12.08.06

HD-Camcorder Sony HDR-HC3 im Test, Teil 2: Die Kamera

Im ersten Teil unseres Tests haben wir einige Grundlagen des Filmens mit High-Definition-Video beschrieben. Im zweiten Teil geht es nun um den Sony HDR-HC3 Camcorder, seine Features und seine Bedienung.

Neben einem "normalen" Consumer-Camcorder fällt der HD-Sony mit seiner kompakten Bauweise optisch kaum auf. Wären da nicht die Buchstaben "HDV", die wohl im Moment eher Insidern was sagen, würde man kaum auf die Idee kommen, dass sich in dieser relativ unscheinbaren Verpackung ein State-of-the-Art-Camcorder verbirgt. Genau das war wohl auch das Ziel der Sony-Ingenieure, denn die bisherigen HD-Camcorder waren allesamt recht gross, kaum geeignet für den normalen Heimfilmer. Dieses kleine Wunderding liegt sehr gut in der Hand, auch wenn die Gewichtsverteilung durch die Optik etwas linkslastig ist.

Der HDR-HC3 arbeitet mit dem System HDV, dem direkten Nachfolger des bekannten DV-Systems. Das Kassettenformat ist absolut identisch, jede gängige DV-Kassette funktioniert also auch mit High-Definition. Das hat zahlreiche Vorteile, nicht zuletzt die universelle Verfügbarkeit von Kassetten in jedem Winkel der Welt. Allerdings sollte man dem HD-Gerät eine höherwertige Qualität von Kassetten gönnen, denn schon kleine Bandfehler können im neuen System sehr sichtbare Auswirkungen haben.

Als Optik hat Sony dem HDR-HC3 ein Carl Zeiss Vario-Sonnar-Objektiv mit einem optischen 10x-Zoom gegönnt. Die Linse verhält sich ähnlich wie die meisten heute üblichen Camcorder-Optiken. Ein Weitwinkel-Vorsatz ist sicher eine sinnvolle Ergänzung, auch wenn man damit im HD-Zeitalter unter Umständen einen deutlich sichtbaren Qualitätsverlust in Kauf nehmen muss. Das Besondere verbirgt sich aber hinter dem Glas: Der Sony verwendet als Bildwandler keinen der üblichen CCD-Chips, sondern einen CMOS-Sensor, wie er auch in hochwertigen Digitalkameras eingesetzt wird. Dieser Chip im 1/3-Zoll-Format bietet 2.1 Megapixel Auflösung und damit genug Kapazität für hochauflösendes Video. Sony gibt die Auflösung von Standbildern, die man mit dem HDR-HC3 auch machen kann, mit 4 Megapixeln an, aber da dürfte wohl noch etwas Interpolation zum Einsatz kommen. Wer sich für die technischen Details interessiert, findet auf der Sony-Website ein Interview mit den Produktentwicklern.

Der Autofokus arbeitet (zumindest bei gutem Licht) recht vernünftig, und das sollte er auch besser: Mit High-Definition werden auch kleinere Unschärfen gnadenlos sichtbar. Die Bildstabilisierung erfolgt digital und fällt auch bei der hohen Auflösung in den meisten Fällen nicht auf. Insgesamt ist die optische Leistung des HDR-HC3 ziemlich beeindruckend, gerade für ein Gerät dieser Grösse.

Sehr hübsch ist der hochauflösende Suchermonitor im 16:9-Format mit 2.7 Zoll Grösse. Daneben wird auch noch ein eingebauter Durchguck-Sucher angeboten, der aber nicht kippbar ist und auflösungsmässig nur als Notnagel reicht (und wohl auch so gedacht ist).

 

Der Sucher-Bildschirm ist als Touchscreen ausgelegt, denn die Menüs werden im HDR-HC3 direkt per Fingerdruck gesteuert. Das klingt sehr benutzerfreundlich, ist aber im praktischen Einsatz ziemlich nervig. Als Rechtshänder muss man ständig auf die "falsche" Seite rüberlangen und gleichzeitig irgendwie den Bildschirm mit der anderen Hand stützen, denn man muss ziemlich kräftig drücken, damit der Touchscreen überhaupt reagiert. Auf diese Weise während dem Filmen irgendwas einstellen zu wollen, kann man eigentlich vergessen. Das ist schade, denn der HDR-HC3 bietet allerhand manuelle Einstellmöglichkeiten an, auch wenn man nicht alles ganz so sehr im Detail manipulieren kann wie bei semiprofessionellen Camcordern.

Die Menüs sind umfangreich. Neben den üblichen Kameraeinstellungen gibt es auch ein paar Digitaleffekte, unter anderem einen "Cinema-Modus", der kinoähnliche Bilder erzeugen soll. Das Resultat überzeugt aber (wie meistens bei diesen Effekten) nicht wirklich -- die angeblich kinematographischen Bilder wirken ziemlich abgehackt und künstlich. Da ist man besser damit bedient, diesen und andere Effekte in der Nachbearbeitung zu realisieren. Interessant ist allerdings der neuartige "Smooth Slow"-Modus, mit dem man sechs Sekunden in Superzeitlupe aufnehmen kann. Dieses Feature ist beispielsweise für Sportaufnahmen ideal.

 

Für Freunde manueller Einstellungen hat Sony direkt neben der Linse ein etwas seltsames Bedienungselement eingebaut, eine Art Scrollrad. Mit diesem Ding kann je nach Wunsch die Schärfe, die Belichtung oder der Weissabgleich per Hand eingestellt werden -- oder besser gesagt per Fingerspitze, denn die Bedienung dieses Rädchens ist ziemlich fummelig. Manuelle Schärfefahrten wird man damit jedenfalls nicht hinkriegen. In der Praxis hat sich aber immerhin die manuelle Einstellung der Belichtung als relativ brauchbar herausgestellt. Das ist für einen Consumer-Camcorder ungewöhnlich und positiv zu vermerken. Die übrigen Bedienungselemente sind recht sparsam ausgefallen: Tasten für Gegenlichtmodus, Display-Einblendungen und den "Easy-Modus", ein Start-Stop-Knopf und einer für Standbilder, sowie der Einschaltknopf, der gleichzeitig für die Wahl des Betriebsmodus dient -- das war's schon. Daneben gibt es noch einen Schalter für den Night-Shot-Modus, der bei totaler Dunkelheit diese etwas gespenstischen Bilder in schicker Nachtsichtgerät-Ästhetik produziert. Der Sony hat hierfür auch eine Infrarot-Lampe eingebaut.

 

Die Zoomwippe ist eines der wichtigsten Bedienungselemente und erfahrungsgemäss dasjenige, das in der Praxis am meisten nerven kann. Sony hat hier einen guten Kompromiss gefunden: Die Wippe ist zwar klein, liegt aber gut am Zeigfinger an und kann somit relativ sicher in mehreren Stufen bedient werden. Butterweiche Zoomfahrten in Profi-Manier wird man damit vermutlich nicht schaffen, aber für den Hausgebrauch reicht's. Sehr gut ist die hohe Maximalgeschwindigkeit des Zoommotors, mit dem fast schon so was wie Reisszooms möglich sind.

Die untergebrachten Anschlüsse sind recht zahlreich: Da gibt es analoge Ausgänge für Standard- und High-Definition-Auflösungen, einen Firewire-Port, einen LANC-Anschluss für Fernbedienungen und -- leider noch zu selten heute -- einen HDMI-Ausgang für digitale HDTV-Qualität.

Eine sehr befremdliche Schwäche hat die Ausstattung des HDR-HC3 aber: Der akustische Teil ging wohl irgendwie vergessen. Der Camcorder hat keinen Mikrofon- und keinen Kopfhörer-Anschluss! Damit ist das Gerät praktisch unbrauchbar für jede Form von Interview-Situation oder Musikaufnahme. Als Zubehör bietet Sony immerhin einige (teure) Zusatzmikrofone an, die oben am Camcorder an einen proprietären Port angeschlossen werden können. Trotzdem, externe Mikrofone kann man damit nicht benutzen. Im Internet kursieren inzwischen schon Bauanleitungen, die einen externen Anschluss trotzdem möglich machen, aber das kann ja wohl nicht die Lösung sein. Vermutlich wollten die Sony-Produktmanager mit dieser Massnahme ihre teureren High-End-Camcorder schützen, denn in der restlichen Ausstattung kommt der HDR-HC3 den Flaggschiffen aus dem Hause Sony schon gefährlich nahe.

Entscheidend für den Camcorder-Spass ist aber natürlich die Bildqualität, und das gilt für eine High-Definition-Kamera natürlich umso mehr. Wie schneidet der HDR-HC3 in der Königsdisziplin ab? Nun, zunächst mal ist High Definition gegenüber der klassischen Videoauflösung natürlich ein massiver Sprung nach vorne. Der Detailreichtum, der auf HD-Bildmaterial sichtbar wird, ist faszinierend und lässt jede Aufnahme gleich viel "wirklichkeitsgetreuer" erscheinen.

Bei guter Beleuchtung liefert der Sony exzellente, detailreiche Bilder mit sehr satten, aber nie übertriebenen Farben. Wie meistens bei Sony sind die Rottöne besonders kräftig, während Grün nicht so sehr die Lieblingsfarbe des Camcorders zu sein scheint. Aber das sind Nuancen in einer generell sehr starken Leistung. Der abbildbare Helligkeitsbereich überrascht positiv. Die allerersten HD-Camcorder hatten noch das Problem, nur einen sehr geringen Kontrastumfang abbilden zu können, aber diese Schwierigkeiten scheinen gelöst zu sein. Auch die Leistung bei schlechten Lichtverhältnissen geht in Ordnung, wenn auch nicht das Niveau guter 3-CCD-Camcorder erreicht wird. Das Bildrauschen wird bei schlechter Beleuchtung schnell ziemlich stark, so dass man der guten HD-Qualität zuliebe möglichst für reichlich Licht sorgen sollte.

Wer zwischendrin auch mal Material in der guten alten Standardauflösung schiessen will (auf die möglichen Gründe kommen wir im nächsten Teil unseres Tests zu sprechen), ist mit dem HDR-HC3 ebenfalls sehr gut bedient. Der hochwertige Bildwandler liefert Bildmaterial, das mit sehr viel teureren SD-Camcordern locker mithalten kann. Auch wer heute noch nicht voll auf High Definition umschwenken will, bekommt mit dem HDR-HC3 also einen exzellenten Camcorder mit spitzenmässiger Bildqualität.

Insgesamt erhält der Sony HDR-HC3 von uns ein "sehr gut" für die Bildqualität, ein "gut" für die Ausstattung und ebenfalls ein "gut" für das Handling. Hobbyfilmer, die primär Familienerinnerungen und Reiseeindrücke in optimaler Bildqualität festhalten wollen, werden mit diesem Gerät sicher sehr glücklich werden. Für ambitionierte Filmamateure stellt der Sony immerhin eine interessante Einstiegsmöglichkeit ins HD-Zeitalter dar, auch wenn gewisse Kompromisse in Kauf genommen werden müssen.

Im nächsten Teil: Das HDV-Format und wie man damit umgeht.

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