucht einen Tick länger: das Öffnen von Programmen, das Aufrufen des Einstellungsmenüs oder das Aufbauen von Webseiten. Die Verzögerungen sind gerade noch erträglich und vergleichbar mit dem, was das ZTE Skate liefert. Doch im Gegensatz zum Skate, das eine größere Auflösung versorgen muss, kann sich die CPU mehr auf den Ablauf konzentrieren, da die Auflösung fast die Hälfte beträgt. Verglichen mit dem Sony Xperia sola oder Xperia U gewinnt das Desire C keinen Blumentopf – die 1-GHz-Dual-CPUs der beiden Sonys ziehen davon und das Display löst viel feiner auf. Doch bezieht man noch die Akkulaufzeit mit ein, dreht sich das Bild um. Dann schwächeln die Sonys plötzlich.

Mehr als einen Tag ohne Steckdosenbesuch erreicht das HTC Desire C spielend. Ein simpler Versuch demonstriert die Stärke des Geräts: E-Mail-Abruf auf eine Minute eingestellt, gleichzeitig eine stehende IMAP-idle-Verbindung zum Server, die Displayabschaltung deaktiviert und immer wieder Musik abgespielt. Das Ergebnis: erst nach 7 Stunden war Schluss. Auch wenn es immer wieder Kommentare gibt, die keinen direkten Zusammenhang zwischen CPU-Geschwindigkeit und Akkulaufzeit sehen, der kleine Akku von 1.230 mAh und die CPU mit 600 MHz setzen ein anderes Signal.

Wer die Nutzeroberfläche HTC Sense einmal gesehen hat, kennt auch das Desire C, wenngleich weniger schön animiert wie auf auf anderen HTCs. Welche Hersteller-Oberfläche man lieber hat, ist natürlich persönlichen Präferenzen geschuldet, doch in meinen Augen liefern HTC und Samsung eine vergleichbare Qualität mit schönen Anpassungen.

Fazit

Ein objektives Fazit fällt mir diesmal sehr schwer, denn ich kämpfe seit Jahren mit schlechter Akulaufzeit und bin deshalb auch bereit, Kompromisse einzugehen. Das HTC Desire C ist das erste Einsteiger-Telefon, das in fast jedem Bereich überzeugt, ohne gleich beim Preis dick aufzuschlagen: Verarbeitung, Akkulaufzeit, Android 4.0 und HTC Sense UI sind nur ein paar wenige Punkte davon. Wer im unteren Preissegment nach einem zuverlässigen Begleiter für die Arbeit auf dem Bau oder dem Besuch in der Oper sucht, kommt am HTC Desire C fast nicht vorbei. Es gibt Einschränkungen bei der Arbeitsgeschwindigkeit, doch diese wiegen die lange Akkulaufzeit und das neueste Android mehr als auf.

Aber das war erst Teil 1 meines Tests und bei der Kamera und der Musikwiedergabe hakt es ein wenig. Werde ich mein vorläufiges Fazit noch revidieren müssen? Warten wir Teil 2 ab.

Gibt es Fragen, die unbedingt beantwortet werden müssen? Jeder Kommentar wird gelesen und beantwortet! Was meint ihr: lieber lange Akkulaufzeit oder lieber schnelle CPU?

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