17.04.14

Ausprobiert: Googles neue Kamera-App mit "Lytro-Feature"

Beispielfotos von Google für den „Lens Blur“-Effekt.

Google hat seine Kamera-App um interessante neue Features erweitert und sie für alle frei verfügbar in den Play Store eingestellt. Unter anderem versteht sie sich auf eine Art „Lytro-Feature“, bei der man die unscharfen Bereiche des Bildes im Nachhinein verändern kann. Klingt gut, hat aber seine Grenzen.

 

Wir testen hier nur selten Apps, aber Googles neue Kamera-App ist in vielerlei Hinsicht interessant. Zum einen stellt Google sie erstmals über den Play Store zur Verfügung. Zum anderen wurde sie erweitert und verbessert. Dabei hat Google erneut die Benutzeroberfläche überarbeitet – offenbar in der Hoffnung, sowohl die Übersichtlichkeit zu erhöhen als auch Funktionen leichter verfügbar zu machen. Die interessanteste Neuerung ist aber sicherlich „Lens Blur“.

Was ist und was kann „Lens Blur“?

Von hochwertigen Kameras kennt man den Effekt, dass Objekte im Vordergrund scharf erscheinen und alles dahinter unscharf – oder umgekehrt. Technisch bedingt ist das bei Smartphone-Kameras nicht möglich. Googles neue Kamera-App will das nun per Algorithmus simulieren und geht dabei noch einen Schritt weiter: Was im Bild scharf und unscharf ist kann man im Nachhinein festlegen und ebenso die Stärke des Effekt verändern. Hier einmal Beispielbilder, die die Möglichkeiten und Grenzen aufzeigen (mit Klick auf die Vorschau bekommt ihr eine größere Version):

 

 

 

 

Die Handhabung der Funktion ist dabei recht einfach: Wählt man die „Lens Blur“-Funktion aus, soll man die Kamera nach dem Auslösen ein Stück nach oben bewegen, dabei aber das eigentliche Motiv möglichst an der selben Stelle im Bild lassen. Ein Algorithmus versucht dann abzulesen, welche Teile des Motivs im Vordergrund und welche im Hintergrund sind.

Nach dem Aufnehmen findet man bei all diesen Fotos in der Bildergalerie das „Lens Blur“-Symbol und kann dann durch einfaches Antippen des Bildbereichs festlegen, was scharfgestellt werden soll – ähnlich, wie man es von der „Lytro“-Kamera kennt. Über einen Schieberegler stellt man ein, wie stark die Unschärfe sein soll.

In meinem kurzen Praxistest habe ich damit recht gute Effekte erzielen können. In den obigen Beispielen sieht man aber gerade bei starker Unschärfe, dass der Algorithmus Probleme mit den komplexen Blättern und dem eher strukturlosen Himmel dahinter hatte: Es wird nicht sauber voneinander abgegrenzt. Ins Schwimmen kommt der Algorithmus auch bei bewegten Objekten.

Hat man hingegen ein ruhiges und recht scharf umrissenes Motiv, funktioniert es gut:

 

Bei einem komplexen Motiv stößt man eher an die Grenzen:

 

Da ich das Feature aber nur kurz ausprobieren konnte, kann man hier mit einiger Übung vielleicht noch bessere Ergebnisse erzielen. In diesen beiden Beispielen wiederum finde ich es recht gelungen, auch wenn es nicht in jedem Detail klappt:

 

Generell ist zu beachten, dass die Bilder offenbar nur in verringerter Auflösung mit 1.024 Pixel maximaler Kantenlänge vorliegen.

Panorama, Photosphere

Darüber hinaus bietet Googles Kamera-App wie bereits gewohnt eine Funktion für Panoramen. Hier soll man laut des kurzen einleitenden Tutorials die Kamera selbst bewegen und nicht etwa sich selbst herumdrehen. Ich persönlich empfinde es als recht umständlich in der Handhabung, wenn ich es mit meiner Panasonic Lumix LX7 vergleiche, denn bei der Kamera-App mache ich das Panorama praktisch Bild für Bild und muss jeweils warten, bis ausgelöst wurde. Meine Kompaktkamera schwenke ich dagegen einfach gemächlich von links nach rechts und fertig.

Hier zwei Beispiele, die ich manuell auf 1.200 Pixel Breite verkleinert habe:

 

 

Die Panoramen haben nun eine bessere Auflösung als bisher. Hier könnt ihr euch eines in der Originalgröße herunterladen (JPG, 3,8 MB).

Darüber hinaus kann die App wie bisher auch „Kugelpanoramen“ aufnehmen, hier „Photosphere“ genannt. Die kann man dann beispielsweise auf Google+ hochladen, wo man die Rundum-Ansicht dann mit dem Mauszeiger schwenken kann. Klickt bei diesem Beispiel einfach auf das Vorschaubild.

Abstürze und Probleme

Etwas beunruhigend fand ich, dass ich während meines an sich kurzen Tests zwei schwerwiegende Probleme hatte. Im ersten Fall verlor die App offenbar die Verbindung zur Kamera. Das manuelle Beenden der App hat nicht geholfen. Erst ein Neustart brachte die beiden wieder zusammen. Und bei einem „Lens Blur“-Versuch ist mein Smartphone gleich komplett abgestürzt und dann auch erst im zweiten Anlauf wieder gestartet. Bedenkt man, dass ich es auf einem von mir unveränderten Nexus 4 getestet habe, finde ich das etwas ernüchternd. Ich kann natürlich nicht ausschließen, dass andere Apps oder bestimmte Einstellungen auf meinem Gerät zu diesen Problemen geführt haben. Mit der bisherigen Kamera-App hatte ich zwar ebenfalls gelegentlich Probleme, aber doch sehr selten.

Mein kurzer Foto-Ausflug hat nebenbei bemerkt eine Menge Akku gekostet. Panoramen, Photospheres und auch die „Lens Blur“-Fotos werden schließlich vom Prozessor erst berechnet und verarbeitet. Das kostet entsprechend Strom. Da der Akku bei meinem Nexus 4 sowieso nicht sonderlich berühmt ist, fällt das natürlich besonders auf.

Fazit

Wer Googles Kamera-App sowieso auf dem Gerät hat, bekommt die neue Version einfach als Update. So war es jedenfalls bei mir. Alle anderen können sie hier über den Play Store installieren . Voraussetzung ist allerdings mindestens Android 4.4.

Ob man die neue Benutzeroberfläche nun einfacher findet als die alte, ist aus meiner Sicht Geschmackssache. Die Buttons zum Umschalten der Modi blenden sich am Anfang kurz am linken Bildschirmrand ein und verkrümeln sich dann nach links aus dem Bild. Mit einem Swipe nach rechts lockt man sie wieder hervor.

Das „Lens Blur“-Feature kann sehr interessante Ergebnisse erzielen, wobei man auch schnell an die Grenzen der Technik stößt. Hier hilft vielleicht noch etwas Übung und eine ruhige Hand. Trotzdem geht natürlich nichts über eine Kamera, bei der dieser Effekt einfach vorhanden ist und nicht simuliert werden muss – was allerdings niemanden überraschen sollte.

hier über den Play Store installieren Weitere Hintergründe zur App und vor allem zum „Lens Blur“-Effekt findet ihr im Google Research Blog.

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