08.05.14

Google Nest: "Wir können mit euren Daten auch Geld verdienen, ohne böse zu sein"

Schöne bunte Welt: Google Nest.

Der Internetkonzern hat genug vom Negativimage und will das Vertrauen der Nutzer zurückgewinnen. Deswegen stellte Google auf der Internetkonferenz re:publica 14 in Berlin neue, sichere Datenservices wie Google Trust vor. Die persönliche Drohne Google Bee soll das Leben der Nutzer einfacher machen. Moment - ist das wirklich Google?

 

„Herhören, herhören“, ertönte es kurz vor 15 Uhr im Foyer der „Station“ in Berlin, Austragungsort der diesjährigen re:publica, sinngemäß von einem Podium. „Gleich werden wir spannende neue Projekte von Google Nest vorstellen. Sicherheit und Datenschutz neu definiert. Kommt vorbei, es wird großartig.“

Google? Nest? Datenschutz. Ein wichtiges Thema für neuerdings, in Zeiten, in denen das Thema Big Data auch für Hardware wie das von Google übernommene, "intelligente" Thermostat Nest immer wichtiger wird. Ich folgte dem Lockruf und begab mich in den Saal mit der größten Bühne und erfuhr über Google Nests neueste Produkte wie Google Trust, Google Hug und Google Bee.

 

Google Trust: „Ihr könnt uns vertrauen“

„Daten-Versicherung“ nennt Google Nest den neuen Service Google Trust, dessen Nutzung der Anwender erst zustimmen muss. „Wir können nicht immer garantieren, dass wir alle eure Daten schützen können“, heißt es von Google auf dem Podium. „Aber wir können sichergehen, dass wir euch schützen.“ Google schützt die Daten der Nutzer vor anderen. Der Dienst ist für bestehende Google-Nutzer kostenlos. „Sie bezahlen mit Ihren Daten.“

Die persönliche Helfer-Drohne

Noch einen Schritt weiter geht der Dienst Google Hug. Hier will Google biometrische Daten erfassen und auswerten und erstmals auch das Wohlbefinden des Nutzers anhand von Status-Updates, Mailinhalten und Aufenthaltsorten ermitteln.

Für die neuerdings-Leser sicherlich am interessantesten: Google Bee. Die private Drohne, die über die schlaue Datenbrille Google Glass gesteuert wird, kundschaftet die Umgebung in Echtzeit aus, weiß, wer sich nähert und zeigt live an, was in der Nachbarschaft gerade los ist. „Gehen eure Kinder wirklich dahin, wo sie behauptet haben? Google Bee weiß es“, so Google-Nest-Mitarbeiterin Gloria Spindle.

 

Google Bye: Das digitale Grab

Und dann wäre da noch Google Bye, der erste ernstzunehmende Service, der sich um die sozialen Profile des Nutzers nach dessen Ableben kümmert. Stirbt der Nutzer, werden seine Freunde direkt per Push-Nachricht darüber informiert. Eine Google-Plus-Seite, die die emotionalsten Mails des Nutzers wie eine Art Gedenkschrift noch einmal rezitiert, ermöglicht es den Freunden, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen und eine Nachricht auf dessen digitalem Grabstein zu posten.

Wer zwischen den Zeilen gelesen hat, wird natürlich irgendwann erkannt haben: Google Nest ist ein Scherz, eine Initiative von Datenschützern, um darauf hinzuweisen, dass Google die Datensicherheit eben nicht wichtig ist und dass der Dienst immer mehr Daten will und diese auch in falsche Hände gelangen könnten. Und natürlich hat Google Nest nichts mit dem lernfähigen Thermostat zu tun, das Google im vergangenen Winter gekauft hatte, auch wenn in der Fußnote davon die Rede ist.

Erster Testkandidat Jan-Josef Liefers

Die Präsentation von Google Nest auf der re:publica kam dennoch täuschend echt daher. Die Präsentatoren stellten sich als Google-Mitarbeiter vor („Von Larry selbst nach Hamburg geschickt“) und begannen erst mit dem wenigsten verdächtigen Produkt Google Trust, bevor beim Publikum spätestens bei Google Hug langsam der Groschen fiel. Schauspieler Jan-Josef Liefers, der sich wohl nicht ganz zufällig im Publikum befand, wurde für eine Demonstration von Google Hug gekapert: Die App stellte aufgrund seiner biometrischen Daten angeblich fest, dass er dringend einer Umarmung bedürfe. Liefers machte den Scherz mit.

Google Trust - eigentliche eine schöne Idee, die wir aber von Google selbst wohl niemals sehen werden.

Jetzt gratis anmelden und wir unterstützen Sie mit Informationen und aktuellen Lernangeboten!