21.09.13

HP Envy 17 Leap Motion SE: Ein Marketinggag für 1.050 Dollar gefällig?

HP Envy 17 Leap Motion

Die Partnerschaft zwischen HP und Leap Motion trägt erste Früchte in Form einer "Special Edition" des HP Envy 17. Hier ist neben dem klassischen Trackpad auch der Gestencontroller direkt integriert. Wozu das gut sein soll, weiß aber wohl auch HP nicht so genau.

HP Envy 17 Leap Motion

Als der Leap Motion Controller im Mai 2012 angekündigt wurde, war die Techwelt in großer Aufregung. Dann aber verzögerte sich die Auslieferung und als die Geeks dieser Welt das kleine Wunderding endlich (endlich!) ausprobieren konnten, war es wie eine kalte Dusche. Schon nach ein wenig Herumwedeln in der Luft wurde klar: Das ist irgendwie nix. Manchmal hat man bei der Nutzung des Leap Motion diese gewisse Faszination, etwas nur mit der Hand und den Fingern in der Luft machen zu können. Aber solche "magischen Momente" sind rar gesät. Hier hatte ich die Stärken und Schwächen des Leap Motion ausführlich vorgestellt. Ich habe den Controller letztlich zwar behalten. Er liegt in diesem Moment auch auf meinem Schreibtisch, aber angeschlossen ist er nicht.

Insofern wundere ich mich etwas, dass nun tatsächlich ein HP-Laptop mit integriertem Leap Motion auf den Markt kommt. Jeder Mitarbeiter von HP, der den Gestencontroller selbst ausprobiert hat, kann aus meiner Sicht eigentlich nur zu einem Schluss kommen: Er ist noch nicht ausgereift genug für ein Massenprodukt. Aber interessiert sich jemand bei HP dafür, ob etwas gut funktioniert und die Kunden begeistert? Mir erscheint das sehr zweifelhaft bei einer Firma, die ihr PC-Geschäft ja eigentlich schon aufgegeben hatte, nur um es dann doch weiterzuführen. Und dieses Laptop bestätigt meine Vorurteile.

Nutzerverwirrung im Handstreich

Beim HP Envy 17 hat der Nutzer jetzt gleich drei verschiedene Möglichkeiten, den Rechner zu bedienen: Touchpad, Touchscreen und Leap Motion. Wobei der Leap Motion von Haus aus im Wesentlichen nur mit eigens dafür entwickelten Programmen funktioniert, die über einen eigenen App Store vertrieben werden – was dann neben Windows-Programmen für die "Modern UI" und für den normalen Windows-Desktop auch hier die dritte Möglichkeit aufmacht. Zudem hat sich niemand bei HP die Mühe gemacht, dass man mit dem Leap Motion vielleicht zumindest die "Modern UI" von Windows bedienen könnte.

Ich habe es nicht ausprobiert, aber ich kann mir diese Gemengelage nicht anders als verwirrend für den Normalnutzer vorstellen. Aber der ist vielleicht auch gar nicht die Zielgruppe. Aber wer ist es dann? Bei HP habe ich darüber keine Information gefunden. Dafür weiß ich jetzt, dass es "exciting" ist, einen Rechner auf ganz viele verschiedene Arten bedienen zu können. Ich mag altmodisch und konservativ sein, aber mir kommt es erst einmal darauf an, dass ich den Rechner überhaupt komfortabel bedienen kann – da reicht mir dann eine Möglichkeit, die durchgehend perfekt funktioniert. Aber was weiß denn ich.

Wenig durchdachte Umstetzung

Der Controller ist nach rechts versetzt eingebaut, was die sowieso teils frustrierende Bedienung weiter verschlechtert.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich HP eine mehr als unpraktische Position für den integrierten Leap Motion ausgesucht hat. Er sitzt rechts neben dem Trackpad unterhalb der Tastatur und damit entsprechend seitlich versetzt. Der Controller erfasst die Hände und Finger aber nur in einem speziellen Bereich. Ergebnis: Am besten hält man die Hände ebenfalls leicht nach rechts versetzt, wie die Kollegen von The Verge schreiben, die ein Exemplar ausprobieren konnten. Damit dürfte das Nutzungserlebnis endgültig unterirdisch sein. Hier war es HP wohl zu viel Mühe ein eigenes Laptopdesign zu entwickeln, bei dem der Motion Controller perfekt integriert worden wäre. Dann also lieber eine halbgare Lösung, die am Ende niemandem etwas bringt. Da fühlt man sich als Kunde doch bestens aufgehoben.

Da muss ich fast gar nicht mehr erwähnen, dass HP empfiehlt, den Leap Motion nur zu verwenden, wenn das Laptop an den Strom angeschlossen ist. Die Gestenkontrolle verbrauche zu viel Strom.

Fazit und Preis

Kurzum: Ich verstehe nicht wirklich, was sich die verantwortlichen Ingenieure bei HP gedacht haben. Wahrscheinlich nicht sehr viel. Es reichte dem Unternehmen offenbar, der erste Hersteller mit Leap Motion zu sein. Kurzes Marktingfeuerwerk. Fertig. Mein Beileid mit den Käufern. Viele werden es für rund 1.050 US-Dollar allerdings wohl sowieso nicht sein. Im Oktober kommt das Laptop auf den Markt.

Leap Motion jedenfalls will verständlicherweise ihren Controller noch in anderen Produkten sehen. Er sei sogar klein genug, um ihn in Smartphones zu integrieren, heißt es. Der Sinn eines Leap Motion im Handy erschließt sich mir persönlich allerdings noch weniger. Aber lassen wir uns einmal überraschen. Angeblich haben auch Autohersteller Interesse an der Wedelbedienung gezeigt.

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