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13.12.13

Test

GoPro Hero 3 ausprobiert: Wozu braucht man eine Actioncam, wenn man kein Extremsportler ist?

Sven Wernicke
Die GoPro Hero 3 zum Ausprobieren. (Foto: Sven Wernicke)

Die Werbefilme für Actioncams wie die GoPro Hero 3 sind immer mitreißend. Aber was macht man eigentlich mit so einer Kamera, wenn man nicht zufällig Fallschirmspringer, Downhillbiker oder Windsurfer ist? Ich habe es einmal ausprobiert.


GoPro Hero 3 (Bild: GoPro)

Die GoPro Hero 3 im Test

Viele Monate schon hegte ich den Wunsch, eine GoPro 3 besitzen zu wollen. Und wie das nun einmal so ist: Wenn, dann sollte es natürlich das Topmodell "Black Edition" sein. Aber 450 Euro für ein Gerät, das im schlimmsten Fall gar nicht längerfristig Spaß bereitet? Denn im Gegensatz zu den Darstellern in den schick inszenierten GoPro-Videos bin ich nun einmal kein Fallschirmspringer, Bergsteiger, Snowboarder, Athlet, Fußballspieler, Höhlenkletterer, Tiefseetaucher und was auch immer.

Ich bin der Mann von nebenan - mit Hund, Spielkonsolen im Wohnzimmer und Vorliebe für Hightech-Spielzeug. Immerhin bin ich auch ein begeisterter Wanderer, der sogar bei schlechtem Wetter die Schönheit der Natur erleben möchte. Und immer dann, wenn ich auf der Webseite des Herstellers der trendigen Action-Cam landete, stellte ich mir die Frage: „So cool wie die GoPro Hero 3 ist - ist sie für mich auch ihr Geld wert?“ Dann kam das Angebot, das gute Stück einfach mal selbst einige Zeit testen zu dürfen. Perfekt!

Zwar überschnitt sich dies zeitlich mit der Veröffentlichung der neuen GoPro Hero3+ Black Edition, technisch sind die Unterschiede aber für Neulinge wohl von geringer Relevanz: Es bleibt schließlich bei den kompakten Ausmaßen und den Dingen, die mit der Kamera angestellt werden können.

Erste Gehversuche mit der Actioncam

Der erste Dämpfer kam dann schnell: Trotz des nüchtern betrachtet hohen Preises habe ich bei der GoPro Hero 3 leider nicht das Gefühl, rundum perfekt versorgt zu sein. Schon beim Auspacken fielen mir diverse negative Aspekte auf. Am besten ist es deshalb aus meiner Sicht, sich gleich im Vorfeld das Handbuch aus dem Netz zu laden. Die beiliegenden Informationen sind kaum der Rede wert oder gar eine Bereicherung. Als Neuling wusste ich nicht einmal sofort, wie ich die Cam aus der Verpackung holen sollte - die Halterungsschraube, die auch für das Zubehör gebraucht wird, muss erst entfernt werden.

Der Start ist also weit von einem komfortablen Einstieg entfernt. Das monochrome LCD und die Navigation durch die schlecht erkennbaren Menüs sind zudem keine Freude und werden es für mich nie werden. Besser ist es, gleich das Smartphone (hier iPhone 5) über Wi-Fi mit der Hero 3 zu verbinden, um direkt über die offizielle App Einstellungen wie Videoqualität, Auflösung, Bildwiederholrate oder Art der Aufnahme (Foto, Video, Burst, Timelapse) vorzunehmen. Das spart Zeit, ist bequemer und angenehmer.

Alternativ geht das auch mit der Remote halbwegs vernünftig, die zum Lieferumfang der Black Edition gehört. Eine ganze Ecke toller geht's mit dem separat erhältlichen LCD-Touchscreen, der auf die Rückseite der GoPro gesteckt wird. Dumm nur, dass dieser inklusive nötiger Gehäuse-Rückseiten noch einmal 100 Euro kostet. Zwar ist es dann sogar möglich, Fotos und Videos sofort auf dem kleinen Bildschirm anzuschauen, doch wird die Kamera größer, schwerer und das komplette Case wuchtiger.

Video: Die GoPro Hero 3 im Test-Einsatz

Problematischer Start

Im Normalfall lässt der Benutzerkomfort zu wünschen übrig: Mein Testexemplar besaß noch WiFi-Einstellungen eines anderen Kollegen, der die Kamera nicht auf den Werkzustand zurückgestellt hatte. Bis ich dies herausgefunden hatte und dieses Problem durch ein Firmware-Flash beseitigen konnte, verging einige Zeit.

Doch das sind ja alles Hürden, die ich als Technikfan bereit bin zu überwinden. Es geht ums Probieren, Experimentieren, ums „Learning by doing“. Hier ist die GoPro Hero 3 schon ein feines Gadget. Wozu alle Details in den Optionen oder Hilfe-Bereichen der App erklären, wenn man es auch selbst herausfinden darf? Der Käufer muss sich darauf einlassen und die Zeit sowie Geduld mitbringen. Denn sonst ist man nur genervt.

Ich schätze: Diese Friemelei, an die man sich natürlich schnell gewöhnt, gehört zum Gadget-Erlebnis unbedingt dazu. Einsteigerfreundlichkeit und ein sich selbst erklärendes System würden den Spaß bei so manchem verderben. Klingt komisch? Ist aber (sehr wahrscheinlich) so.

Nach etwas Bastelei und aus jetziger Sicht albernen Versuchen verstand ich nach ein paar Stunden die furchtbare Navigation direkt an der Kamera, wusste, wie das wasserdichte Gehäuse der Black Edition zu öffnen und wofür die Windows- bzw. OS X- Software zu gebrauchen war.  Schön. Dann konnte der Spaß beginnen – oder?

GoPro Hero 3 Review: Probieren geht über studieren....

Ich denke, es ist gar nicht so schwierig, einige Einsatzmöglichkeiten für die GoPro Hero 3 zu finden. Abhängig vom vorhandenen Zubehör kommt man schnell auf Ideen. Mir stand beispielsweise die große Saugnapf-Halterung zur Verfügung, die felsenfest an der Windschutzscheibe meines Autos hielt. Die Kopfhalterung ist für den Kopf geeignet. Für Wandertouren in der Einsamkeit ist das prima, in der nächsten Einkaufspassage möchte ich als Normalsterblicher nur ungern damit umherlaufen.

Abhängig von den individuellen Vorstellungen findet man beim Hersteller ein reichhaltiges Angebot an Haltungen zum Kleben, Schrauben und vieles mehr. Dieses Zubehör wird separat erworben, im Paket der Black Edition befinden sich ausschließlich das wasserdichte Outdoor-Gehäuse und zwei Klebehalterungen, auf die man sich langfristig sicherlich nicht verlassen kann. Als sehr robust, aber nur in Maßen flexibel, erweist sich der Schwenkarm mit Schraubbefestigung für das Anbringen an die Halterungen.

Allgemein wirkt das gesamte System logisch und gut durchdacht - von der einzelnen Kamera, die man in das wertige Gehäuse steckt, bis hin zum Montieren an Helme, Autos etc. Die Routine fürs Verwenden kommt, wie vermutlich bei allen Kameras, mit der Erfahrung und der Zeit.

Jedenfalls waren meine Ideen für die frühen Gehversuche schnell gefunden. Ich warf die GoPro Hero 3 in mein Aquarium - die Garnelen freuten sich über diese Überraschung. Ich selbst dagegen war etwas enttäuscht aufgrund des festen Fokus, der Nahaufnahmen sehr erschwert.

Sehr viel besser waren die Ausflüge mit dem Auto: Ich fuhr mit eingeschalteter Kamera in der Abenddämmerung über die in Dresden bekannte Waldschlösschenbrücke und ärgerte mich währenddessen darüber, dass ein Regentropfen direkt auf der Linse der Kamera bzw. am Gehäuse klebte und so für einen immerhin witzigen Unschärfeeffekt sorgte. Und ich pilgerte mit der Cam auf dem Kopf durch den Wald, tobte mit dem Hund über die Elbwiesen, machte komische Zeitraffer-Videos aus meinem Arbeitszimmer heraus und probierte unzählige Male die verschiedenen Modi aus.

Keine Frage: Das bereitet nach wie vor eine Menge Spaß! Es gibt allerdings auch ein Aber.

...aber was dann?

Vielleicht liegt es an der Jahreszeit, vielleicht auch an meinem beschränkten Horizont, aber relativ schnell war die große Begeisterung weg. Sicher: Ich kann die Kamera im Winter nicht mit an den Badesee zum Tauchen nehmen. Natürlich würden mir im Urlaub wieder frische Ideen für Foto- oder Video-Motive einfallen. Und gewiss könnten weitere Halterungen neue Möglichkeiten offenbaren. Dennoch war ich schon verwundert, wie flott ich mit meiner Kreativität an eine Grenze kam, an der ich dann wieder die Frage stellte: „Und, war’s das jetzt?“

450 Euro für die Katz‘? Das kann man so nicht sagen. Denn die GoPro Hero 3 macht schließlich genau das, was sie soll - und das auch sehr gut. Ich kann damit leben, dass die Video-Vorschau auf dem Smartphone verzögert ist und daher nur in Maßen zu gebrauchen ist. Genauso kann ich mich mit dem fehlenden Nutzerkomfort arrangieren. Problematisch ist aber der mangelnde Einfallsreichtum - meinerseits!

Mein GoPro Hero-Test: Ein persönliches Fazit

Meine Empfehlung kann am Schluss nur lauten: Vor dem Kauf sollte man sich unbedingt genau überlegen, wofür die GoPro Hero 3 verwendet werden soll. Wem nur ein, zwei Dinge einfallen, der investiert sein Geld womöglich nicht gut.

Menschen mit einer Vorliebe für sportliche Ertüchtigung, Weltenbummler, Leute mit viel Zeit oder dem ernsthaften Wunsch, sich intensiv mit dem Gerät zu beschäftigen (auch fürs Bearbeiten der Resultate oder das Erstellen von Videos!), bekommen hier ein enorm vielseitiges Gadget, das regelrecht nach „Probiere mich aus! Hab Spaß mit mir!“ schreit. Es ist ein Werkzeug für einfallsreiche Abenteurer, ein Mittel, etwas von sich und seinem Umfeld zu zeigen oder gar eine besondere Perspektive auf den Alltag darzustellen.

Obgleich der genannten „Probleme“ schätze ich die Logik der Erfinder, die sinnvolles Zubehör genauso wie intelligente Lösungen (Schutz-Gehäuse, Zusatzakku etc.) parat haben. Trotzdem: Ich für mich weiß jetzt, dass nicht etwa die GoPro Hero 3 nicht für mich geeignet ist, sondern dass ich nicht für die GoPro Hero 3 geeignet bin. Und für diese Erkenntnis bin ich dankbar. Ich habe damit nun 450 Euro gespart.

Schade, dass diese Erkenntnis bei meiner Spiegelreflex-Kamera, bei meiner Ouya, bei meiner Wii und vielen anderen Geräten nicht auch schon vor dem eigentlichen Kauf kam...

Besitzt ihr auch eine Action-Cam wie die GoPro Hero 3? Welche Erfahrungen habt ihr mit dieser gemacht? Habt ihr womöglich noch Monate später Freude mit ihr? (Zumindest hoffe ich das für euch!)

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