12.11.13

Hövding: Schwedinnen bauen "unsichtbaren" Fahrradhelm

Wo bitte ist da ein Helm? Tipp: Er sitzt nicht auf dem Kopf. Bilder: Hövding

Zwei Schwedinnen haben einen "unsichtbaren" Fahrradhelm gebaut. Die Bezeichnung ist geschicktes Marketing, eine kluge Idee steckt hinter dem so genannten Hövding aber so oder so. Spoiler-Warnung: Es ist es ein Airbag.

Wo bitte ist da ein Helm? Tipp: Er sitzt nicht auf dem Kopf. Bilder: Hövding

Gemeint ist mit "unsichtbar" kein Helm in durchsichtigem Plastik. Wer den Hövding benutzt, trägt in der Tat nichts auf dem Kopf - sondern um den Hals. Es ist eine Art Halskrause, die zumindest in der kalten Jahreszeit nicht weiter auffällt und sogar eher zusätzlich als Schal dienen kann. Die Technik darin registriert abrupte Bewegungen, wie sie bei Stürzen oder Auffahrunfällen auftreten. Im Bruchteil einer Sekunde springt dann eine Art Haube aus dem Kragen – das Prinzip Airbag eben.

Die Haube ist gasgefüllt und soll so stabil sein, dass sie besser schützt als gewöhnliche Helme. Besserer Schutz, keine hässliche Optik. In einer dreiminütigen Mini-Doku verraten die beiden Gründerinnen Anna Haupt und Terese Alstin, wie es funktioniert. Am Anfang wird viel geredet, ab Minute 2:30 gibt es dann endlich des Rätsels Lösung zu sehen:

vimeo.com/43038579

Die Technik ist batteriebetrieben. Der Akku lässt sich mit einem Micro-USB-Kabel wieder aufladen. Eine LED-Anzeige am Kragen zeigt den Ladestatus an. Wie genau die Technik funktioniert, verraten die Hersteller leider nicht. Es dürften unter anderem die auch in Smartphones eingesetzten Beschleunigungs- und Bewegungssensoren zum Einsatz kommen. Dank der richtigen Algorithmen erkennen diese den Unterschied zwischen normalen Fahrbewegungen auf verschiedenen Untergründen wie trockener Straße, Waldweg oder schneebedeckter Straße, versprechen die Erfinderinnen. Weil die Sensorik aber genau eingepasst wurde und andere Fortbewegungsmittel einen ganz anderen Bewegungsablauf verfolgen, funktioniert der Hövding nur auf Fahrrädern und nicht etwa auch auf Motorrädern oder auf Skateboards.

Wem das alles zu unsicher erscheint, den wollen Haupt und Alstin mit einer jahrelang erprobten Sicherheitstechnik überzeugen. Hier im Video sieht man etwa die Tests mit Crash Test Dummies:

www.youtube.com/watch

Leider wird nicht genau erklärt, aus welchem Material der Helm besteht, wenn er im Falle eines Unfalls ausgelöst wird. Im Video wirkt er für Stürze nach hinten aber recht sicher. Ein wenig Zweifel kommen mir, ob der Hövding auch bei einem Fall nach vorne Zähne, Kinn und Nase vollständig schützen kann. Besser als gar kein Schutz aber dürfte das auf jeden Fall sein und ein handelsüblicher Fahrradhelm hat hier im Gegensatz zu den meisten Motorradhelmen ja auch nichts zu bieten. Beantwortet werden außerdem die Fragen, ob der Hövding auch mit Kopfhörern und Brillen benutzt werden kann (in der Regel ja) und ob sich jede Frisur dafür eignet. Lange Haare sollten auf jeden Fall in den Kragen gesteckt werden. Von einem zu voluminösen Afro wird ernsthaft abgeraten.

Unsichtbar aber teuer

Hövdings Geschichte beginnt schon 2005. Die ersten Presseberichte tauchen im Jahr 2010 auf. In Deutschland ist der Fahrrad-Airbag seit diesem Sommer erhältlich und soll im eigenen Online-Shop oder auf Amazon knapp 400 Euro kosten. Ein zusätzlicher Mantel im Austausch soll knapp 60 Euro kosten - für jeden Stil bietet der Hövding verschiedene Muster an.

Der Hövding ist ein interessantes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn Tüftler einmal über den eigenen Tellerrand schauen. Bei einem "unsichtbaren Helm" guckt der unbescholtene Bürger eben unfreiwillig nur auf den Kopf und nicht auf den Kragen. Ein Nachteil dürfte sein, dass der Akku zwingend aufgeladen sein muss, damit der Hövding funktioniert. Erinnere ich mich daran, wie oft ich schon vergessen habe, den Akku einer Ansteckleuchte aufzuladen, kann ich mir gut vorstellen, dass es mir und vielen anderen Radfahrern bei einem Helm nicht sonderlich anders ergeht. Dass der Helm sich mit akustischen Signalen meldet, wenn er angelegt, aber nicht aktiviert wird, ist hingegen eine gute Absicherung. Knackpunkt dürfte beim Hövding der Preis sein. 400 Euro sind ein Haufen Holz für einen Helm-Ersatz, so clever er auch sein mag.

Gefunden bei Jalopnik und Radfahreralltag

Schlagworte zu diesem Artikel

Jetzt gratis anmelden und wir unterstützen Sie mit Informationen und aktuellen Lernangeboten!