17.01.14

Schlaue Kontaktlinse: Google kämpft gegen Diabetes und schlechte Publicity

Smarte Technik soll Diabetikern helfen. Bild: Google

Google arbeitet an einer vernetzten Kontaktlinse, um gegen Diabetes zu kämpfen. Diese gute Nachricht kommt sicher nicht zufällig jetzt. Mitten in eine Zeit der Datenschutzskandale, in der auch Google zunehmend in die Kritik gerät, lautet die frohe Botschaft: Seht her, mit den Daten, die wir täglich sammeln, lässt sich auch etwas Gutes anstellen.

 

Erst die schlaue Brille, jetzt eine vernetzte Kontaktlinse. Google hat es unser Sehapparat offenbar angetan. Der Hintergrund der neu vorgestellten smarten Kontaktlinse ist allerdings nicht die Kommunikation mit sozialen Netzwerken oder die Aufnahme von Bildern. Die Linse soll den Blutzuckerspiegel sekündlich überwachen und den Träger über eine LED bei Auffälligkeiten warnen.

 

Sekündliche Messung

Mit einer kleinen Antenne, die nicht dicker sein soll als ein Haar, ließe sich die Linse auch drahtlos mit anderen technischen Geräten verbinden, einem Smartphone, Smart Device oder einfach einem Glukosemonitor. Noch sei es für genaue Spezifikationen aber zu früh, schreiben Brian Otis und Babak Parviz, zwei der Projektleiter in einem Blogpost.

Die Linse würde den Blutzuckerspiegel über die Tränenflüssigkeit messen, ein Verfahren, das derzeit von der Medizin getestet werde. Bislang sei es für Diabetiker häufig ein Full-Time-Job, den Glukosespiegel zu überwachen und darauf zu reagieren, mögliche Messmethoden ein Graus. Eine funktionierende smarte Linse könnte die Lebensqualität von Diabetikern erhöhen, zumindest bei solchen, die sich eine solche Linse werden leisten können. In einer Zeit, in der das Welt Diabetes Forum davor warnt, dass die Zahl der Zuckerkranken bis 2035 signifikant steigen werde und dann in einigen Nationen jeder Zehnte betroffen sein könnte, sei dieses Projekt einen Versuch wert, schreiben die Projektleiter.

Keine Angst vor Big Data

Das wollen wir auch gar nicht bestreiten. Ein Projekt, dass hunderten Millionen Menschen mehr Lebensqualität verschafft? Her damit! Wir interessieren uns aber natürlich auch für das Wirtschaftsleben und das Ränkespiel der großen Technik-Unternehmen. Und da ist es zumindest interessant, dass diese Meldung am Ende der gleichen Woche erscheint, in der Google durchaus ein wenig Kritik für den Kauf des Smart-Home-Startups Nest einstecken musste. Unser Leben bald auf Schritt und Tritt überwacht von der NSA und Google als dessen Erfüllungsgehilfe - so klingen die Bedenken zahlreicher Nest-Kunden und Journalisten.

Google zeigt nun also, dass Daten auch etwas Gutes sein können. Sie können Menschen retten, mehr Lebensqualität schaffen. Die Meldung über die smarte Kontaktlinse ist also auch eine freundliche Erinnerung von Google daran, dass Big Data ja nur zu unserem Besten ist. Kluger Schachzug. Aber wir bleiben natürlich gewarnt, auch wenn wir uns auf diese Kontaktlinse und auch Google Glass natürlich freuen.

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