04.12.13

Hörschleifenverstärker LA-215: Fernsehton für Hörgeräte

Hörschleifenverstärker LA-215

Fernsehen ist für Hörbehinderte oft nur mit Untertiteln entspannt nutzbar, womit viel der Wirkung eines Films verloren geht. Mit einer induktiven Hörschleife kann dies geändert werden - erfolgreich, wie der Praxistest ergab. Ein mögliches Weihnachtsgeschenk für ein schwerhöriges Familienmitglied.

Hörschleifenverstärker LA-215 (Alle Fotos: W.D.Roth)

Wer schlecht sieht, geht zum Augenarzt. Der Optiker fertigt dann eine mehr oder weniger teure Brille an, im Normalfall sind damit alle technischen Probleme erledigt, auch wenn es Ausnahmen gibt. Die modischen Abneigungen haben über die Jahre auch soweit nachgelassen, dass sich manche inzwischen sogar eine Brille mit Fensterglas anfertigen lassen, um intelligenter zu wirken.

Wer schlecht hört, hat mit mehr Problemen zu kämpfen: Trifft ihn die Hörschwäche in der Jugend, wagt er es oft nicht, Hörgeräte zu tragen und nimmt dafür in Kauf, für einen Trottel gehalten zu werden, weil er öfters etwas nicht richtig versteht. Trägt er ein Hörgerät, so ist damit zunächst einmal auch nur die direkte persönliche Unterhaltung gut abgedeckt - Telefonieren und Radio und Fernsehen sind dagegen meist eingeschränkt. Handys stören das Hörgerät, ebenso kann man keine Kopfhörer aufsetzen. Einfach den Ton etwas lauter zu stellen, um damit die als Schwerhöriger weit mehr störenden Hintergrundgeräusche auszublenden, erzeugt wiederum Ärger mit den Nachbarn.

Die Lösung ist eigentlich so alt wie die Hörgerätetechnik: Statt über ein Mikrofon wie beim normalen Gespräch wird der Ton induktiv eingekoppelt.

Dies bedeutet, der Ton wird nicht auf einen Lautsprecher gegeben, sondern auf eine große Spule, eine Hörschleife. Diese wird dann in Kinos beispielsweise einmal um den Saal gewickelt und wenn Träger von Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten ihr Gerät von M für Mikrofon bzw. akustischen Empfang auf T für Telefon bzw. induktiven Empfang umschalten, hören sie den Filmton nun völlig ohne Popcornesser-Nebengeräusche. Telefonieren war die ursprüngliche Anwendung der T-Stellung: Frühere Festnetztelefone gab es ebenfalls mit Hörschleife. Heute bieten dies nur einige, wenige Modelle, ansonsten ist man auf Zusatzgeräte angewiesen.

Leider ist all dies über die Jahre ziemlich in Vergessenheit geraten und HNO-Ärzte sowie Hörgeräteakustiker beraten ihre Kunden nur über die Hörgeräte selbst, allerdings nicht über derartiges nützliches Zubehör. Die Hörschleifen gibt es nämlich nicht nur im Kino, sondern auch für zu Hause - von tragbaren Modellen zum Umhängen, die sich an einem Kopfhörerausgang oder per Bluetooth ankoppeln lassen bis zu einer großen Schleife, die man einmal komplett ums Wohnzimmer wickeln kann. Diese benötigt dann aber einen Verstärker.

Anschlüsse und Funktionen des LA-215

Der hier getestete Verstärker LA-215 treibt diese Hörschleife, die aus 37 Meter Draht besteht. Das reicht auch für große Räume. Der Verstärker hat zwei Eingänge, sodass man Radio und Fernseher anschließen kann - oder auch eine Türklingel oder ein Telefon, die dann den Fernsehton unterbrechen. Dazu einen Lautstärkeregler, einen Klangregler, und eine Lautstärkeautomatik, um Probleme beim Senderwechsel mit "Brüllwerbung" zu vermeiden.

Das Gerät ist sehr kompakt. Eingeschaltet benötigt es 1,5 Watt, ausgeschaltet 1,1 Watt, und bei Vollaussteuerung 4 bis 5 Watt, also deutlich weniger als ein Verstärker für Lautsprecher.

Eine Fernbedienung ist nicht dabei. Die Lautstärke wird also nach einer Grundeinstellung bei Bedarf sinnvollerweise über den Fernseher justiert. Für die Grundeinstellung befindet sich ein weiterer Pegelregler auf der Geräterückseite. Deshalb wurde es zum Test an den Kopfhörerausgang des TV angeschlossen - Adapter zum Anschluss an SCART- oder Cinch-Buchsen liegen aber ebenfalls bei.

Daneben hat das Gerät einen Mikrofoneingang - ein Mikrofon wird dazu mitgeliefert - und einen Kopfhörerausgang sowie eine Aussteuerungsanzeige. Diese beiden dienen dazu, dass ein Normalhörender das Gerät aufbauen kann, denn das Signal der Hörschleife hört ja nur der Hörgerätenutzer. Das Mikrofon wiederum ermöglicht es, den Verstärker auch bei Vorträgen einzusetzen und nicht nur zur Wiedergabe von Konserve.

An sich könnte man so eine Hörschleife auch an einem normalen Verstärker für Lautsprecherschluss anschließen, doch ist die Hörschleife wesentlich niederohmiger als ein Lautsprecher und würde den Verstärker überlasten. Außerdem wäre der gleichzeitige Betrieb mit Lautsprechern und Hörschleife kompliziert. Und es ist natürlich auf diese Art auch kein Stereo-Betrieb möglich, weshalb der Verstärker auf Mono umgeschaltet werden müsste.

Nur bei Fachhändlern erhältlich

Der LA-215 wird in Deutschland von Humantechnik vertrieben und ist nur bei Fachhändlern erhältlich, wobei sich die großen, bekannten Hörgeräte-Ketten allerdings in Sachen Zubehör als Totalversager erwiesen haben. Radio- und Fernsehhändler kennen sich hier leider ebenso nicht aus. Mehr Erfolg hat man bei Versacustic/Neuroth oder einigen Spezialhändlern. Der Preis liegt um die 200 Euro.

Und wie klingt der Sound aus dem LA-215? Dazu kann ich nun natürlich als Normalhörender gar nichts sagen. Doch ein Hörbehinderter, der über zehn Jahre nur noch die Untertitel im Fernsehen nutzte, konnte mit dem LA-215 auf Anhieb wieder normal, also ohne Untertitel, fernsehen. Das Gerät erfüllt also seinen Zweck.

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