03.12.13

Gramovox: Das Bluetooth-Grammophon kommt

Gramovox ist an sich ein Bluetooth-Lautsprecher – aber das klingt für dieses schöne Gerät natürlich viel zu ordinär. (Alle Fotos: Gramovox)

Ein Bluetooth-Grammphon ist logisch überlegt eine der unsinnigsten Ideen überhaupt. Auf der anderen Seite ist es aber auch eine der großartigsten Ideen überhaupt. Und via Kickstarter kann man die Macher jetzt unterstützen oder es sein lassen. Je nachdem.

Gramovox ist an sich ein Bluetooth-Lautsprecher – aber diese Bezeichnung ist für dieses Gerät natürlich viel zu ordinär. (Alle Fotos: Gramovox)

Zur Zeit der Grammophone war Musik zu hören noch ein seltenes Erlebnis. Heute ist Musik so allgegenwärtig und uneingeschränkt verfügbar geworden, dass sie bisweilen zum lebensbegleitenden Klangteppich wird oder man sich gar satthört an bestimmten Titeln, selbst wenn man sie einmal mochte. Die beiden Macher von Gramovox wollen nun das Gefühl von damals in die Gegenwart bringen. Ihre Idee: Den Klang eines Grammophons mit der modernen Technik von heute kombinieren.

Auf den ersten Blick ist das großer Quatsch: Wozu sollte man seine perfekt aufgenommenen, aufwändig abgemischten und vielleicht auch noch verlustfreien Musikdateien nehmen und sie absichtlich im Klang verschlechtern? Wir haben heute doch ganz andere technische Möglichkeiten. Nur: Wer sagt eigentlich, was "guter Klang" ist?

Auf der einen Seite gibt es die Puristen. Sie wollen die Musik möglichst unverfälscht hören. Allerdings sind Verfälschungen unvermeidlich, denn der Weg der Musik lang: Er reicht vom Instrument über die Mikrofone, Mischpulte und Trägermedien bis hin zur Hi-Fi-Anlage des Hörers und wird wesentlich durch die abspielenden Boxen und die Akustik des Raumes beeinflusst – und nicht zuletzt durch das eigene Gehör. Und warum sollte eine Aufnahme in der Laborsituation eines Studios als "unverfälscht" gelten? Ist die nicht eher künstlich? Nicht umsonst nehmen Musiker ihre Alben auch in ganz anderen Umgebungen auf, gerade um dadurch einen anderen Sound zu erzeugen.

Und unter diesem Blickwinkel betrachtet, versteht man das Gramovox und die Begeisterung seiner Macher dann doch wieder. Sie hatten ein Magnavox R3 Grammophon gesehen und sich vorführen lassen. Und das ist laut ihrer "Gründungslegende" der Moment gewesen, in dem Gramovox entstanden ist. Im März dieses Jahre hatte ich das erste Mal darüber geschrieben. Jetzt sind sie so weit, dass ihr Bluetooth-Gramophon in die Produktion gehen kann und sie suchen über Kickstarter nach Unterstützern. Hier ihr Werbevideo:

Ich möchte bewzeifeln, dass sich nun plötztlich wieder Menschen staunend zum Musikhören versammeln, nur weil man seine Spotify-Playlisten über Gramovox abspielt. Aber mich spricht das Konzept sehr an, obwohl ich ansonsten eher auf Seiten der Puristen zu finden. Aber ich finde: Wenn schon "verfälschter" Klang, dann doch aber bitte mit Klasse.

Wie im Video erklärt, geben sich die Macher offenbar viel Mühe, den Klang früherer Zeiten möglichst originalgetreu wiederzubeleben. Ob ihnen das gelingt und ob einem das Ergebnis dann am Ende auch persönlich gefällt, lässt sich so aus der Ferne nur schwer beurteilen. So mancher wird das Projekt aber vielleicht schon deshalb unterstützen, weil Gramovox auch ganz unabhängig vom Klang ein Hingucker in der Wohnungseinrichtung ist und sich auch prima vorführen lässt.

Ob einem das dann umgerechnet knapp 260 Euro wert ist, muss allerdings jeder für sich entscheiden. So viel soll man dem Projekt via Kickstarter vorschießen, um dann im Juni 2014 seinen Gramovox zugeschickt zu bekommen. Immerhin: Steuern und Versandkosten sind in diesem Preis schon enthalten.

Weitere Informationen auf der Kickstarter-Projektseite von Gramovox und auf der offiziellen Website.

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