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19.01.10

Google Nexus One im Test (III): Rechenzentrum in der Hosentasche

Google Nexus One: Red' mit mir!

Das Nexus One von Google ist ein leistungsstarkes und schönes Mobiltelefon. Die Revolution aber liegt nicht im Handy, sondern in seiner Anbindung an Google. Wir zeigen sie in vier Videos.

Google Nexus One: Red' mit mir! Seit einer Woche spiele ich jetzt mit dem Googlephone Nexus One herum, freue mich über nette Details und ärgere mich über Kinderkrankheiten und Dummheiten, wie sie auch das iPhone am Anfang (und auch heute noch teilweise) hat.

Dabei spielen all diese Dinge eigentlich keine Rolle. Die Revolution des Nexus One von Google liegt nicht im Gerät. Sie steckt in den Google Rechenzentren, im Suchindex, in Kartenmaterial und Satellitenfotos.

Das Nexus One ist ein ganz gutes Smartphone. Zum Superphone aber wird es erst durch die Leistung, die aus der Cloud kommt.

Weil das so ist, ziehe ich in dieser Serie von Testberichten für einmal eine Art "Fazit" vor:

Wenn ich die Neuerungen des Nexus One und von Android 2.1 zusammengefasst beschreiben müsste, würde ich sagen: Sie besteht in der (ersten) vollwertigen Anpassung des Konzepts von "Information auf Tastendruck" aus der Welt der PC an die Welt der Mobilkommunikation.

Die Spracherkennung des Nexus One - die mit dem Telefon selber nur am Rande zu tun hat, denn wie alles andere passiert die Umsetzung der Audio-Daten in Text nicht auf dem Nexus One, sondern bei Google in deren Rechenzentren - ist ein Meilenstein, auch wenn sie von den meisten Rezensenten bisher mit einem Schulterzucken als "ganz gut" abgetan wurde. Das liegt wohl auch daran, dass es zum Nexus One kein Handbuch gibt und man sich selbst durch die Unmenge an Features kämpfen, versteckte Menus und "Zauberwörter" für die Spracherkennung kämpfen muss.

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Andrererseits sind das Nexus One und Android grundsätzlich und von Anfang an darauf ausgerichtet, dass der Anwender keine Fragen stellen muss - es geht umgekehrt: Das Handy will einmal meinen Google-Zugang wissen - und saugt sich dann in Sekunden meine 1000 Adressen, Kalenderdaten dreier Jahre, mehrere Zehntausend Mails von GMail und alle Konversationen plus Kontakte für Gtalk aus dem Netz. Zack. Eingerichtet. Fertig (es saugt natürlich nur wenig und lässt den Rest in der Cloud. Schon klar).

Einen Abgleich oder eine Synchronisierung mit dem PC gibt es nicht und braucht es nicht. Synchronisierung findet ständig im Hintergrund und je nach Anbindung via WLan oder UMTS statt, und zwar mit den Google-Servern, auf denen die Dokumente, Tabellen, Mails, Feeds und so weiter ja ohnehin liegen.

Alles - je nach Einstellung -, buchstäblich alles, was aus dem Netz kommt, wird permanent abgeglichen, von Facebook über den Kalender zu sämtlichen Mailaccounts bis zu den Adressen und den GoogleDocs. Eine Anbindung an den PC gibt's zwar, aber sie ist eigentlich nur zum Notfall-Austausch von Dateien ganz direkt via Explorer vonnöten: Musik zum Beispiel, die ich inzwischen aber auch bereits lieber am Nexus im Amazon-MP3-Shop kaufe - und sie später am PC direkt bei Amazon nochmal ziehe.

Zusammengefasst: Dieses Handy will nichts mit dem PC, aber alles mit der Cloud zu tun haben - und es tut dies sehr konsequent. Und darum sind alle Daten immer auf allen Geräten verfügbar.

Das ist das Google-Konzept: Das Telefon ist nicht mehr als die Verlängerung aller Google-Anwendungen im Netz - und der Daten, die eben auch dort, in der Cloud liegen. Dieses Konzept ist in allen Google-Anwendungen in Android sehr fliessend umgesetzt, was zusammen mit dem 1GHz-Prozessors des Nexus One und seines atemberaubend brillanten Bildschirms für eine Tempo-Orgie sorgt, die einfach Spass macht.

Dazu kommen die Gimmicks des Nexus One /Android 2.1, wie die Live-Wallpapers, die nahtlose Integration von Google Maps und der Suche - und die Strassen-Navigation. Letzterer widme ich ein eigenes Posting - sie war einer der Gründe für mich, das Gerät zu kaufen, und ein erster Test bestätigt meine Hoffnung - sie ist ausserordentlich gut.

Wenn aber das Geheimnis des Superphone gar nicht im Nexus One steckt - warum brauchte Google es dann?

Das Nexus One ist mit seinem leistungsstarken Prozessor und den zwei Mikrofonen, die für eine ideale Trennung zwischen Eingabesprache und Umgebungslärm sorgen, für diese Eingabeart optimiert. Ich hege keinen Zweifel, dass Google vor allem für seine Entwickler ein ideales Telefon haben wollte, dessen System nicht durch erweiterungen eines Drittherstellers verkleistert und dessen Hardware auf die Anwendungsarten konzipiert ist, die sich Google für die Zukunft vorstellt.

Was heisst das nun im Alltag mit dem Nexus One?

Es heisst, dass die Google-Suche auf dem Handy zu einer Sache von "Taste drücken, Frage stellen" - und Sekunden später, zumindest im Wifi-Empfangsbereich und mit UMTS, Resultate ansehen wird. Die können dabei natürlich sowohl im Browser wie auch in der Kontaktliste oder in der Übersetzungsapplikation auftauchen. <object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/0Yi_hyap2wQ&amp;hl=en_US&amp;fs=1&amp;rel=0" />

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Für die unerwartet guten Resultate der Spracherkennung gibt es zwei Erklärungen:

Erstens muss für die Suche keine vollkommen fehlerfreie Spracherkennung stattfinden. Für das Diktat eines Geschäftsbriefes hingegen sind 95% Erkennungsrate inakzeptabel. Und zweitens kann Google, weil weder die Spracherkennung noch die Suche auf dem Nexus One stattfindet - oder bald auf jedem Android-Handy und wohl auch auf dem iPhone - die volle Power seiner Server und Indizes ausnutzen.

Konkret: Die klassische Suche findet auf dem Nexus One am bequemsten über eines der Widgets statt, das direkte Google-Suchen startet. Natürlich kann man in das Eingabefeld auch Buchstaben tippen , aber ich habe am dritten Tag nur noch gesprochen: Ein Knopfdruck, ein Suchbegriff, und drei Sekunden später liegen die Resultate im blitzschnellen Browser vor.

Genau gleich funktioniert es in den Google Maps. Hier ist das Problem, dass ich gewisse Namen nicht englisch aussprechen kann oder nicht wiess, wie man sie englisch aussprechen würde. Solange es einen englischen Namen für eine Stadt gibt, kann ich sie in Sekunden finden, ansonsten wird es schwieriger - und das gleiche gilt für Nachnamen und die Suche in den Kontakten. Trotzdem hilft die Spracherkennung auch dort: Statt "Hogenkamp" sage ich "Peter", kriege eine Liste aller Peter in meinen Kontakten und tippe den richtigen an.

Die Spracherkennung lässt sich für die Eingabe von Text nutzen, aber es gibt auch eine Ausgabe von Text als Sprache - und zwar in verschiedensten Sprachen, von Spanisch über Italienisch, Französisch, Deutsch und Schwedisch - alles ohne die Installation umfangreicher Sprachdateien: Die Spracherzeugnisse sind keine Tonsamples, sondern eine weitgehend Sprachsynthese. Das klingt bisweilen etwas blechern, aber dafür funktioniert es und ist sehr schnell. Und zwar sowohl beim Vorlesen von SMS als auch in der Navigation oder in der Übersetzungsanwendung:

Eine Kombination aus allen drei Technologien - Spracheingabe, Auslagerung der Rechenaufgaben in die Google-Zentralen und Sprachsynthese - ist dieses Programm des Google Nexus One, das Wörter und ganze Sätze übersetzt und sowohl anzeigt, als auch (in vielen Sprachen) ausspricht.

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Im Video ist zu sehen, wie gut das bereits funktioniert - und auch wenn die Ausgabe in der Zielsprache manchmal etwas holprig sein dürfte: Für eine einfache Verständigung reicht es, und wenn man sich vorstellt, dass neben Englisch wohl bald auch andere Sprachen erkannt werden dürften, könnten sich demnächst Menschen in zwei Sprachen miteinander unterhalten, indem sie das Handy als Dolmetscher zwischen sich legen.

Ich werde in den nächsten Postings auf all die Anwendungen, die Ecken und Kanten des Nexus One und Android 2.1 eingehen. Aber das sind alles Nebenwerte, die man heute von jedem Smartphone erwarten darf. Seit drei Tagen - seit ich das Konzept verstanden habe - begeistert mich das Nexus One aber als "Antwort-Maschine".

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Ich habe nicht nur angefangen, die Google Suche auch auf dem Handy zu benutzen (was ich bisher nur in Notfällen getan habe, obwohl es auf dem Nokia E71 durchaus geht). Ich habe mich vielmehr bereits dabei ertappt, am PC sitzend eine Frage ins Nexus zu diktieren, statt im Browser ein Tab mit Google zu öffnen und eine Frage zu tippen.

Es ist geht schneller und bequemer.

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