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21.01.10

Google Nexus One kaufen: So klappt's auch in Europa

Get your phone - nexus one

Googles Nexus One läutet kein neues Zeitalter der Mobilfunkindustrie ein. Aber das teure Superphone ist ein mehr als solides Spitzengerät. Wir zeigen, wie auch Europäer das sperrfreie UMTS-Smartphone kriegen.

Wie das Review zeigt, entpuppt sich das Gerät als sehr solide Alternative zu iPhone und Konsorten, welches keinen Vergleich zur Konkurrenz scheuen muss. Im Gegenteil – wir sind der Meinung, dass die technische Messlatte für Smartphones soeben ein Stück nach oben angesetzt wurde.

Wer nun deswegen plötzlich ganz kribbelige Finger kriegt und sich nicht bis zum Frühling gedulden will, bis das Handy voraussichtlich auf dem europäischen Festland ankommt, kann mit ein wenig Aufwand auf überteuerte eBay-Angebote verzichten. Warnung: Wir übernehmen keinerlei Garantie dafür, dass dieses Verfahren funktioniert und legal ist, oder dass die beschriebenen IT-Methoden harmlos sind. Nachahmung erfolgt auf eigene Gefahr. Für uns hat's geklappt.

Eine gewöhnliche Bestellung eines Nexus One aus Europa scheitert bereits beim Zugriff auf die Startseite www.google.com/phone. Besucher mit IP-Adressen, welche nicht im Liefergebiet liegen, werden mit einem simplen «Sorry, the Nexus One phone is not available in your country» abgespeist. Aha, wenn wir nicht aus dem Ausland bestellen dürfen, dann wird auch nicht ins Ausland geliefert – die bekannten Ausnahmen UK, Hongkong und Singapur ausgeschlossen. Aber das kann man umgehen:

Demnach ist die erste Aufgabe, erst mal zu einer gültigen Lieferadresse in den Staaten zu kommen. Wer nicht über das Glück verfügt, auf Bekannte oder Verwandte in Übersee zurückgreifen zu können, dem wird dank nicht ganz kostenfreien, aber dennoch günstigen Weiterleitungsdiensten geholfen. Zu diesem Zweck wurde mir von einem Freund www.myus.com empfohlen. Es gibt auch andere Anbieter, welche Vorteile bieten, indem sie beispielsweise Geräte zu Adressen in Staaten wie Oregon liefern lassen, wo es keine Sales-Tax (Umsatzsteuer, in vielen US-Staaten über 10 Prozent, und dem Preis des Nexus One zuzurechnen!) gibt. Die Recherche nach einem passenden Angebot lohnt sich. Theoretisch liesse sich die Sales-Tax auch zurückverlangen, nachdem man beispielsweise die Deutsche Mehrwertsteuer bezahlt hat. Ob der Aufwand die rund 50 Dollar lohnt, ist indes fraglich. Eine Europa-Lieferung des Nexus One ist ohnehin eine relativ kostspielige Sache.

"MyUS.com" bietet drei Service-Optionen an. Die Budget-Version haben wir unbeachtet gelassen und uns direkt für die goldene Mitte entschieden, welche nach einer einmaligen Einrichtungsgebühr über 20 US-Dollar jährlich 60 Dollar von der Kreditkarte abzieht. Sie bietet auch die Möglichkeit, Bestellungen zusammenzufassen und diese in einem Paket jeweils einem von fünf frei definierbaren Empfängern zukommen zu lassen, was einige Versandkosten spart. Wem es aber nur nach dem Nexus One gelüstet, der kann sich auch durchaus mit der günstigen Variante zufrieden geben, zahlt aber leicht mehr für den Endversand.

Die Kreditkarteninformationen sind eingegeben, der Auftrag zur Zuteilung eines «Toten Briefkastens» abgeschickt, und schon ist man dem Wunschgerät einen Schritt näher: die Lieferadresse sowie Telefonnummer in Florida werden uns mitgeteilt. Diese Daten können nun auf www.google.com/checkout dem eigenen Account als Lieferadresse und Kontaktnummer hinzugefügt werden, damit es später auch mit der Lieferung klappt. Dass das künftige Nexus One mit einer europäischen Kreditkarte bezahlt wird, ist Google egal.

Die erste Hürde ist überwunden, der spannende Teil kommt aber erst auf uns zu. Man wird trotz US-Lieferadresse als Europäer wegen der IP-Adresse weiterhin aus dem Bestellvorgang ausgeschlossen. Das Zauberwort, um diese Schranke zu umgehen, lautet «Proxy».

Proxys sind Server, welche dem Ziel-Computer eine andere IP-Adresse des Users vorgeben. Sie werden üblicherweise für den VPN-Zugriff auf ein Firmen-Intranet angewendet. Damit die Verbindung auf die unternehmensinterne IT-Infrastruktur reibungslos klappt, gibt das VPN-Programm dem Firmen-Server vor, nicht aus den grossen Weiten des Internets eingeloggt zu sein, sondern vom LAN, oder zumindest aus einem erlaubten IP-Adressenbereich. Diese Möglichkeit werden wir uns nun zunutze machen, indem wir uns als US-Computer ausgeben.

Zuerst versuchten wir dies mithilfe der verschiedenen freeproxies.org-Server zu bewerkstelligen, was sich jedoch als untaugliche Lösung entpuppte. Der Zugriff auf die Hauptbestellseite erfolgte zwar erfolgreich, aber spätestens bei der Auswahl der gewünschten Bestelloption glänzten alle getesteten freeproxies.org-Varianten mit Versagen auf ganzer Linie, der Nerv-Faktor stieg kurzzeitig ins Unermessliche.

 

 

Ein kurzes Wühlen in der Internet-Trickkiste führte uns schliesslich auf den richtigen Pfad. Die Bedingungen für die Suche sind einfach: Es muss ein Proxy aus den Vereinigten Staaten sein, der zudem das Verschlüsselungsverfahren SSL unterstützt. Eine Google-Suche (sic!) nach «free transparent US proxy list» ergab brauchbare Resultate. Es sei aber Vorsicht bei der Verwendung angebracht. neuerdings.com übernimmt keine Verantwortung für misslungene Versuche oder Weiterleitungen zu Malware-gespickten Seiten! Zuerst empfehlen wir, bekannte, lokale Webseiten aufzurufen, um sich zu vergewissern, dass hier dem Benutzer keine bösartigen Inhalte untergejubelt werden. Ausserdem raten wir, vor der Verwendung des Proxys in Google Checkout einzuloggen, und nach Vollendung der Transaktion das Checkout-Passwort sofort zu ändern und erstmal die Kreditkarteninformationen aus dem Checkout-Konto zu entfernen. Das nur als zusätzliche Sicherheitsmassnahme. Mit dem Proxy schaltet man schliesslich den ominösen "Man in the middle" selber in seine Verbindung und gibt ihm Zugriff auf all seine übermittelten Daten.

Die gewünschten Proxy-Informationen gibt man im Browser in den Verbindungseinstellungen ein, und wenn alles klappt, sieht www.google.com/phone plötzlich viel einladender aus. Anstatt eines grauen Balkens begrüsst uns ein blauer Button mit «Get your phone».

 

Man muss sich teilweise ein wenig gedulden, bis die einzelnen Schritte der Bestellung verarbeitet werden. Die Daten werden schliesslich über den Proxy-Server umgeleitet und benötigen dafür auch länger. Da diese Dienste auch vergleichsweise häufig benutzt werden, kann eine erhöhte Serverlast auch Wartezeiten nach sich ziehen; Geduld bringt schliesslich sprichwörtlich Rosen – oder in unserem Fall: Nexus Ones.

 

Nun geht alles plötzlich schnell: Bestelloption auswählen - das Nexus One ist in allen Versionen simlockfrei, aber ein T-Mobile-Abo in den USA bringt nicht viel, also die teure, freie Version des Nexus One wählen - anschliessend wird nachgefragt, ob der Käufer auch eine Laser-Gravur wünscht, Auftrag bestätigen, und schon bald ist das Nexus One unterwegs zu unserem Briefkasten irgendwo in einer Kleinstadt in Florida. Unsere Konten sind um einige hundert Dollar erleichtert, und der gesteigerte Adrenalinpegel erschwert das Einschlafen beträchtlich – aber das «Superphone» ist unterwegs.

In der folgenden Nacht wird das Objekt der Begierde zum myus-Briefkasten versendet. Sobald die Lieferung von einer am Ankunftsort garantiert anwesenden Person unterzeichnet wird, erfolgt von dort schon bald eine Meldung per E-Mail, dass die Bestellung geliefert wurde, und eine Anfrage mit Optionen wie nun vorzugehen sei. Der geneigte Leser wird nun wohl den Befehl zur «Urgent delivery» wählen, und weiter geht das Paket, unterwegs in die Alte Welt, Tracking-Nummer inklusive.

 

Etwa zwei bis vier Arbeitstage später meldet sich der freundliche Mitarbeiter von FedEx an der Tür und übergibt das Paket. Die Rechnung der Zollgebühren und für die Mehrwertsteuer erwarten wir noch, aber das Nexus One ist in unseren Händen – Ziel erreicht. Übrigens ist das Netzteil mit 220 Volt Spannung kompatibel, so ist für die Benutzung lediglich ein Stecker-Adapter vonnöten.

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