28.05.14

High End 2014: Retro-Design zur Digitaltechnik

Einer von zahlreichen Röhrenverstärkern auf der High End. (Bilder: W.D.Roth)

Röhrenverstärker sind im audiophilen Bereich seit Jahren weiterhin gefragt. Inzwischen sehen sie allerdings teilweise auch aus wie aus der Gründerzeit.

 

Zugegeben, mein Ding waren Röhrenverstärker nie - sie stehen unter hohen Spannungen, die Röhren verschleißen und es dauert erst mal eine Minute, bis die Schaltung funktioniert. Dafür klingen sie "wärmer", ob bei Übersteuerung, wie bei der Nutzung als E-Gitarrenverstärker, oder im Regelbetrieb. Und sie sind wärmer, mit ihrem Glühen.

Ob die EU-Energiesparrichtlinien ihnen eines Tages den Garaus machen, wird sich zeigen, momentan sind sie jedenfalls noch gefragt. Auf der High End 2014 waren wieder jede Menge zu sehen. Verstärker von Absolare oder Atma-Sphere sehen dazu noch aus wie aus einem Roman von Jules Verne - "Steampunk" nennt dies der Geek.

Andere Design-Spielereien sind der goldene Plattenspieler von Fonica, der wie eine edle Mechanik vergangener Jahrhunderte aussieht, der CD-Spieler des französischen Unternehmens Metronome, der wie High-End-Plattenspieler gestaltet ist, die übrigens mittlerweile mit Vorliebe zwischen Blumenarrangements präsentiert werden, und die Röhrenverstärker von Elroc, die selbst wie große Röhren aussehen.

Doch wird zwar Retro-Design, doch nicht nur Retro-Technik gezeigt: Traditionshersteller wie McIntosh, bekannt für Verstärker, bieten ebenfalls neben Analog-UKW-Tunern und Plattenspielern nun auch SACD- und BluRay-Spieler an. Beyerdynamic hat mit dem neuen A2 dagegen einen Kopfhörerverstärker entwickelt, der mit knapp 1500 Euro klar im High-End-Segment liegt und wie ein Röhrenverstärker rötlich glüht, doch keine Röhren enthält, sondern diskrete Halbleiter. Er kann auf die Impedanz des angeschlossenen Kopfhörers von 16 bis 600 Ohm eingestellt werden; ebenso ist die Lautstärkeeinstellung dank eines Motorpotentiometers auch über Fernbedienung zugänglich.

Das Auge hört mit

Streaming ist immer mehr ein Thema - wobei nicht Streaming aus dem Internet gemeint ist, sondern Streaming in hoher Qualität von einem zentralen Datenserver im Haus auf Abspielgeräte in den einzelnen Räumen. Die Probleme mit Kopierschutz werden durch ausgeklügelte Systeme oder direkten Erwerb streamingfähiger Dateien gelöst. Der französische Anbieter Qobuz gab zur High End eine Kostprobe gratis ab: Das "Official Album High-End Show 2014" mit 20 Tracks ist für Messebesucher in allen Qualitäten von MP3 128 oder 320 k, Ogg Vorbis, AAC über FLAC und WAV 44,1 k/16 Bit bis 88,2 k / 24 Bit verfügbar. Allerdings sollte man zur Bedienung der Downloadsoftware französisch können - eine andere Menüsprache ist bislang nicht vorgesehen.

Das Auge hört also mit, der Anteil an "Voodoo-Anbietern" dubioser Höverbesserungs-Produkte hat dagegen gefühlt nachgelassen, weil es inzwischen ausreichend andere Produkte zu sehen gibt.

Das digitale Radio ist im High-End-Segment ebenfalls ein ernstzunehmendes Thema. Zwar wird das einst vorbildliche Sendernetz in Bayern laut Aussage von Mitarbeitern des Bayrischen Rundfunks gerade aus Kostengründen ausgedünnt, weshalb der Autor nun notgedrungenerweise zu UKW-Dudelfunk-Sendern zurückgekehrt ist, wenn er Verkehsnachrichten braucht. Doch baut der Bayrische Rundfunk nun sein eigenes DAB-Sendernetz auf, in dem dann alles von Klassik bis Pop in besserer Tonqualität und auch im Auto rausch- und zwitscherfrei empfangbar sein soll - auch in 5-Kanal-Surround und mit zehn statt fünf öffentlich-rechtlichen Programmen. Und damit auch wieder als klangmäßig nicht nachstehende Alternative zur Musikkonserve im Auto, sofern das Programm dem eigenen Geschmack entspricht. Auch hier ergibt sich also eine Retro-Tendenz: zurück zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Den kommerziellen Sendern schmeckt das Digitalradio dagegen weniger, obwohl sie so zu einer besseren Flächenabdeckung bei geringeren Energiekosten kommen, doch bislang noch zu weniger Hörern. Und auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk will inzwischen zumindest Jugendprogramme auf UKW anbieten, weil der Nachwuchs doch eher die Radios der Eltern spendiert bekommt als neue Digitaltechnik.

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